Ganz neu in Berlin. Luke Sikma (li.) im Trikot von Valencia. Foto: imago/Agencia EFE
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Basketball Alba Berlin: Neues Personal und bemerkenswerte Ambitionen

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Alba Berlin hat schwierige Zeiten hinter sich. Nun soll es wieder aufwärts gehen. Schlüssel zum Erfolg kann ein intelligenter Zugang sein.

Luke Sikma und Spencer Butterfield treten im siebten Stock des Alba-Büros hinaus auf die Terrasse zum Fotoshooting und blicken über die Dächer Berlins. „Diese Stadt hat so viel Geschichte. Ich bin neugierig, ich will sie kennenlernen“, sagt Sikma. Der US-Amerikaner ist von all den Transfers, die Alba Berlin vor dieser Saison getätigt hat, wohl die größte Nummer. Sikma kommt vom Eurocup-Finalisten Valencia und war dort ein solider Spieler. Deswegen hatte sich der eine oder andere Beobachter wenigen Wochen doch etwas gewundert, als Alba die Verpflichtung des 28-Jährigen bekannt gab.

Valencia ist eine europäische Spitzenmannschaft und Alba Berlin war in den vergangenen Jahren nicht einmal mehr Spitze in der Bundesliga. Warum also macht der Mann das? Die Erklärung gab Sikma am Freitag, als Alba ihn und seinen Landsmann Butterfield vorstellte. „Wenn man sich im spanischen Basketball nur ein bisschen auskennt, dann hebt man ab, wenn Aito anruft“, sagte der Flügelspieler. Mit „Aito“ ist Albas neuer Trainer Alejandro Garcia Reneses gemeint. Die beiden kennen sich schon aus vergangenen Zeiten, auf Gran Canaria spielte Sikma unter dem 70 Jahre alten Trainer.

Der exzellente Ruf des alten Trainerfuchses und sicher auch die Tatsache, dass der Klub seinen Etat etwas aufstocken konnte, lassen die Berliner so erwartungsfroh wie vielleicht lange nicht mehr auf die kommende Saison blicken. Der Vorteil eines solch radikalen Umbruchs, wie er sich gerade bei Alba vollzogen hat, liegt ja darin, dass das neue Personal nicht die Last der jüngeren Vergangenheit mit sich schleppt. Und auch nur so ist die Aussage Butterfields zu erklären, dass sein Ziel in dieser Saison nichts weniger als die Meisterschaft mit Alba sei. „Ich bin gierig darauf, Titel zu gewinnen.“

Auch wenn selbst die Alba-Angestellten bei derlei vollmundigen Aussagen am Freitag leicht schmunzeln mussten, wird die Bundesliga-Konkurrenz die Töne wohl vernommen haben. Denn obwohl Alba in den vergangenen Jahren vom Etat wie auch sportlich von Bamberg und Bayern München abgehängt wurde, wissen auch die Rivalen, dass die Berliner mit ihrer riesigen Halle, ihrer großen Anhängerschaft und dem über viele Jahre angehäuften Basketball-Knowhow in der Lage sind, die großen im deutschen Basketball zu ärgern.

Die erste große Aufgabe für Alba wartet schon am ersten Spieltag

Die Schlüsselfigur in den Planungen von Alba-Manager Marco Baldi ist Trainer Garcia Reneses. Der Spanier gilt in seinem Heimatland als Koryphäe, hat ein großes Netzwerk, von dem jetzt auch Alba profitiert. Luke Sikma soll stellvertretend für die neue Spielweise der Berliner stehen. Sikma ist kein Spieler für die spektakulären Aktionen. „Meine Stärke ist meine Vielseitigkeit, ich mache auf dem Feld viele kleine Dinge, die vielleicht nicht so auffällig sind“, sagte er am Freitag. Baldi wie Sportdirektor Himar Ojeda schwärmten zuletzt von dem Zugang. Ein sehr intelligenter und mannschaftsdienlicher Spieler sei Sikma. Ideal für das neue Spiel von Alba, erklärte Baldi, das nicht mehr so mit der Brechstange sein solle.

Ein Held in der eigenen Familie ist vielen Sportlern im Verlaufe ihrer Profikarriere zum Verhängnis geworden, nicht aber Luke Sikma. Dessen Vater Jack gilt heute noch als einer der besten Center in der NBA-Geschichte. Jack Sikma war einer der ersten großgewachsenen Spieler mit einer hohen Trefferquote aus dem Feld. Ende der siebziger Jahre wurde Sikma NBA-Champion mit den Seattle Supersonics.

Jack Sikma war für seinen Sohn aber nie eine Bürde. „Er hat mich nie unter Druck gesetzt, nie etwas in der Richtung von mir eingefordert“, sagt Luke Sikma. So sei seine Lieblingssportart zuerst auch American Football gewesen. „Dad ließ mich machen. Er hat immer gesagt: Mach‘, was dir Spaß macht.“ Und irgendwann war das dann Basketball.

So gut wie sein Vater wird Luke wohl nicht mehr werden. Alba Berlin aber kann er vielleicht wieder neues Leben einhauchen. Am ersten Spieltag am 30. September wartet jedenfalls schon die erste große Aufgabe auf die Berliner: Alba ist zu Gast in Ulm.

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