Fokussiert wie der Vater. Gießens Marco Völler beim Wurf. Foto: dpa
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Alba-Gegner Gießen 46ers Es gibt nur ein' Marco Völler

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Die Gießen 46ers setzen im Spiel bei Alba Berlin am Freitagabend auch auf den Sohn von Fußball-Legende Rudi Völler.

Diese Augen, der fokussierte, durchdringende Blick; die Nase oder auch die Mundpartie – wüsste man nicht, wer sein Vater ist, würde man nicht drauf kommen. Aber weiß man es, ist die Sache doch klar: der Sohn von Rudi Völler, wie aus dem Gesicht geschnitten! Marco Völler ist heute in der Arena am Ostbahnhof in Berlin zu sehen. Er trifft mit dem Basketball-Bundesligisten Gießen auf Alba Berlin (19 Uhr).

Vergleichen mit den Eltern sehen sich exorbitant häufig jene Kinder ausgesetzt, deren Erzeuger einen gewissen Grad an Prominenz erreicht haben. Als Marco Völler am 6. Januar 1989 das Licht der Welt erblickte, sollte der größte sportliche Erfolg seines Vaters – der Gewinn der Fußball-Weltmeisterschaft – noch eineinhalb Jahre entfernt sein. Rudi Völler, zu jener Zeit beim AS Rom unter Vertrag, war damals schon ein Weltstar im Fußball. „Es gibt nur ein’ Rudi Völler, ein’ Rudi Vöööölller, es gibt nur ein’ Rudi Vöööölller“, war noch Jahre nach der aktiven Karriere von Völler einer der meist intonierten Fan-Gesänge, wenn die Nationalmannschaft spielte.

Vermutlich hatten schon die ersten Fußballtrainer des kleinen Marco diesen Rudi-Blick in seinen Augen gesehen und große Hoffnungen gehegt. „Klar, gab es immer ein paar Leute, die dachten, ich müsste ein guter Fußballer werden. Schließlich war mein Vater einer der besten in Deutschland“, sagt Marco Völler heute. Doch daraus wurde nichts. „Ich konnte schon kicken, aber ich war eben kein Übertalent, und es war schnell klar, dass nichts aus einer Profikarriere im Fußball werden würde“, sagt der 28-Jährige.

Völler hat einen anderen sportlichen Weg eingeschlagen, aber das Feuer in den Augen und den Ehrgeiz, es den anderen auf dem Platz zu zeigen, hat er von seinem Vater. „Eine Liebe für den Basketball entwickelte ich schon als Kind. Ein Freund von mir hat mich dann dazu überredet, in den Verein zu gehen“, erzählt er. Am Basketball gefalle ihm das Tempo. „Da ist viel mehr Action als beim Fußball.“

Nach einem positiven Dopingtest ist er für drei Monate gesperrt worden

Recht spät, mit 14 Jahren, beginnt Völlers Vereinslaufbahn als Basketballer. Sein Trainer Helmut Rödl, Vater des aktuellen deutschen Bundestrainers Henrik, erkennt sein Talent und fördert ihn beim EOSC Offenbach. Völler wechselt zum TV Langen und gewinnt mit dem hessischen Verein gleich in seiner ersten Saison die U-18-Meisterschaft. Von da an gibt es nur noch ein Ziel: Profi werden.

Auf dem Weg dorthin hilft ihm auch sein Vater Rudi. „Ich habe das erst gar nicht bewusst wahrgenommen“, erzählt er. „Aber natürlich habe ich von meinem Vater profitiert. Ich habe von ihm vorgelebt bekommen, wie ein Profi-Sportler lebt; ich konnte sehen, wie es geht. Das hat natürlich abgefärbt.“

Völler schafft es über Hanau und Oettingen im Jahr 2016 zum ambitionierten Bundesliga-Klub Gießen 46ers. Völler ist 1,99 Meter groß, ein Spieler, der nicht unbedingt für das Scoren zuständig ist, sondern mit seiner Wucht und seinem Willen auch unter dem Korb viel abräumen soll. Er liebt es, sich in das Gewühl zu stürzen, sich im Zweikampf der Kolosse zu behaupten.

In dieser Saison allerdings hat Marco Völler die ersten gröberen Einschläge in seiner Zeit als Profi erfahren. Nach einem positiven Dopingtest war er im Sommer für drei Monate gesperrt worden. Grund dafür war ein verunreinigtes Nahrungsergänzungsmittel in einem Protein-Shake. „Das war großes Pech“, sagt Völler, der durch die Sperre Teile der Vorbereitung verpasste. Auch das könnte dazu beigetragen haben, dass er in dieser Saison bislang deutlich weniger Spielzeit hat als in der vergangenen.

„Das ist nicht einfach für mich. Aber die Mannschaft spielt im Moment sehr gut. Und nur darauf kommt es an“, sagt er artig. Marco Völler muss jetzt kämpfen, muss wieder Anschluss finden an die Mannschaft. Gegen Alba will er damit beginnen.

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