Unions Steven Skrzybski drängt wie das gesamte Team derzeit stets nach vorne. Foto: dpa
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1. FC Union Berlin Ganz nach Kellers Wunsch

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Union Berlin spielt derzeit genauso, wie sich Trainer Jens Keller das vorstellt. Deshalb haben die Köpenicker auch so gute Chancen auf den Aufstieg.

In seinem hellsten blau strahlte der Himmel am Montag über Köpenick. Sonnenstrahlen fluteten das Areal rund um die Alte Försterei und luden zum Flanieren ein. Da passte es gut, dass die Fußballer des 1. FC Union bei bestem Wetter einen besonders kurzen Arbeitstag hatten. Trainer Jens Keller wollte das Auslaufen nach dem 3:1-Sieg gegen Bielefeld nicht unnötig in die Länge ziehen, zur Mittagszeit waren alle Spieler schon wieder unter der Dusche.

Weniger ist manchmal tatsächlich mehr, vor allem wenn die Mannschaft so gut funktioniert wie in diesen Wochen. Union hat einen fast perfekten Start in die Rückrunde geschafft, sieben von neun möglichen Punkten holte der Köpenicker Zweitligist 2017. Nur drei Punkte beträgt der Abstand zu Platz zwei, der zum direkten Aufstieg in die Bundesliga berechtigen würde. An einem Wochenende, an dem die direkten Konkurrenten Braunschweig und Dresden patzten, war Union neben dem VfB Stuttgart und Hannover 96 (am Montag 2:1 gegen Bochum) der große Gewinner im Aufstiegsrennen. „Es war wichtig, dass wir oben dran geblieben sind“, sagte Damir Kreilach, der Union nach einer Stunde mit 2:1 in Führung gebracht hatte. Und Felix Kroos, der Schütze des ersten Berliner Tores fand: „Jetzt ist es so, wie wir uns das vorgestellt haben.“

Der Satz hätte auch von Trainer Jens Keller stammen können, wenn es um die Spielweise seiner Mannschaft geht. „Ich bin mehr als zufrieden, wie wir aufgetreten sind“, sagte Keller. Was er meinte: Union blieb über die gesamten 90 Minuten mutig und attackierte den Gegner, so wie Keller sich das wünscht. Selbst als der Ausgleich psychologisch ungünstig mit dem ersten nennenswerten Angriff des Gegners fiel, rückten die Berliner nicht von ihrer Vorgehensweise ab.

Das offensive 4-3-3-System funktioniert

„Wir glauben an unser System und lassen uns jetzt nicht mehr automatisch nach hinten fallen, wenn es nicht nach Plan läuft“, sagte der erstaunlich souveräne Emanuel Pogatetz. Erstaunlich deshalb, weil der Österreicher bis zum Sonntag beinahe ein Jahr kein Spiel mehr von Beginn an bestreiten durfte. Pogatetz setzte wie alle anderen perfekt um, was Trainer Keller verlangt. Die Abwehr stand weiter vom eigenen Strafraum entfernt als in früheren Zeiten, was hilfreich ist, wenn man den Gegner wie Keller es vorgibt sofort bei der Ballannahme unter Druck setzen will.

Unter anderen Trainer zog sich Union gern zurück, versuchte defensiv stabil zu stehen und machte die Räume in der eigenen Hälfte eng. Inzwischen wird der Raum in der gegnerischen Hälfte verengt – die offensivste Form der Verteidigung. „Wir gehen jetzt weiter drauf und machen Druck. Das ist ein Fortschritt“, sagte Pogatetz. Gerade zu Saisonbeginn war oft zu beobachten, wie sich Union in schwierigen Situation instinktiv wieder einigelte. Keller hat es nicht nur geschafft, seine Spielidee zu vermitteln, sondern auch erreicht, dass jeder Einzelne ihr mit Überzeugung nachkommt.

„Natürlich ist es ein wenig riskant, aber man gewöhnt sich daran und wenn alle auf dem Platz gut miteinander kommunizieren, klappt es ganz hervorragend“, sagt Kristian Pedersen. Der Däne spielt eine starke Saison als Außenverteidiger, und das, obwohl er in Kellers offensivem 4-3-3-System gerade defensiv besonders gefordert ist, weil Vordermann Simon Hedlund sich weit vorne aufhält. Ähnlich ergeht es auf der anderen Seite Christopher Trimmel, dem Rechtsverteidiger, der mit Steven Skrzybski ein Duo bildet. „Wir sind mittlerweile sehr gefestigt“, sagt Trimmel. Der Ausgleich der Bielefelder hätte ihn nicht im Geringsten nervös gemacht. „Wir wissen, dass wir immer unsere Tore schießen.“ Mit diesem Selbstvertrauen drängt Union in die Bundesliga. 

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