Klaus M. Beier leitet das Institut für Sexualwissenschaft und Sexualmedizin in Berlin-Mitte der landeseigenen Universitätsklinik Charité. Seit mehr als 20 Jahren arbeitet er als Sexualmediziner und Psychotherapeut. Beier, Jahrgang 1961, ist Vater zwei erwachsener Kinder und Großvater. Foto: Promo
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Sex im Alter Ja, das Verlangen bleibt

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Für die körperliche Erregung brauchen alte Menschen mehr Zeit. Sex aber spielt für Hochbetagte eine Rolle. Und ist zudem gesund.

Herr Beier, schon der Begriff „Alterssexualität“ ist umstritten. Kritiker sehen darin eine Stigmatisierung alter Menschen. Viel öfter aber wird gar nicht über Sex im Alter gesprochen. Und Jüngere glauben, im Alter verschwinden sexuelle Bedürfnisse. Haben Männer und Frauen ab 65 Jahren noch Sex?

Ja. Wenn Partnerschaften bestehen, hat rund ein Drittel noch Geschlechtsverkehr. Allerdings mit sinkender Koitusfrequenz. Nur empfiehlt es sich nicht, Sexualität auf Geschlechtsverkehr zu reduzieren, körperliche Nähe und Zärtlichkeiten sind eine bedeutsame Quelle für die Zufriedenheit. Intimität ist für alte Menschen genauso wichtig wie für junge. Im Alter steigt aber die Wahrscheinlichkeit der Partnerlosigkeit, insbesondere für Frauen, weil Männer eine geringere Lebenserwartung haben.

Das Verlangen aber bleibt also?

Ja, ganz ohne Zweifel. Studien belegen, dass nur für wenige alte Menschen die Sexualität völlig an Bedeutung verloren hat. Und dieser Anteil sinkt noch mal, wenn ein erweitertes Verständnis von Intimität zugrunde gelegt wird. Das ist nachvollziehbar, weil wir Menschen auf Bindung programmiert sind und Nähe, Annahme, Sicherheit und Geborgenheit psychosoziale Grundbedürfnisse sind. Umgekehrt gilt, dass nicht wenige Menschen, insbesondere Frauen, mit Sexualität viel Negatives verbinden - etwa wenn sie früher Opfer sexueller Traumatisierungen geworden sind. Das Vertrauen in das Gelingen von Beziehungen kann dann bis ins hohe Alter erschüttert sein.

Manche fühlen sich zu alt für Sex?

Sehr häufig spielen Einschränkungen der sexuellen Funktionen eine Rolle. Das ist mit zunehmendem Alter der Normalfall: So benötigt der alternde Mann für die Erektion intensivere Stimulationen, die Steifigkeit ist meist geringer, alles dauert länger. Das gilt auch für die alternde Frau: Die Scheide verliert an Dehnungsfähigkeit, die Durchblutung wird schwächer, es dauert länger, bis sie feucht wird. Dazu können Beschwerden durch Beckenbodenschwäche und Gebärmuttersenkung kommen. Außerdem kann es zum Urinverlust beim Sex kommen - was zu Schamgefühlen und erheblichen Belastungen führen kann.

Das vollständige Interview finden Sie im Magazin für Medizin und Gesundheit in Berlin: "Tagesspiegel Gesund - Fit und gelassen älter werden".

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