Der künftige Präsident der Vereinigten Staaten, Donald Trump, vor seiner ersten großen Pressekonferenz nach der Wahl. Foto: Evan Vucci/AP/dpap

Zum Interview mit Donald Trump Test: Welcher Trump-Typ sind Sie?

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Was sagt das "Bild"-Interview über Donald Trump? Reißt er die Nachkriegsordnung ein? Bändigt ihn die Realität? Das hängt von Ihnen ab. Ein Kommentar.

Welcher Trump-Typ sind Sie? Machen Sie einen kurzen Persönlichkeitstest: Glauben Sie eher an (a) die Macht des Menschen über die Realität oder eher an (b) die Macht der Realität über den Menschen? Je nachdem, wie Sie antworten, dürfte Donald Trumps erstes Europa-Interview sie (a) in Panik versetzt oder (b) lediglich milde irritiert haben.

Donald Trump hat „Bild“-Herausgeber Kai Diekmann und Michael Gove von der britischen „Times“ ein einstündiges Gespräch in New York gewährt. Am Montag erschien das Interview in Deutschland, und wie schon in der vergangenen Woche, als Trump seine erste große Pressekonferenz nach der Wahl gab, beugten sich in Regierungsstellen, Abgeordnetenbüros, Denkfabriken und Redaktionen die Exegeten hektisch über seine Worte, mit der einen großen Frage: Wie gefährlich ist dieser Mann?

Wird Donald Trump die Realität verändern? Oder die Realität Donald Trump?

Unter den Exegeten gibt es zwei Fraktionen, entsprechend ihrer Haltung zur Welt. Jene, die an die Macht des Menschen über die Realität glauben, malen apokalyptische Szenarien, in denen Trump ein neues Zeitalter des Protektionismus einläutet und die internationale Nachkriegsordnung zerschlägt. Jene, die an die Macht der Realität über den Menschen glauben, verweisen auf den Einfluss von Trumps Kabinett, die Macht des Kongresses, internationale Verträge und volkswirtschaftliche Grundregeln.

Die Wahrheit ist: Jede Prognose ist unlauter. Wir wissen nicht, wie standhaft die Realität sich Donald Trump widersetzen wird. Und wir wissen vor allem nicht, wie gefestigt die Realität Donald Trumps ist.

Wie auch in seiner ersten großen Pressekonferenz spricht aus Trumps erstem Europa-Interview ein Mann ohne erkennbares Konzept. Trump erklärt die EU für unbedeutend, droht BMW mit Strafzöllen, deutet an, im Gegenzug für atomare Abrüstung die Sanktionen gegen Russland zu beenden. Er zitiert sich selbst mit den Worten, die Nato sei „obsolet“, nur um gleichzeitig zu sagen, sie sei für ihn auch „wichtig“. All das könnte ein krasser Bruch sein – oder nicht zu Ende gedacht.

Donald Trump - ein Narzisst, dessen Sprache jeden Gedanken zerfleddert

Was bleibt, ist das Bild eines hilflosen Menschen. Aus ihm spricht ein Narzisst, der Kritik nicht verträgt. Ein Mensch, der Schmeichlern verfällt und süchtig nach Aufmerksamkeit ist. Seine Sprache zerfleddert jeden Gedanken.

Unberechenbarkeit und Fahrigkeit ist beides: Gefahr und Chance. Ob und wie seine Berater, der Kongress oder seine internationalen Partner ihn beeinflussen können, ist völlig offen. Das Gleiche gilt für seinen Einfluss auf die Realität. In der alten Welt, der Vor-Trump-Welt, war es Gesetz, dass es neben einer Idee politische Hebel braucht, um sie durchzusetzen. Menschen, die selbst über Jahrzehnte immer wieder schmerzlich den zähen Widerstand der Wirklichkeit gegen ihre Ideen ertragen mussten, reagieren deshalb gelassen. BMW-Vorstandschef Harald Krüger etwa verweist auf die vielen Arbeitsplätze, die BMW mit seinem großen Werk in North Carolina garantiere. Seine Reaktion ist entspannt, weil er glaubt, ein gutes Blatt in der Hand zu haben. Auch EU-Parlamentspräsident Martin Schulz lässt wissen, viele von Trumps Vorschlägen ließen sich ohnehin „so nicht umsetzen“.

Es ist völlig offen, ob Donald Trump vom System eingehegt wird - oder neue Spielregeln erfindet

Aber wird sich der Populist Trump auf die herkömmlichen Spielregeln einlassen? Oder wird er – womöglich um des spontanen Applauses willen – einzelnen großen Unternehmen gegen internationale Verträge Strafzölle aufzwingen, egal ob er damit später vor Handelsgerichten unterliegt oder der eigenen Wirtschaft schadet? Wir wissen es nicht.

Was wir wissen: Am Freitag wird Donald Trump 45. Präsident der USA. Er hat das Potenzial, Amerika, Europa und der Welt schwer zu schaden. Doch uns bleibt nichts anderes, als es zu halten wie die Kanzlerin, die gewohnt trocken sagt: „Ich persönlich warte jetzt erst einmal auf die Amtseinführung des amerikanischen Präsidenten.“

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