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"Youthquake" ist Wort des Jahres im UK Mehr Aufstand, bitte!

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Das Oxford-Wörterbuch wählt „Jugendbeben“ zum Wort des Jahres. Die Briten zeigen das Aufbäumen, das hierzulande fehlt. Ein Kommentar.

Großbritannien bebt und kommt nicht zur Ruhe. Im Wochentakt ist von politischen Verwerfungen die Rede. Der Brexit und das Drama um Theresa May und ihren Tories stehen dabei meist im Fokus. Nervenzehrend muss das sein, dieses tägliche Theater. Doch in Resignation oder Apathie verfallen die Briten nicht. Dafür steht zu viel auf dem Spiel. Dafür wackelt das politische Fundament zu sehr.

Dass das Wort „Youthquake“, zu Deutsch Jugendbeben, nun vom Oxford-Wörterbuch zum Wort des Jahres gewählt wurde, hat da mehr als Symbolcharakter. Es ist eine Aufforderung. Der Wahlkampf von Labour-Chef Jeremy Corbyn hat bei den letzten Parlamentswahlen die Jugend mobilisiert und in Scharen an die Urnen getrieben. Die Jungen haben May und ihrer Partei den Kampf angesagt. Sie wollen Veränderungen, aber nicht die, die 10 Downing Street anpeilt. Corbyn, der Heilsbringer der Linken, ist ihr Anführer. Längst genießt er Kultstatus bei den Jungen, genau wie Bernie Sanders in den USA.

Die deutsche Jugend setzt keine Impulse mehr

Sie sind die Antreiber des Umbruchs. „Youthquake“ wird als „eine von der Jugend ausgehende, signifikante kulturelle, politische oder gesellschaftliche Veränderung“ definiert. Im Jahr 1965 wurde das Wort erstmals geprägt, um den jugendlichen Aufstand, besonders in der Mode, gegen die muffige Traditionsverliebtheit der Insel zu beschreiben. Im Zuge der diesjährigen Parlamentswahl in Großbritannien feierte der Begriff sein Comeback. Verschwinden wird er so schnell nicht wieder. Casper Grathwohl, Präsident des Oxford-Wörterbuches, begründete die Entscheidung seiner Organisation damit, dass das Wort „Youthquake“ in diesen turbulenten Zeiten auch einen Funken Hoffnung schenkt. Es ist ein indirekter Appell an die Jugend: Gebt nicht auf, macht euch bemerkbar!

Trivial ist das Wort des Jahres nicht. Es ist weitaus mehr als eine Momentaufnahme. „Die Sprache ist ein Virus“, schrieb der amerikanische Literat William S. Burroughs und verwies auf ihre Fähigkeit, uns zu infizieren und zu beeinflussen. Die Entscheidung für „Youthquake“ sendet weitere Schockwellen. Sie verdeutlicht: Hier passiert etwas Großes, sei ein Teil davon, trau dich!

Und hierzulande? „Jamaika-Aus“ ist Deutschlands Wort des Jahres. Resignation und Stagnation statt Aufbruch und Hoffnung. Eine Jugend, die sich an Angela Merkel sattgesehen hat, aber keine neuen Impulse findet oder selbst setzt. Kein Aufbäumen gegen das „Weiter so“-Mantra der Kanzlerin und das Kollektivversagen der Volksparteien. Kein Corbyn oder Sanders in Sicht. Die Empörung, sie wurde den Hetzern überlassen.

„Jamaika-Aus“. Auch hier wackelt das Fundament. Davon spürt man noch zu wenig.

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