US-Präsident Donald Trump hat auf seinem Twitteraccount drei Tweets einer rechtsextremen britischen Aktivistin verbreitet. Foto: Reuters/Jonathan Ernst
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Verbreitung von Videos britischer Rechtsextremistin Trumps Retweets lösen internationalen Eklat aus

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US-Präsident Trump hat Tweets der rechtsextremen britischen Aktivistin Jayda Fransen verbreitet, in denen diese gegen Muslime hetzt. Die britische Regierung reagiert.

Die britische Regierung hat US-Präsident Donald Trump ungewöhnlich scharf kritisiert. Die Retweets einer anti-islamischen Gruppierung durch Trump seien „falsch“, hieß es am Mittwoch aus dem Londoner Regierungssitz Downing Street. Trump hatte auf seinem Twitter-Account mehrere Beiträge der Britin Jayda Fransen weitergeleitet, der Vizechefin der rechtsgerichteten Gruppierung „Britain First“. In den Videos waren gewalttätige Übergriffe auf Menschen und die Zerstörung einer Marienstatue zu sehen. Im Begleittext hieß es, die Täter seien Muslime.

„Britain First versucht Gemeinschaften durch ihre hasserfüllten Narrative zu spalten, die Lügen verbreiten und Spannungen anheizen. Sie erzeugen Angst bei rechtschaffenen Leuten“, sagte ein Regierungssprecher auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur. „Die Briten lehnen die mit Vorurteilen geladene Rhetorik der extremen Rechten ab, die den Werten dieses Landes widersprechen: Anstand, Toleranz und Respekt.“

Auch Abgeordnete der Labour-Partei verurteilen Trumps Vorgehen

Auch mehrere Abgeordnete der oppositionellen Labour-Partei in Großbritannien verurteilten das Vorgehen Trumps. "Der Präsident der Vereinigten Staaten wirbt für eine faschistische, rassistische, extremistische Hass-Gruppe, deren Anführer festgenommen und verurteilt worden sind", erklärte etwa David Lammy auf Twitter. Labour-Chef Jeremy Corbyn drückte bereits zuvor seine Hoffnung aus, dass die britische Regierung die Retweets verurteilen würde und fügte über die Tweets hinzu: "Sie sind abscheulich, gefährlich und eine Bedrohung für unsere Gesellschaft."

In den USA empörten sich Abgeordnete der Demokraten. Es sei "schockierend und schrecklich", solch eine Islamophobie bei dem Präsidenten eines Landes zu sehen, das Religionsfreiheit schütze und Heimat von Millionen Muslimen sei, teilte etwa Don Beyer mit.

Authentizität der Videos ist nicht belegt

Konkret leitete der Account von Donald Trump ein von Fransen eingestelltes Video weiter, auf dem zu sehen ist, wie ein Mann in traditionell muslimischer Kleidung und mit langem Bart eine künstlerisch gestaltete Figur zu Boden fallen und dort zerschellen lässt. Bei der Figur soll es sich um ein Abbild der Jungfrau Maria handeln.

Auf einem weiteren, von Trump weitergeleiteten Video Fransens ist zu sehen, wie ein dunkelhaariger junger Mann einen blonden jungen Mann schlägt und mit Füßen tritt. Angeblich soll es sich dabei um einen Übergriff eines jungen Muslims auf einen niederländischen Mann handeln. In einem dritten Video versucht ein Mann angeblich, eine an Krücken gehende Person von einem Dach zu schubsen. Die Authentizität der Filme ist nicht belegt, in Teilen wirken sie gestellt.

Auf seinem Twitter-Account leitete Trump am 29.11.2017 die Einträge der Britin Jayda Fransen weiter, der Vizechefin der rechtsextremen Gruppierung «Britain First». Foto: dpa
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Fransen zeigte sich begeistert: "Gott segne dich, Trump! Gott segne Amerika!", schrieb sie auf ihrem Twitter-Account. Fransen war vor einem Jahr von einem britischen Gericht wegen Beleidigung einer Muslimin verurteilt worden und unterliegt einem gerichtlich verhängten Zutrittsverbot zu Moscheen und anderen Einrichtungen in England und Wales. Am 18. November war die 31-Jährige erneut festgenommen und von der nordirischen Polizei im Zusammenhang mit einer Rede in Belfast verhört worden.

Die Gruppierung „Britain First“ war 2011 von Mitgliedern der rechtsgerichteten British National Party (BNP) gegründet worden und fiel 2014 mit "christlichen Patrouillen" durch Tower Hamlets, einen multikulturellen Stadtteil Londons auf. Im Juni 2016 hatte ein Gewalttäter die Worte „Britain First“ gerufen, nachdem er kurz vor dem Brexit-Votum die Parlamentarierin Jo Cox ermordet hatte. Deren Ehemann Brandan Cox verurteilte am Mittwoch Trumps Unterstützung für die Tweets. (mit dpa)

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