Über Schicksale im türkisch-syrischen Grenzgebiet schrieb Gabriele Del Grande. Foto: AFPp

Unterdrückung in der TürkeiGabriele Del Grande - Italiens Yücel

von Dominik Straub1 Kommentare

Die Verhaftung des italienischen Journalisten Gabriele Del Grande durch die türkische Polizei belastet die Beziehungen der beiden Länder. Ein Anwalt wurde dem Festgenommenen bisher verweigert.

Der 34-jährige Gabriele Del Grande ist am 10. April von der türkischen Polizei festgenommen worden, als er für ein Buchprojekt an der Grenze zwischen Syrien und der Türkei syrische Flüchtlinge interviewte. Nach seiner Verhaftung wurde er zunächst in Hatay im Süden der Türkei festgehalten, später wurde er in ein „Zentrum für illegale Einwanderer“ in der südwestlichen Stadt Mugla gebracht. Das Mobiltelefon wurde dem Italiener abgenommen, ein Anwalt ist ihm bis heute verweigert worden, obwohl bisher keine Anklage erhoben worden ist. Immerhin wurde ihm inzwischen einmal erlaubt, kurz mit seiner Frau in Italien zu telefonieren.

Die Verhaftung Del Grandes erinnert an den Fall des deutsch-türkischen Journalisten Deniz Yücel – und auch in diesem Fall wird der Willkürakt der türkischen Behörden zu einer immer stärkeren Belastung der diplomatischen Beziehungen mit Ankara. Die türkischen Behörden haben auch im Fall Del Grande nichts unterlassen, um die Gegenseite zu brüskieren. So war am Mittwoch eine Delegation des italienischen Konsulats im südtürkischen Smirne nach Mugla gereist, wo sie dem Inhaftierten Beistand leisten wollten. Der Besuch wurde von Ankara in letzter Minute verweigert, worauf die italienische Delegation unverrichteter Dinge wieder abziehen musste. Angeblich soll ein Besuch am heutigen Freitag erlaubt werden.

Sofortige Freilassung gefordert

„Wir verfolgen die Angelegenheit mit der höchsten Aufmerksamkeit und haben von der Türkei die sofortige Freilassung Del Grandes gefordert“, erklärte Italiens Außenminister Angelino Alfano am Mittwoch. Dasselbe hatte zuvor schon der italienische Präsident des europäischen Parlaments, Antonio Tajani, getan. Senatspräsident Piero Grasso erklärte, dass es sich bei der Pressefreiheit um einen „unverzichtbaren Wert“ handle.

Im Telefongespräch mit seiner Frau hatte Del Grande versichert, dass ihm in seiner Isolationshaft bisher „kein Haar gekrümmt“ worden sei. Dennoch kündigte er an, dass er nun in einen Hungerstreik treten werde, um so gegen seine menschenrechtswidrige Inhaftierung zu protestieren. Der Journalist Del Grande ist auch als Blogger und Menschenrechtsaktivist tätig.