Wie viel Geld wird man im Alter haben? Die Suche nach Antwort führt Menschen in die Beratungsstellen der Deutschen Rentenversicherung. Foto: dpa
p

Rentenpolitik Fehler im System

4 Kommentare

Die potenziell armen Alten von morgen finanzieren die bei null Prozent Inflation potenziell überflüssigen Rentenzuwächse von heute. Gerecht ist das nicht. Ein Kommentar

Der zu zahlende Rentenbeitrag sinkt, bevor er wieder steigen wird. Und die ausgezahlten Renten steigen, bevor das Rentenniveau sinken wird. Das waren am Dienstag grob gerafft die zwei Nachrichten zum Thema Alterssicherung. Und ihre Widersprüchlichkeit ist der abermalige Hinweis darauf, dass die Frage, die die Menschen in Deutschland anhaltend beschäftigt und zunehmend besorgt, in der Politik nicht ernst genommen wird. Rente wird stattdessen, so der sich festigende Eindruck, als Leckerli fürs Volk begriffen. Angemessen ist das nicht.

Die steigenden Renten hängen über die Rentenanpassungsformel mit der Beschäftigungssituation in Deutschland zusammen, die wegen der geringen Zahl an Arbeitslosen als gut beschrieben wird. Dabei ist sie nicht wirklich gut, denn die erstrebenswerten unbefristeten Vollzeitstellen gehen weiter zurück. Es wächst stattdessen die Zahl der Teilzeitbeschäftigungen und prekären Arbeitsverhältnisse. Das sind die Jobs, die nur schwerlich zu einer Rente führen werden, die zum Leben allein reicht. Also finanzieren die potenziell armen Alten von morgen die bei null Prozent Inflation potenziell überflüssigen Rentenzuwächse von heute. Das riecht nach einem Fehler im System.

Es ist ein weiterer, der zum demographischen Problem hinzukommt, an dem das Rentenprinzip der Leistungsgerechtigkeit absehbar zerschellen wird. Bisher gilt: Wer viel einzahlt, soll auch viel herausbekommen. Wer wenig einzahlt, erhält weniger. Wer nichts einzahlt, bekommt nur eine Basissicherung. Aber wie soll das bestehen, wenn künftig zu viele Rentenbezieher zu wenigen Arbeitnehmern gegenüberstehen?

Und so macht sich längst auch bei Normalverdienern das Gefühl breit macht, dass sie, wenn sie im Rentenalter angekommen sein werden, von ihren Bezügen ihren Lebensstandard nicht werden halten können. Das ist gesellschaftspolitisch heikel, denn das ist ungerecht. Und so lag die SPD sicher richtig mit ihrem Wahlkampfthema Gerechtigkeit. Aber sie hat die Verteilungsgerechtigkeit gemeint. Um die es nicht zuvorderst geht.

Zur Startseite » Jamaika-Aus: Wie geht es weiter? Jetzt E-Paper testen!