Ein Auto fährt in Charlottesville am Rande einer Kundgebung von Rechtsextremisten in eine Gruppe von Gegendemonstranten. Foto: Ryan M. Kelly/dpap

Rechte Gewalt in Virginia FBI übernimmt Ermittlungen in Charlottesville

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Im amerikanischen Charlottesville fuhr ein Mann in Gegendemonstranten, eine Frau wurde getötet. Zwei Menschen starben bei einem Hubschrauberabsturz.

Die US-Bundespolizei FBI hat die Ermittlungen zu der tödlichen Auto-Attacke in der Stadt Charlottesville übernommen. Der Fall werde als möglicher Verstoß gegen die Bürgerrechtsgesetze behandelt, teilte das FBI am Samstagabend mit. Als Verdächtigen hat die Polizei den 20-jährigen James Alex Fields Junior in Gewahrsam genommen. Er soll sein Auto vorsätzlich in eine Gruppe von Menschen gesteuert haben, die gegen eine Kundgebung von rechtsextremen und teils rassistischen Gruppen in Charlottesville protestiert haben. Dabei wurde eine 32 Jahre alte Frau getötet.

Auf Twitter sind zahlreiche Videos zu sehen, die zeigen, wie ein silbergrauer Wagen mit hoher Geschwindigkeit erst ein anderes Auto rammt, dabei mehrere Menschen zu Boden reißt und dann rückwärts in die Menge rast. Durch den Zusammenstoß mit dem Wagen wurden 19 Menschen verletzt, einige von ihnen schwer. Insgesamt befanden belief sich die Zahl der Verletzte am Abend auf 35, wie die Behörden der Stadt Charlottesville am Samstag bekannt gaben.

Am Rande der Demonstration stürzte auch ein Polizeihubschrauber ab, dabei kamen beide Insassen ums Leben. Die Absturzursache war zunächst unklar.

Für die Gewalt verantwortlich machte Verwaltungschef Maurice Jones "Leute, die hierher gekommen sind, um Gewalt und Chaos und Unruhe stiften". Der rassistische Ku-Klux-Klans und andere rechtsextreme Gruppen hatten für Samstag zu einer Kundgebung in die Universitätsstadt in Virginia aufgerufen. Zunächst kam es in der Stadt zu Zusammenstößen zwischen rechten und linken Gruppen, die Behörden verhängten den Ausnahmezustand.

Donald Trump nannte Gewalt "sehr, sehr traurig"

US-Präsident Donald Trump verurteilte noch am Abend die „ungeheuerliche Gewalt, von vielen Seiten“. Es gebe in Amerika „keinen Platz“ für Gewaltausbrüche wie den in Charlottesville, sagte er bei einem Auftritt in Bedminster, wo er derzeit einen Arbeitsurlaub verbringt. Er rief seine Landsleute dazu auf, zusammenzustehen und einander - ungeachtet aller Differenzen - „zu lieben“. Trump versprach eine „rasche Wiederherstellung von Recht und Ordnung“ - „kein Bürger sollte sich Sorgen um seine Sicherheit machen müssen“, fügte er hinzu.

Der Präsident verwies auch bei dieser Gelegenheit auf die jüngsten Errungenschaften im Land hin, die seiner Regierung zu verdanken seien: Die sinkende Arbeitslosenquote, die Rückkehr von Produktionsjobs aus dem Ausland, die Verhandlungen über Handelsabkommen - all das sei großartig für das Land und die amerikanischen Arbeiter. „Es passieren so viele unglaubliche Dinge in unserem Land. Wenn ich Charlottesville anschaue, scheint es mir sehr, sehr traurig“. Vertreter rechtsextremer Gruppen wie Alt-Right hatten sich nach der Wahl des Republikaners ermutigt geäußert. Kritiker lasteten Trump an, sich nicht genügend von den Rechten distanziert zu haben.

Gouverneur von Virginia rief am Morgen den Ausnahmezustand aus

Bereits am Morgen kam es zu schweren Zusammenstößen zwischen rechten Demonstranten und ihren Gegnern, darunter auch Anhänger der Black Lives Matter Bewegung. Beide Seiten gingen mit Schlagstöcken, Flaschen und Wurfgeschossen aufeinander los, wie eine AFP-Reporterin berichtete. Die Polizei verhängte ein Versammlungsverbot.

Wie die New York Times berichtete, rief der Gouverneur von Virginia, Terry McAuliffe bereits um 11 Uhr Ortszeit den Ausnahmezustand aus. "Die Handlungen und Rhetorik in Charlottesville in den letzten 24 Stunden sind inakzeptabel und müssen aufhören", schrieb McAuliffe auf Twitter. Das Recht zur freien Meinungsäußerung sei kein Recht zur Gewalt. Auch Donald Trump verurteilte die Ausschreitungen. Auf Twitter schrieb er in den USA gäbe es keinen Platz für solche Gewalt und rief zur Einigkeit auf.

Zu den Krawallen kam es vor Beginn eines Marsches unter dem Motto "Vereint die Rechte". Dabei standen Hunderte Rechtsextreme in paramilitärischen Uniformen ebenso vielen Anhängern antifaschistischer Gruppen gegenüber. Unter Buhrufen schwenkten die rechten Teilnehmer die Flagge der sklavenhaltenden Südstaaten aus dem Bürgerkrieg. Die Polizei trieb die Menge mit Tränengas auseinander und nahm gewalttätige Teilnehmer fest. Zudem räumte sie einen Park und untersagte die geplante Kundgebung. Zuvor hatten sich hunderte Rechtsextreme mit Fackeln auf dem Universitätscampus von Charlottesville versammelt.

Zu der Demonstration aufgerufen hatte neben dem Ku Klux Klan auch die sogenannte Alt-Right-Bewegung, die neonazistisches Gedankengut vertritt und US-Präsident Donald Trump unterstützt. Der Protest richtete sich gegen die Stadtverwaltung von Charlottesville. Sie will ein Denkmal des Bürgerkriegs-Generals Robert Lee entfernen lassen. Lee führte Mitte des 19. Jahrhunderts die Südstaaten-Truppen. (pam mit AFP,dpa, Reuters)

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