Fühlte sich verschaukelt: Richter Manfred Götzl wies am Mittwoch einen Berliner Kripobeamten zurecht, der sich immer wieder auf Erinnerungslücken berufen hatte. Foto: Andreas Gebert/pa/dpap

NSU-Prozess Richter Götzl rüffelt Berliner Ermittler

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Ein Berliner Kripobeamter berief sich im Münchener NSU-Prozess immer wieder auf Erinnerungslücken - das wollte sich Richter Götzl nicht bieten lassen.

Der Vorsitzende Richter im NSU-Prozess, Manfred Götzl, hat am Mittwoch einen Berliner Kripobeamten im Zeugenstand scharf zurechtgewiesen. Der Beamte hatte in seiner Vernehmung immer wieder Erinnerungslücken geltend gemacht oder eigene Verantwortung von sich gewiesen. Auf die Frage einer Nebenklägerin erwiderte der Ermittler, dies habe er ja schon vor einem der parlamentarischen Untersuchungsausschüsse zu den NSU-Verbrechen beantwortet. Darauf fuhr Götzl ihn an und erinnerte den Polizisten an seine Verpflichtung, wahrheitsgemäß zu antworten.

Der Beamte hatte in den Jahren nach der Jahrtausendwende eine Gruppe der Berliner Polizei geleitet, die gegen die rechtsradikale Band „Landser“ ermittelte. Als Produzent dieser Band gilt ein früherer Anführer der sächsischen „Blood & Honour“-Organisation, bei deren Mitgliedern Uwe Mundlos, Uwe Böhnhardt und Beate Zschäpe nach ihrem Abtauchen Unterschlupf fanden. Mitglieder dieser Organisation sollen auch bei der Beschaffung von Waffen und Geld für den „Nationalsozialistischen Untergrund“ (NSU) beteiligt gewesen sein.

Hauptangeklagte im NSU-Prozess ist Beate Zschäpe. Sie ist die einzige Überlebende des Trios. Die Bundesanwaltschaft wirft ihr Mittäterschaft bei zehn überwiegend rassistisch motivierten Morden und zwei Sprengstoffanschlägen vor. (dpa)

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