Der Wald von Brieselang Foto: Sebastian Leberp

Mysterium in BrandenburgAbenteurer suchen das Licht von Brieselang

von Sebastian Leber32 Kommentare

Dieses Licht ist ein Mysterium. Es lockt Esoteriker und Abenteurer in den Wald – und treibt die Einwohner in den Wahnsinn. Unser Blendle-Tipp.

In dem Gasthof neben der Landstraße wurde sicher schon lange nichts mehr ausgeschenkt. Die Eingangstür verriegelt, das Vordach moosbewachsen, der Putz bröckelt. Hinter einem hüfthohen Bretterzaun liegt ein völlig verwilderter Biergarten. Irgendwo jault leise ein Hund. Man will bereits wieder ins Auto steigen, da klappt ein Fenster auf, und ein weißbärtiger Mann lehnt sich heraus: „Darf ich fragen, was Sie hier suchen?“

Na, das berühmte Licht. Ob er vielleicht wisse, wo die Chance am größten sei, es zu sehen? Der Weißbärtige deutet rüber auf die andere Straßenseite. Dorthin, wo der Wald beginnt. „Einfach mitten rein da... ganz tief rein.“

Das Brieselanger Licht ist ein Mysterium

Das Brieselanger Licht ist ein Mysterium. Oft beobachtet, nie bewiesen. Mal taucht es ohne Vorwarnung auf, mal nähert es sich aus der Ferne, mal flackert es kurz und verschwindet, mal scheint es zu schweben. Meistens ist es weiß. Aber auch Grün und Rot wurden schon bezeugt. Das Brieselanger Licht erschreckt Spaziergänger, und es zieht Neugierige aus ganz Deutschland an.

Das Waldstück, in dem es gesichtet wird, liegt im Havelland westlich von Spandau. Streng genommen ist es ein Forst, durchzogen von einem schachbrettartigen Netz kleiner Wege. Mit dem Auto braucht es 20 Minuten, um die gesamte Fläche einmal zu umfahren. Zu drei Seiten grenzt sie an Landstraßen sowie eine Wiese, im Südwesten unmittelbar an die Gemeinde Brieselang. Deren Bewohner kennen alle die Geschichte vom Licht. Die frühesten Augenzeugenberichte stammen aus den 1980er Jahren.

Streift da ein Geist durch den Wald?

Manche sagen, bei dem Licht handele es sich um einen Geist. Vor langer Zeit sei hier ein zwölfjähriges Mädchen ermordet worden, dessen Seele streife nun nachts umher. Andere sagen, hinter dem Licht stecke ein Wahnsinniger, entflohen aus einer nahegelegenen Nervenheilanstalt. Es gibt auch Anhänger der Hexen- und der Alien-Theorie. Wieder andere glauben, es handele sich bloß um ein harmloses Naturphänomen. Wo jetzt der Wald steht, war früher nämlich Sumpfgebiet. Friedrich Wilhelm I. ließ im 18. Jahrhundert Gräben anlegen und das Gebiet entwässern. Im Boden könnten deshalb noch Gase lagern, die hier und da an die Oberfläche gelangen, sich mit Sauerstoff verbinden und so ein Leuchten erzeugen.

Günter F. Janßen Foto: Sebastian Leberp

Am Ende einer kleinen Stichstraße wartet Günter F. Janßen. Bewohner von Brieselang, Buchautor und Kenner des Lichts. Ein Jahr lang hat er über das Phänomen recherchiert, sein Wissen auf 350 Seiten niedergeschrieben. Günter F. Janßen trägt Anzug, kommt gerade von einer Lesung, er hat seinen weißen Mischlingshund Albano dabei. Also rein ins Dickicht.

Wie laut es nachts im Wald ist. Ständig knackt und raschelt es im Unterholz. Bleibt man stehen, scheinen die Geräusche näherzukommen. Windschiefe Birken zu allen Seiten. Je dunkler, desto Angst. Der Autor nimmt eine Abzweigung nach links und bald eine nach rechts. Dann bleibt er vor einer Baumgruppe stehen. Licht sieht man keines, aber Günter F. Janßen möchte eine Geschichte erzählen. In den letzten Jahren hat er viele Neugierige nachts hier entlanggeführt. Einmal auch zwei Geistheilerinnen. „Ich glaube ja nicht an esoterische Spinnerei“, sagt er, aber an jenem Abend habe die Geistheilerin an exakt dieser Stelle eine schreckliche Entdeckung gemacht: Sie sah elf tote Menschen in den Bäumen hängen. Alle mit Strick um den Hals, alle trugen Kleidung aus den 1930er Jahren. Die zweite Geistheilerin habe der ersten zugestimmt. Sie sagte, sie sehe genau das Gleiche.

Zehn Mal hat er das Licht gesichtet

Etwas tiefer in den Wald, noch eine Abbiegung, dann betritt Janßen den sogenannten Leuchterweg. Das ist die Strecke, an der die meisten Augenzeugen Lichter gesehen haben wollen.

Günter F. Janßen auch. Bei den etwa 360 nächtlichen Touren, die er während seiner Recherche absolviert habe, seien ihm zehn Sichtungen geglückt ...

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