Die Neuköllner Dar-as-Salam Moschee wird vom Verfassungsschutz beobachtet und gehört zur Islamischen Föderation Berlin, zu der auch die Bauherren der geplanten Moschee in Mariendorf enge Kontakte pflegen. Foto: Paul Zinken/dpa
p

Moscheebau in Berlin-Mariendorf Der Flirt mit Extremisten wertet die falschen Leute auf

61 Kommentare

In Berlin wird die Grauzone zwischen Islam und Islamismus verharmlost. Eine saubere Abgrenzung gegenüber Extremisten findet nicht statt. Ein Kommentar.

Im Stadtteil Mariendorf soll eine Moschee gebaut werden. Das ist für die Metropole Berlin mit einer Vielzahl muslimischer Gemeinden zwar noch nicht alltäglich, aber nicht mehr total ungewöhnlich. Trotzdem zeichnet sich Konfliktpotenzial ab. Die rechtsextreme Identitäre Bewegung hat bereits im Sommer 2017 gegen den geplanten Bau protestiert, ein Mitglied der AfD-Fraktion im Abgeordnetenhaus hat der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung einen Fragekatalog mit scharfen Tönen geschickt.

Dass sich zufällig gerade jetzt in Berlin das islamfreundliche Bündnis „Ohne Unterschiede!“ gebildet hat, das Medien und Politik zu einem fairen Umgang mit Muslimen auffordert, scheint eine passende Antwort auf die gärende Islamophobie zu sein. Wenn es denn so einfach wäre.

Was der Verfassungsschutz sagt, scheint zweitrangig zu sein

Das Bündnis wie auch der Verein Islam Vakfi, der die Moschee in Mariendorf bauen will, sind Teil eines grundsätzlichen Problems – der Verharmlosung der Grauzone zwischen Islam und Islamismus. Initiatoren des Bündnisses, darunter Pfarrer Martin Germer von der Gedächtniskirche, verteidigen vehement die umstrittene Neuköllner Dar-as-Salam-Moschee, die der Verfassungsschutz wegen mutmaßlicher Verbindungen zur islamistischen Muslimbruderschaft beobachtet. Der Verdacht auf Extremismus – in der Moschee sind Hassprediger aufgetreten – wird als unfair abgetan, weil Imam Mohamed Taha Sabri öffentlich betont tolerant auftritt.

Dafür bekam er 2015 sogar vom Regierenden Bürgermeister Michael Müller den Verdienstorden des Landes Berlin. Und Müller trat im März 2017 mit Sabri bei einer Gedenkveranstaltung für die Opfer des islamistischen Anschlags auf den Weihnachtsmarkt am Breitscheidplatz auf. Was der Verfassungsschutz sagt, scheint zweitrangig zu sein.

Womit wir beim Verein Islam Vakfi wären, auch wenn dieser nicht im Bericht des Verfassungsschutzes steht. Doch ein zu Islam Vakfi zählender Verein, der in die künftige Mariendorfer Moschee einziehen soll, gehört wie die Neuköllner Dar-as-Salam-Moschee zum Verbund der Islamischen Föderation Berlin. Die Nähe zu mutmaßlichen Islamisten scheint für Islam Vakfi kein Problem zu sein. Genau das ist problematisch. Und nicht untypisch.

In Berlin mangelt es, nicht nur in Bezug auf die Grauzone zwischen Islam und Islamismus, an einer peniblen Abgrenzung zu extremistischen Tendenzen. Jusos, junge Grüne, Mitglieder der Linkspartei und Gewerkschafter bilden mit Autonomen und DKP das Berliner Bündnis gegen rechts. Muss das sein? Der Flirt mit Extremisten, gleich welcher Couleur, wertet nur die falschen Leute auf.

Zur Startseite