Ein Terrorattentat vor der Rawda-Moschee auf dem Nordsinai forderte mehr als 200 Tote. Foto: AFP
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Mehr als 230 Tote nach Terroranschlag Kampfzone Sinai

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Immer wieder gibt es auf der Halbinsel Terrorangriffe. Ägypten bekommt die Gewalt nicht in den Griff.

Auf dem Sinai kommt es immer wieder zu Anschlägen. Doch der jüngste Angriff auf eine Moschee gehört sicherlich zu den bisher verheerendsten. Mehr als 230 Menschen sind dabei ums Leben gekommen. Auf Bildern, die direkt nach dem Anschlag in den sozialen Netzwerken geteilt wurden, sind viele behelfsmäßig mit Tüchern und Kleidungsstücken bedeckte Körper zu sehen, die im Innern des Gotteshauses auf dem Boden liegen. Der grüne Teppichboden ist voller Blutflecken. Auf anderen Fotos werden Verletzte in Krankenwagen und auf den Ladeflächen von Autos weggefahren.

Den Behörden in Kairo zufolge legten die Angreifer mehrere Sprengsätze rund um die Al-Rawdah-Moschee in der Nähe der im Norden der Halbinsel gelegenen Provinzhauptstadt Al Arisch und zündeten sie, als die Gläubigen nach dem traditionellen Freitagsgebet herauskamen. Anschließend hätten zudem vier Männer aus Geländewagen heraus das Feuer auf die Schutzsuchenden eröffnet. Sicherheitskräfte seien auf der Suche nach den Angreifern, hieß es. Präsident Abdel Fattah al Sisi berief ein Krisentreffen der Sicherheitskräfte ein und ordnete eine dreitägige Trauerzeit für die Opfer an.

Zu der Tat bekannte sich zunächst niemand. Allerdings gilt es als wahrscheinlich, dass Dschihadisten für das Massaker verantwortlich sind. Auf der Sinaihalbinsel kommt es seit Jahren immer wieder zu Angriffen eines Ablegers der Extremistenmiliz „Islamischer Staat“ (IS). „Soldaten der Provinz Sinai“ nennt sich diese Gruppe. Sie zählt zu den gefährlichsten Terrorgruppen in Ägypten. Sie brüstete sich 2015 sogar damit, ein russisches Passagierflugzeug zum Absturz gebracht zu haben. Alle 224 Passagiere und Crewmitglieder wurden damals getötet.

Die Moschee soll als Versammlungsort für Sufis bekannt gewesen sein

Zu den bevorzugten Zielen der „Gotteskrieger“ gehören allerdings ägyptische Soldaten und Polizisten. Ebenfalls werden immer wieder koptische Christen und Anhänger des Sufismus, einer mystischen Richtung des sunnitischen Islam, attackiert. Sie gelten aus Sicht der Dschihadisten als „Ungläubige“. Die Moschee soll als Versammlungsort für Sufis bekannt gewesen sein.

Die Regierung in Kairo geht massiv gegen die „Gotteskrieger“ vor. Die Region im Norden des Sinai ist zu großen Teilen militärisches Sperrgebiet. Dabei kommt es nach Angaben von Menschenrechtsgruppen auch immer wieder zu illegalen Exekutionen – auch von Zivilisten. Inzwischen gibt es außerdem eine Pufferzone an der Grenze zum Gazastreifen. Tausende mussten deshalb ihre Häuser verlassen. Denn die Verantwortlichen in Kairo verdächtigen die im Küstenstreifen herrschende Hamas, ein Ableger der 1928 in Ägypten gegründeten Muslimbruderschaft, die Terroristen im Norden des Sinai zu unterstützen.

Der Kampf der Islamisten gegen den ägyptischen Staat hat zwar nach dem Militärputsch gegen Präsident Mohammed Mursi nochmals deutlich an Schärfe zugenommen. Doch schon unter Dauerherrscher Hosni Mubarak gab es Anschläge. Danach folgte eine regelrechte Repressionswelle, unter der die Bevölkerung litt. Das hatte zur Folge, dass sich dort lebende Beduinen militanten Salafisten anschlossen. Nicht zuletzt, um kriminelle Geschäfte zu machen. Der Schmuggel von Drogen, Menschen- und Waffenhandel sind auf der Halbinsel Sinai gang und gäbe. Beobachter nennen diese Strukturen mafiös.

Und Präsident al Sisi ist es bisher nicht gelungen, dem Einhalt zu gebieten. Auf dem Sinai herrschen Terror und Anarchie. Und die Sicherheitskräfte wirken hilflos. (mit dpa)

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