Schwerttanz mit Folgen. Im Mai stattete der US-Präsident Saudi-Arabien einen Besuch ab. Seitdem eskaliert die Lage im Nahen Osten. Foto: Saudi Press Agency/dpa
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Krisenregion Naher Osten Ein Brandbeschleuniger namens Trump

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Der Konflikt zwischen Saudi-Arabien und Iran wird immer gefährlicher für die Region - auch weil der US-Präsident den Streit befeuert. Ein Kommentar.

Der Mann lächelt etwas gequält. Sein massiger Oberkörper schunkelt ein wenig unbeholfen nach rechts und links. Er trägt dabei einen Säbel in der Hand. Neben und hinter ihm Männer in langen Gewändern, die sich im Takt der Trommeln wiegen. Die Stimmung wirkt ausgelassen.

Gegeben wurde diese Vorstellung in Saudi-Arabien am 21. Mai. Hauptdarsteller waren US-Präsident Donald Trump und König Salman. Und vermutlich wird dieser Schwerttanz in die Geschichte eingehen. Als Tag, an dem der notorisch krisen- und konfliktgeplagte Nahe Osten noch weiter aus den Fugen geriet. Als Tag, an dem der Chef des Weißen Hauses als Brandbeschleuniger für eine ohnehin leicht entflammbare Region wirkte.

Seit Trumps Besuch in Saudi-Arabien scheint kein Tag mehr zu vergehen, an dem es nicht irgendwo zwischen dem Mittelmeer und dem Persischen Golf knallt. Das gilt vor allem für den Dauer-Streit zwischen den Saudis und dem Iran. Die Konfrontation ist zwar eine alte. Doch jetzt stehen die Zeichen auf Sturm.

Der Kalte Krieg eskaliert

Der Kalte Krieg um die Vormachtstellung in der Region eskaliert. An vielen Fronten – Syrien, Jemen, Irak, im Golf – belauern sich Teheran und Riad feindselig, wollen Schiiten wie Sunniten um fast jeden Preis ihren Einfluss geltend machen.

Vor allem das saudische Königshaus verhehlt kaum noch, was es erwartet: Gefolgschaft und eine klare Frontstellung gegen die persischen Mullahs. Die Herrscher in Riad fühlen sich von Trump in ihrer eigenen „Iranoia“ bestätigt. Amerikas Präsident poltert bei jeder Gelegenheit gegen Teheran. Er warnt vor Expansionsgelüsten, wirft der Islamischen Republik vor, weltweit Terror zu finanzieren und bewusst Chaos im Nahen Osten anzurichten.

Das entspricht genau dem Weltbild der Saudis. Kein Wunder, dass sie in Trump einen personifizierten Freibrief sehen, gegen den Kontrahenten schwere Geschütze in Stellung zu bringen. Und gegen Irans tatsächliche oder vermeintliche Parteigänger.

Katar soll auf Linie gebracht werden

Katar hat jetzt schmerzhaft erfahren müssen, was seine Nähe zum Iran für weitreichende Folgen haben kann: Das Emirat wird von verschiedenen arabischen Ländern boykottiert. Drohend heißt es, die Strafaktion werde erst beendet, wenn die Regierenden in Doha mit Teheran vollständig brechen. Hier soll offenkundig ein allzu eigenwilliger Akteur per Machtdemonstration auf Linie gebracht werden. Trump dürfte dieses Vorgehen erfreut zur Kenntnis nehmen. Hauptsache, es trifft irgendwie den Iran.

Auf Krawall gebürstet

Diese demonstrativ einseitige Parteinahme macht aus einer brisanten Gemengelage im Nahen Osten eine hochgefährliche. Zumal die verschiedenen Kontrahenten offenkundig auf Krawall gebürstet sind. In Saudi-Arabien schickt sich der neue Kronprinz Mohammed bin Salman an, dem Iran mit größtmöglicher Härte zu begegnen.

In Teheran wiederum machen Hardliner wie die Revolutionsgarden außenpolitisch mobil. Es gibt kaum einen regionalen Konflikt, in dem Teherans Paramilitärs nicht an vorderster Front mitmischen. Da braut sich also etwas zusammen. Es braucht deshalb ein politisches Schwergewicht, das die erhitzten Gemüter beruhigt und besonnen vermittelt. Nur: Von Trump ist das nicht zu erwarten.

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