Gute Prognose. Für gesetzlich Krankenversicherte könnten die Zusatzbeiträge erstmals leicht sinken. Foto: Nicolas Armer/dpap

Krankenversicherung Zusatzbeitrag zur Krankenkasse könnte etwas sinken

Rainer Woratschka
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Der Zusatzbeitrag für gesetzlich Krankenversicherte könnte für 2018 reduziert werden. Für Durchschnittsverdiener wären das aber nur ein paar Euro im Monat.

Gute Aussichten für die 54 Millionen Krankenkassenmitglieder: Wegen sprudelnder Kasseneinnahmen könnten im kommenden Jahr die Zusatzbeiträge sinken.

Im zuständigen Schätzerkreis erklärten Experten des Gesundheitsministeriums und des Bundesversicherungsamtes (BVA) am Donnerstag unisono, dass sie eine Reduzierung des durchschnittlichen Satzes von derzeit 1,1 auf 1,0 Prozent für möglich halten. Die Vertreter der Krankenkassen stimmten gegen eine Senkung. Das letzte Wort hat nun der Gesundheitsminister, er muss den Durchschnittsbeitrag der Krankenkassen für 2018 bis zum 1. November festsetzen.

Im besten Fall 4,35 Euro im Monat

Den Zusatzbeitrag haben die gesetzlich Versicherten alleine aufzubringen, er kommt zu dem paritätisch mit den Arbeitgebern finanzierten Beitragssatz von derzeit 14,6 Prozent hinzu. Von der anvisierten Senkung um 0,1 Punkte würden die Beitragszahler aber im Höchstfall gerade mal mit 4,35 Euro im Monat profitieren.

Wer monatlich 3000 Euro verdient, käme auf eine Ersparnis von drei Euro. Und das auch nur, wenn seine Krankenkasse mitspielt. Die Versicherer können ihre Zusatzbeiträge nämlich eigenmächtig und unabhängig vom Durchschnittssatz festlegen. Bei zu starken Abweichungen nach oben riskieren sie allerdings, dass ihre Kunden die Kasse wechseln.

Zur Jahreswende waren die Zusatzbeiträge für 3,8 Millionen Versicherte erhöht worden. Derzeit beträgt der Zusatzbeitrag, den die Versicherten im Schnitt aufzubringen haben, 22 Euro pro Monat.

Krankenkassen sind pessimistischer

Dass die Kassen den Durchschnittssatz sicherheitshalber auf dem bisherigen Stand lassen wollen, liegt auch an einer pessimistischeren Prognose der Ausgabenentwicklung. Ihr Spitzenverband rechnet im kommenden Jahr mit Ausgaben von 237,3 Milliarden Euro. Ministerium und BVA kalkulieren 900 Millionen Euro weniger.

An Einnahmen erwartet der Schätzerkreis für den Gesundheitsfonds einvernehmlich 222,2 Milliarden Euro. Der Bundeszuschuss beträgt 14,5 Milliarden, abzüglich des Anteils für die landwirtschaftliche Krankenkasse.

Für dieses Jahr wurden die Einnahmen auf 216 Milliarden geschätzt. Bei den Ausgaben rechnen Ministerium und BVA mit 226,4 Milliarden, die Versicherer mit 227,2 Milliarden Euro.

Spitzenverband verlangt Reformen

Die guten Zahlen dürften „nicht darüber hinwegtäuschen, dass den Rekordeinnahmen auch so hohe Ausgaben wie noch nie gegenüberstehen“, sagte die Chefin des GKV-Spitzenverbandes, Doris Pfeiffer. Strukturreformen, etwa für Kliniken und bei Arzneimitteln, seien deshalb unverzichtbar.

Die Rücklagen aller Kassen lägen rechnerisch immer noch unter einer Monatsausgabe, mahnte Pfeiffer. Zudem seien sie ungleich verteilt. "Deshalb wäre es richtig, den Stabilisierungsprozess der vergangenen Jahre fortzusetzen, statt den rechnerischen durchschnittlichen Zusatzbeitragssatz abzusenken."

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