Ein Mitglied des Flüchtlingsrats Berlin weist mit einem Schild auf die emotionale Bedeutung des Familiennachzugs hin. Foto: dpa/Sophia Kembowski
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Frank-Jürgen Weise über Flüchtlinge Früherer Bamf-Chef: Familiennachzug erleichtert Integration

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Bis März 2018 dürfen Flüchtlinge mit subsidiärem Schutzstatus keine Angehörigen nach Deutschland holen. Frank-Jürgen Weise kritisiert das.

Der frühere Chef des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge (Bamf), Frank-Jürgen Weise, hat sich dafür ausgesprochen, Flüchtlingen den Nachzug ihrer Familienangehörigen nach Deutschland zu gestatten. Die Menschen würden sich dann besser integrieren, sagte Weise am Donnerstag dem Südwestrundfunk (SWR). Derzeit ist der Familiennachzug für Flüchtlinge mit dem eingeschränkten sogenannten subsidiären Schutz noch bis März 2018 ausgesetzt. Unionspolitiker wollen dieses Nachzugsverbot verlängern oder dauerhaft verankern.

Weise sieht in der Aussetzung des Familiennachzugs auch einen Grund, warum die Gerichte derzeit stark mit Asylverfahren belastet seien. Flüchtlinge mit subsidiärem Schutz versuchten dort einen "individuellen Schutz" zu erreichen, weil ihnen sonst der Nachzug ihrer Angehörigen untersagt ist. Allerdings gebe es auch immer mehr Klagen von Afghanen gegen die Ablehnung ihrer Asylanträge. Dabei würden Richter die Sicherheitslage manchmal anders einschätzen als die Bundesregierung, die von sogenannten sicheren Gebieten in Afghanistan für eine Rückkehr von Flüchtlingen ausgeht.

In der Debatte um Sozialleistungen für Asylbewerber sprach sich Weise für eine stärkere Angleichung in der EU aus. Allerdings werde auch künftig in Deutschland mehr bezahlt werden müssen als beispielsweise in Bulgarien, weil hierzulande das Leben teurer sei. Auch halte er es für "Kleingeisterei", darüber zu diskutieren, ob jemand einen Euro mehr oder weniger bekomme, sagte Weise weiter. Seit seinem Rückzug als Behördenchef ist er Beauftragter für Flüchtlingsmanagement beim Bundesinnenministerium. (AFP)

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