Freier Zugang. Die Besucher können jetzt die Dokumentation über den Anschlag von 1972 in dem "aufgeschnittenen" Hügel - ein Entwurf des Architekturbüros Brückner & Brückner - besichtigen. Foto: Sven Hoppe/dpap

Erinnerung an Massaker von München 1972 Ein Mahnmal - nach 45 Jahren

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Nach fast einem halben Jahrhundert gibt es nun einen Ort, der an Anschlag auf die israelische Olympia-Mannschaft erinnert. Hinterbliebene haben lange dafür gekämpft.

Ankie Spitzer hat gekämpft, gestritten und gelitten. Fast ein halbes Jahrhundert lang. Sie war in dieser Zeit mal entsetzt, dann wieder enttäuscht und oft auch richtig verärgert.

Denn es gab viel Widerstand und noch mehr Desinteresse bei den Verantwortlichen in Deutschland. Aber aufgegeben hat die energische Frau nie. Ein würdiger Erinnerungsort am Tatort. Ein Platz, um die Opfer zu ehren.

An diesem Ziel hielt Spitzer so unbeirrt wie hartnäckig fest. Das war die heute 71-Jährige ihrem Mann Andrei schuldig. Und den anderen Opfern des Massakers, das am 5. September 1972 zwölf Menschen das Leben kostete: elf Mitglieder des israelischen Olympiateams und ein bayerischer Polizist – ermordet von palästinensischen Terroristen, während der Olympischen Spiele von München.

Am Mittwoch gehört Ankie Spitzer wie andere Hinterbliebene zu den Ehrengästen, die an der Einweihung der Gedenkstätte „Einschnitt“ teilnehmen. Und sie ist zufrieden, es endlich geschafft zu haben. Nach all den Jahren gibt es nun zwischen Olympiadorf und den Sportstätten ein markantes Mahnmal, entworfen vom Architekturbüro Brückner & Brückner: ein aufgeschnittener Hügel, in dessen Inneren an den Anschlag und vor allem die Getöteten erinnert wird.

Israels Präsident Reuven Rivlin ist eigens angereist, um den Ort gemeinsam mit seinem Amtskollegen Frank-Walter Steinmeier zu eröffnen. Einen Tag nach dem 45. Jahrestag des Attentats, das aus den „heiteren“ Spielen blutige Spiele machte.

Am frühen Morgen des 5. Septembers 1972 klettern acht Mitglieder des Kommandos „Schwarzer September“ über den Zaun ins Olympische Dorf, bringen elf israelische Sportler in ihre Gewalt und töten kurz darauf zwei von ihnen.

Moment des Innehaltens. IOC-Präsident Thomas Bach trauert mit den Witwen Ankie Spitzer (r.) und Ilana Romana. Foto: Matthias Balk/dpap

Sie verlangen, in Israel inhaftierte palästinensische Gefangene sowie die RAF-Terroristen Andreas Baader und Ulrike Meinhof freizulassen. Am Abend lassen sich die Extremisten mit den Geiseln in Hubschraubern zum Flugplatz Fürstenfeldbruck fliegen. Dort sollen Scharfschützen die Palästinenser ausschalten.

Angriff in den Morgenstunden. Am 5. September 1972 drangen palästinensische Terroristen in das Olympiadorf ein und nahmen Israelis als Geiseln. Foto: dpap

Die Befreiungsaktion wird zu einem Fiasko. Zwar sterben fünf Terroristen. Doch die Polizisten können nicht verhindern, dass die Athleten ermordet werden. Für einen Tag ruhen die Spiele. Dann spricht Avery Brundage, damals Präsident des Internationalen Olympischen Komitees, einen der umstrittensten Sätze der Sportgeschichte: „The games must go on.“

Viel zu lange habe dieser Ort gefehlt, moniert Bundespräsident Steinmeier. Dadurch seien die Opfer in der öffentlichen Wahrnehmung hinter den Tätern verblasst. Und Israels Staatschef Rivlin sagt: „Fast ein halbes Jahrhundert haben die Familien der Opfer und der Staat Israel auf diesen Moment gewartet." Ankie Spitzer weiß das nur zu gut.

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