Am Sonntag sind 61,5 Millionen Wähler aufgerufen, einen neuen Bundestag zu wählen. Foto: Kay Nietfeld/dpap

Civey-Umfragen zur Bundestagswahl Knapp ein Drittel der Deutschen bereute schon eine Wahl

7 Kommentare

Vor der Wahl ist nach der Wahl: Wie viele Deutsche wählten schon per Briefwahl? Wie zufrieden sind die Menschen in Ost und West mit ihrer Entscheidung? Wer erinnert sich an das letzte Wahlergebnis?

Kurz vor der Bundestagswahl sind bis zu 40 Prozent der Wähler unentschlossen, welchem Kandidaten und welcher Partei sie am Sonntag ihre Stimme geben werden. Der Tagesspiegel wollte deshalb jetzt in Kooperation mit dem Online-Umfrageinstitut Civey wissen, wie sich die Bürger an vorherige Wahlen erinnern, und ob Wahlwerbung die Wahlentscheidung jetzt in den letzten Tagen möglicherweise noch wird beeinflussen können.

Interessant sind dabei unter anderem die Antworten auf die Frage "Haben Sie Ihre Wahlentscheidung nach einer Wahl schon einmal bereut?". Rund 65 Prozent verneinen die Frage, 34,4 Prozent sagen "Nein, auf keinen Fall"; 15,7 Prozent der Befragten dagegen haben schon einmal massiv mit ihrer Wahlentscheidung gehadert, insgesamt haben 31,4 der Befragten schon einmal ihre Wahl bereut.

Aufgesplittet nach Wahlabsichten ergibt sich ein deutlicher Hinweis auf die AfD als Partei, die Stimmen Unzufriedener für sich gewinnen kann. 29,4 Prozent derjenigen, die AfD wählen wollen, bejahen die Frage nach dem Nachwahl-Frust mit "Auf jeden Fall". Linken-Wähler liegen hier bei 17,4 Prozent, FDP-Wähler bei 11,7 Prozent. Bei Union (8,4 Prozent), Grünen (7,5 Prozent) und SPD (7,4 Prozent) befinden sich die Prozentzahlen dagegen deutlich im einstelligen Bereich.

Insgesamt waren Männer etwas unzufriedener mit ihrer Wahlentscheidung, 33,9 Prozent der männlichen Befragte antworteten mit "Eher ja" oder "Ja, auf jeden Fall", während es bei den Frauen 28,9 Prozent waren. Und die Wähler in Ost- und Westdeutschland unterscheiden sich leicht in der Zufriedenheit über ihre Wahlentscheidung. Im Westen sagen rund 64,9 Prozent, sie hätten noch keine Wahlentscheidung bereut, während im Osten das "nur" 61,5 Prozent sind.

Im Blick auf die Wahlergebnisse im eigenen Wahlkreis sagen 62,3 Prozent der Befragten, sie wüssten, wer 2013 als Direktkandidat in den Bundestag gewählt worden sei, wobei die Männer deutlich überzeugter (51,6 Prozent "Ja, auf jeden Fall) als die Frauen (44,8 Prozent) sind. Vor allem auf dem Land kennt man nach der Umfrage die Direktkandidaten, je höher die Bevölkerungsdichte, umso unbekannter der Direktkandidierende.

Im Blick auf die Zweitstimme unterscheidet sich das Ergebnis der Umfrage nicht wesentlich zu der zu den Direktkandidaten. 63,2 Prozent der Befragten äußern sich positiv, wissen also - oder glauben zu wissen -, welche Partei die meisten Zweitstimmen im Wahlkreis erhalten hat. Ganz besonders sicher sind sich die Wähler, die 2017 CDU oder CSU ihre Stimme geben wollen, da sind es 52,3 Prozent, die mit "Ja, auf jeden Fall" antworten. Ganz besonders unsicher im Blick auf das Zweitstimmenergebnis im Wahlkreis sind dagegen die potenziellen AfD-Wähler. Von ihnen antworten 23,4 Prozent mit "Nein, gar nicht" auf die Frage nach dem Wissen zum Zweitstimmenergebnis.

Wähler in Ostdeutschland sind insgesamt unsicherer, was das letzte Zweitstimmenergebnis im Wahlkreis betrifft, 39,7 Prozent verneinen die Frage, ob sie wüssten, wer bei der letzten Bundestagswahl im eigenen Wahlkreis die meisten Zweitstimmen erhalten hat. 46,2 Prozent antworten mit "Ja". Im Westen dagegen geben 64,9 Prozent an, das letzte Wahlergebnis im Wahlkreis zu kennen, 32,1 Prozent "Nein".

Nachdem immer mehr Menschen nicht am Wahltag selbst ins Wahllokal gehen, sondern schon vorher per Briefwahl wählen, erstaunt auch nicht, dass knapp 61 Prozent der Befragten angeben, schon einmal Briefwahl gemacht zu haben. Wenig erstaunlich steigt die Anzahl der Briefwähler auch mit dem Alter der Befragten an, bei den über 65-Jährigen haben dann sogar 74,3 Prozent schon einmal per Briefwahl gewählt. Tatsächlich wählen mehr Frauen per Briefwahl (64,1 Prozent) als Männer (57,7 Prozent), insgesamt liegen die Unions-Wähler mit 69,5 Prozent ganz vorne.

Eine Frage, die vermutlich die Kampagnen-Manager der Parteien besonders interessiert, ist, ob die Befragten "in den vergangenen sieben Tagen einen Bundestagswahlspot im TV bewusst wahrgenommen" haben. 51,6 Prozent aller Befragten antworten darauf mit "Nein". Bei den AfD-Wählern sind es 58,6 Prozent, bei der Union "nur" 46,2 Prozent.

Noch schlechter sieht es für die Radio-Werbung der Parteien aus, da sagen sogar 77,9 Prozent der Befragten, sie hätten keinen Bundestagswahlspot bewusst wahrgenommen. Wer unbedingt will, kann hier das Klischee bestätigt sehen, dass Frauen eben doch besser zuhören. 21,2 Prozent der Wählerinnen geben an, einen Spot gehört zu haben gegenüber 16,8 Prozent bei den Männern.

Noch weniger Einfluss auf das Wahlverhalten der Bürger als Radiowerbung der Parteien dürfte interessanterweise das Alter der Kandierenden haben. 80 Prozent der Befragten gaben an, das Alter der Kandidierenden im eigenen Wahlkreis habe keinen Einfluss darauf, wem man die Erststimme geben werde. Nur 5,4 Prozent antworteten mit "Ja, auf jeden Fall".

Laut aktueller Civey-Umfrage liegen derzeit übrigens die Union bei 36,4 Prozent und die SPD bei 22,4 Prozent. AfD (10,0) FDP (9,7) und Linke (9,7) kämpfen um Platz Drei, Schlusslicht sind die Grünen mit 7,5 Prozent. Mehr Umfrageergebnisse, Analysen und interaktive Grafiken finden Sie auf unserer Sonderseite wahl.tagesspiegel.de. Und dort am Sonntag ab 18 Uhr auch sämtliche Ergebnisse, Abgeordneten und Koalitionsmöglichkeiten live.

Zur Startseite