Am 24. September wählen die Deutschen den neuen Bundestag. Foto: Ralph Peters/Imago
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Bundestagswahl 10 Probleme, die jede Regierung anpacken muss
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Zweiklassensystem im Wartezimmer

Gesundheitsversorgung: Zwei-Klassen-System oder Bürgerversicherung? Foto: imago stock&people
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2. Zweiklassensystem im Wartezimmer

Wenn Kassenpatienten ein MRT oder einen Termin beim Kardiologen benötigen, kann das schon mal zwei bis drei Monate dauern. Bei Privatversicherten geht es im Regelfall deutlich schneller. Kein Wunder, denn die Ärzte dürfen ihnen für gleiche Leistung deutlich höhere Honorare in Rechnung stellen – und zudem aufwändigere Diagnose- und Behandlungsverfahren andienen.

Eine aktuelle Studie beziffert den Mehrumsatz durch Privatpatienten auf 12,5 Milliarden Euro im Jahr. An gefragte Spezialisten kommen gesetzlich Versicherte deshalb oft gar nicht mehr heran. Und wegen dieses Zwei-Klassen-Systems verteilen sich die Mediziner auch sehr ungleich im Land: In ländlichen Regionen, wo es kaum Privatversicherte, aber oft sehr viel mehr alte Menschen gibt, fehlen die dringend benötigten Fachärzte. In Ballungszentren und wohlsituierten Speckgürteln reiht sich eine Praxis an die andere.

Union und FDP wollen beim bisherigen Nebeneinander von gesetzlichen und privaten Krankenversicherten bleiben, versprechen aber, die ärztliche Versorgung in ländlichen Regionen zu sichern. SPD, Grüne und Linkspartei dagegen kämpfen für eine Bürgerversicherung, in die auch Beamte, Politiker und Selbständige einzahlen. Am radikalsten sind hier die Linken, sie wollen die PKV komplett abschaffen.

SPD und Grüne möchten die bisher privat Versicherten selber über einen Wechsel entscheiden lassen. Um die Ungleichbehandlung von Privat- und Kassenpatienten verlässlich zu beenden, sollen die Ärzte ihrer Vorstellung nach aber nur noch nach einer einheitlichen Honorarordnung abrechnen dürfen. Die Linke setzt zur Sicherung der ambulanten Versorgung zudem, wie in der DDR, auf ein flächendeckendes Angebot von Polikliniken mit angestellten Ärzten. Und die AfD hat das Thema Zweiklassenmedizin überhaupt nicht auf dem Schirm.

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