Am 24. September wählen die Deutschen den neuen Bundestag. Foto: Ralph Peters/Imagop
Bundestagswahl 10 Probleme, die jede Regierung anpacken muss
Cordula Eubel Rainer Woratschka Maria Fiedler Antje Sirleschtov
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Vernachlässigte ländliche Räume

Ein Landwirt wendet das Heu. Ländliche Gegenden fühlen sich zunehmend abgehängt. Foto: dpap

9. Abgehängte Provinz

Die Mietersparnis wird durch Kosten für Auto und Nahverkehr aufgefressen, der Bus zum Arzt fährt nur zwei mal am Tag, im Supermarkt ist die Auswahl überschaubar. Kultur gibt es im Fernsehen, Bücher per Post von Amazon, das Internet ruckelt, das Handy funktioniert nicht immer.

Die Landwirtschaft ist weitgehend industrialisiert, die Politik wird in den Städten gemacht – da sind die Parlamente und die Medien, da lassen sich viele Interessen bündeln, gesellschaftliche Probleme schnell erkennen und politisch behandeln. Zwischen 2000 und 2015 ist die Bevölkerungszahl im Kreis Oberspreewald-Lausitz in Brandenburg um 21,7 Prozent gesunken, in Potsdam um 20,5 Prozent gestiegen. Auch aus dem Harz, aus der Rhön oder dem Hunsrück, den ostdeutschen Bundesländern und aus dem Saarland schwinden mit zunehmender Landflucht alltägliche Nahversorgung und gesellschaftliche Teilhabe.

Es gehen die Aktiven, die eine Zukunft suchen, sich politisch einbringen wollen: zunächst wegen vielfältigerer Ausbildungs- und Arbeitsplätze junge Menschen – mehr Frauen als Männer. Inzwischen zieht es auch Ältere in die Städte mit vielseitiger Gesundheitsversorgung, großem Kulturangebot, differenzierten Sozialstrukturen, Einkaufsmöglichkeiten und Alltagsmobilität.

Die ländlichen Räume – größter Teil der deutschen Landkarte – muss man in den Parteiprogrammen schon mit Lupe oder Schlagwortsuche ausfindig machen. Alle versprechen, die ländliche Gesellschaft endlich digital ans schnelle Internet anzuschließen. Die SPD will „selbstorganisierte Infrastrukturprojekte wie Bürgerbusse, Dorfläden oder Kultur- und Sportzentren“ fördern und regionale Wirtschaftsstrukturen zur gemeinsamen Bund-Länder-Aufgabe machen. Die Grünen zählen dazu auch die soziale Daseinsvorsorge bis zu jahrgangsübergreifenden Kleinstschulen.

Die CDU will mehr Behörden und Forschungseinrichtungen in der Provinz ansiedeln und – wie Grüne und Linke – die Städtebauförderung auch für kleinere Gemeinden nutzen. Auch die Förderung von bäuerlichem Umwelt- und Naturschutz eint Union und Grüne. Linke und Grüne wollen die industriellen und handwerklichen Kompetenzen der regionale Wirtschaft sichern – und einen solidarisch finanzierten ÖPNV entwickeln; die Linke mit Mobilitätsgarantie im Stundentakt zum nächsten Oberzentrum.

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