Linken-Wahlkämpfer Sahra Wagenknecht, Dietmar Bartsch. Foto: Monika Skolimowska/dpap

Bundestagswahl Linke führt bundesweit einen "klaren Zweitstimmen-Wahlkampf"

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2009 errang die Linkspartei bei der Bundestagswahl 16 Direktmandate. Das wird am 24. September nicht zu wiederholen sein.

Bei der Linken gilt 2009 noch immer als „Sonderwahlergebnis“. Erst zwei Jahre zuvor war die Partei zusammengeschmiedet worden aus der von enttäuschten SPD-Anhängern gegründeten WASG und der im Osten starken PDS. Die Spitzenkandidaten im damaligen Wahlkampf hießen Oskar Lafontaine und Gregor Gysi. Von den 76 Abgeordneten der neuen Fraktion errangen 16 ihr Mandat direkt, holten also das beste Erststimmen-Ergebnis in ihren Wahlkreisen.

Bis auf Sachsen, wo gegen die dominierende Stellung der CDU nicht anzukommen war, war die Linke in allen Ost-Bundesländern erfolgreich: vier Direktmandate in (Ost-)Berlin, eines in Mecklenburg-Vorpommern, vier in Brandenburg, fünf in Sachsen-Anhalt und zwei in Thüringen.

Dieses Ergebnis ließ sich 2013 nicht wiederholen – die Linke fiel zurück auf vier Direktmandate, die ausschließlich in Berlin errungen wurden. Nach Einschätzung von Parteistrategen wird auch bei der Wahl am 24. September nicht annähernd der Erststimmen-Erfolg von 2009 zu wiederholen sein, der geprägt war von den Auseinandersetzungen um die Agenda 2010. „Wir führen bundesweit einen klaren Zweitstimmen-Wahlkampf“, sagt Parteisprecher Hendrik Thalheim. Zugleich betont er: „Wir wollen unsere vier Berliner Wahlkreise explizit verteidigen.“

Die Einschätzung der Linkspartei-Führung deckt sich weitgehend mit den Prognosen der Meinungsforscher. Auch sie geben der Linkspartei außerhalb von Berlin nur wenig bis gar keine Chancen auf Direktmandate. Das Team von mandatsrechner.de, das mit dem Tagesspiegel kooperiert, hält es allerdings zumindest für möglich, dass die Linke nicht nur ihre vier Direktmandate in Berlin verteidigt – unverändert gegenüber 2013 treten Gesine Lötzsch in Lichtenberg, Petra Pau in Marzahn-Hellersdorf, Gregor Gysi in Treptow-Köpenick und Stefan Liebich in Pankow an. Sie sagen aktuell auch voraus, dass zwei Wahlkreise in Brandenburg an die Linke gehen könnten: Umkämpft ist demnach Märkisch-Oderland/ Barnim II. Hier will die Linke Kerstin Kühn gewinnen. 2013 hatte dort der Abstand zum Sieger Hans-Georg von der Marwitz (CDU) nur 1,1 Prozentpunkte betragen. Nicht ausgeschlossen ist der Erststimmen-Sieg von Linken-Bundesschatzmeister Thomas Nord in Frankfurt (Oder)/Oder-Spree.

Rostock wiederum könnte Linken-Spitzenkandidat und Bundestags-Fraktionschef Dietmar Bartsch holen; dort errang die Partei 2009 ein Direktmandat. Bartschs Erfolg gilt aktuell aber ebenfalls als sehr fraglich. Parteisprecher Thalheim hält zudem für möglich, dass Pascal Meiser in Friedrichshain-Kreuzberg die Grünen-Bewerberin Canan Bayram schlägt – mandatsrechner.de indes hält es für sicher, dass die Nachfolgekandidatin von Hans-Christian Ströbele den Ost-West-Wahlkreis holt.

AfD hat ihre Hochburgen in Sachsen

Das Portal election.de, das ebenfalls eine Wahlkreis-Prognose erstellt, hält aktuell gar keine Erststimmen-Erfolge der Linkspartei außerhalb von Berlin für möglich. Nach ihrer Voraussage werden Linken-Bewerber aber in immerhin 27 Wahlkreisen an zweiter Stelle liegen. Achtungserfolge der AfD erwartet election.de vor allem in Sachsen. Aktuell liegen dort (und nur dort) sechs AfD-Kandidaten zweitplatziert, darunter Parteichefin Frauke Petry im Wahlkreis Sächsische Schweiz/Osterzgebirge.

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