"AfD" goes Berlin" steht auf diesem Lebkuchenherz am Abend der Bundestagswahl - und so ist es gekommen. Foto: Julian Stratenschulte/dpap

Bundestagswahl 2017 Wer sind die Berliner AfD-Abgeordneten?

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28 Berliner sitzen künftig im Bundestag - vier von ihnen gehören der AfD an. Das sind die Neuen im Porträt.

Beatrix von Storch, Jahrgang 1971

Die Berliner Spitzenkandidatin Beatrix von Storch. Foto: Rolf Vennenbernd/dpap

Sie ist mittlerweile Politikprofi: Die Berliner Spitzenkandidatin und Ko-Landesvorsitzende sitzt seit 2014 im EU-Parlament. Doch der Bundestag, sagt von Storch, „war natürlich die ganze Zeit das Ziel“. Dass es nun erreicht ist, lasse die Juristin aus Schleswig-Holstein aber nicht jubeln, weil sie wisse, was für Arbeit auf die Partei zukomme. Von Storch war früh politisch aktiv, hat Vereine für „zivilgesellschaftliches Engagement“ gegründet und sich gegen Abtreibung engagiert. 2013 trat sie der AfD bei.

Von Storch bezeichnet sich als rechtskonservativ, wenn sie auf rechtsextreme Aussagen von Parteikollegen angesprochen wird, reagiert sie ausweichend. In der Partei ist sie für ihre strenge Art bekannt, kann Ordnung schaffen. Diese Aufgabe könnte ihr auch in der Bundestagsfraktion zufallen. Für von Storch, die auch stellvertretende Bundesvorsitzende ist, ist die Frage, „wie wir mit dem Islam umgehen“, die wichtigste. Sie werde sich „gegen die Islamisierung stellen“.

Gottfried Curio, Jahrgang 1960

Gottfried Curio (AfD), AfD- Bezirksvorsitzender von Steglitz-Zehlendorf. Foto: Michael Kappeler/dpap

Gottfried Curio wird im Bundestag Aufsehen erregen. Der sonst zurückhaltend wirkende Physiker versteht es am Rednerpult im Sinne der AfD Stimmung zu machen – das zeigte sich bereits im Abgeordnetenhaus. Dort sorgte er beispielsweise mit seinen Äußerungen über Frauen mit Vollverschleierung – „ein schwarzer Sack, ein Sack, der spricht“ – für Empörung . Man wisse ja nicht, wer sich darunter verstecke: „Eine Person mit oder ohne Sprengstoffgürtel?“ Curio weiß, was in der AfD ankommt.

Doch seine harschen Ansagen passen nicht so recht zu dem, was sonst von ihm bekannt ist: Er forschte im Bereich theoretischer Elementarteilchenphysik, hat ein abgeschlossenes Studium in Kirchenmusik und komponiert in seiner Freizeit. Gerne hätte man den als hochintelligent geltenden AfD-Mann kennengelernt. Seit einem halben Jahr bemüht sich der Tagesspiegel um ein Gespräch. Doch Curio entschuldigt sich mit „der zeitlichen Belastung meinerseits“. Er sei ja noch Bezirksvorsitzender in Steglitz-Zehlendorf, auch im Abgeordnetenhaus stark eingespannt. So wollte er mit einem Antrag erreichen, dass in den ZDF- Nachrichten die Deutschlandkarte innerhalb Europas wieder eingeblendet wird.

Götz Frömming, Jahrgang 1968

Engagierte sich früher im Naturschutz: Götz Frömming. Foto: promop

Der Deutsch- und Geschichtslehrer Lehrer hat bis zuletzt am Lessing-Gymnasium im Wedding unterrichtet und ist kein typischer AfDler. Er wuchs in Bayern auf, engagierte sich lange im Naturschutz. Joschka Fischer war sein Held. Frömming kämpfte gegen die Bebauung von Streuobstwiesen, demonstrierte in Gorleben.

Jetzt ist Frömming in einer Partei, die den vom Menschen gemachten Klimawandel für eine Erfindung hält und den staatlich subventionierten Ausbau erneuerbarer Energien für Irrsinn. Im Bundestag würde er gerne Bildungspolitik machen. Als Lehrer hat er viele Schüler mit Migrationshintergrund unterrichtet. Er ärgerte sich über „unser Laissez-Faire-Schulsystem“, in dem es wenig Regeln und wenig Strafen gebe. „Das führt gerade bei Jungs aus dem arabischen Raum zu Verachtung für unsere Gesellschaft“, sagt er.

Birgit Malsack-Winkemann, Jahrgang 1964

Hältsich bedeckt: Birgit Malsack-Winkemann. Foto: promop

Sie ist eine Überraschungskandidatin der AfD. Schon dass sie im März auf Platz vier der Berliner Landesliste für die Bundestagswahl gewählt wurde, sorgte in den eigenen Reihen teilweise für Frust. Hans-Joachim Berg, der wie sie aus dem Zehlendorfer Bezirksverband stammt, hatte auf einen der aussichtsreicheren Plätze gehofft, landete aber nur auf Platz sechs. Über Malsack-Winkemann ist wenig bekannt. Auf Presseanfragen reagiert sie misstrauisch.

„Die Dame hält sich sehr bedeckt“, heißt es auch in ihrem Bezirksverband, wo sie Vize-Vorsitzende ist. Malsack-Winkemann ist promovierte Juristin und Richterin in Zivilsachen am Landgericht in Charlottenburg. Der AfD trat sie 2013 bei, doch zu ihren politischen Positionen möchte sie sich unter Verweis auf das für Richter geltende Mäßigungsgebot nicht äußern, bis ihr Richteramt ruht. Auf ihrer AfD-Homepage lernt man zumindest, dass sie direkte Demokratie nach Schweizer Vorbild und Einwanderungspolitik nach Kanadischem Vorbild befürwortet. Ihr Sprecher sagt, sie gehöre einem „sehr gemäßigten Teil der AfD“ an und wolle in den Ausschuss für EU-Angelegenheiten .

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