Am 24. September wählen die Deutschen den neuen Bundestag. Foto: Ralph Peters/Imagop

Bundestagswahl 10 Probleme, die jede Regierung anpacken muss

Cordula Eubel Rainer Woratschka Maria Fiedler Antje Sirleschtov
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In den Wahlprogrammen der Parteien wird alles Mögliche versprochen. Doch was sind die Missstände, die die Menschen wirklich umtreiben?

1. Auf sich gestellt: Die Not der Alleinerziehenden

Mal wieder knapp bei Kasse, für die Freunde bleibt zu wenig Zeit und der Nachbar schaut einen schief an: Alleinerziehende stehen in Deutschland unter besonderem Druck. Vor allem, so lange die Kinder noch klein sind. Dabei sind sie längst keine Randerscheinung mehr: Von den 8,2 Millionen Familien mit minderjährigen Kindern ist jede fünfte alleinerziehend, insgesamt 1,6 Millionen. Meistens kümmern sich die Mütter überwiegend um den Nachwuchs.

Statistisch gesehen haben Alleinerziehende ein überdurchschnittlich hohes Armutsrisiko: Im Jahr 2016 waren 42 Prozent der Alleinerziehenden-Haushalte in Westdeutschland armutsgefährdet, im Osten sogar 47 Prozent, wie Erhebungen des Statistischen Bundesamts zeigen. Das liegt auch daran, dass viele alleinerziehende Mütter Teilzeit arbeiten, nur jede Vierte hat einen Vollzeitjob. Das schlägt sich im Einkommen nieder: 44 Prozent der Mütter haben ein Nettoeinkommen von weniger als 1500 Euro im Monat. Bei den Vätern sieht es anders aus: Hier haben 62 Prozent einen Vollzeitjob. Dass alleinerziehende Mütter häufig nur eine Teilzeitstelle haben, hat zum einen damit zu tun, dass es immer noch an flexibler und passender Kinderbetreuung fehlt. Hinzu kommt: Ein großer Teil der Mütter hat schon vor der Trennung Teilzeit gearbeitet, für sie ist es oft schwierig, eine Vollzeitstelle zu bekommen.

Die direkte Unterstützung von Familien läuft über Kindergeld und Kinderfreibetrag. Gutverdiener profitieren davon stärker als Geringverdiener – das benachteiligt im Normalfall Alleinerziehende. Für Eltern, die wegen der Kinder in Hartz IV rutschen würden, gibt es den Kinderzuschlag von maximal 170 Euro, doch dieser ist äußerst bürokratisch. Und vom Ehegattensplitting profitieren zwar kinderlose Paare, Alleinerziehende aber nicht.

Die Union will das Kindergeld um 25 Euro pro Monat erhöhen und die Freibeträge anheben, letzteres fordert auch die FDP. Die SPD will für einkommensschwache Familien das Kindergeld mit dem Kinderzuschlag zusammenlegen und im Steuerrecht einen Familientarif mit einem Kinderbonus von 150 Euro einführen. Die größten Änderungen in der Familienförderung planen Grüne und Linkspartei, die langfristig eine Kindergrundsicherung fordern. Als ersten Schritt planen die Grünen einen Kindergeld-Bonus, der mit steigendem Einkommen sinkt, während die Linke das Kindergeld für alle anheben will. Die AfD will keine „bedingungslose“ Unterstützung Alleinerziehender, sondern unterscheiden, ob diese Lebenssituation „schicksalhaft, durch Selbstverschulden oder auf Grund eigener Entscheidungen“ zustande gekommen sei.

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