Teurer Rücken. Für Physiotherapie müssen die Krankenkassen immer mehr ausgeben. Foto: Dieter Kroll/dpa-tmn
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Barmer-Report Ausgaben für Physiotherapie in Berlin am höchsten

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Die Krankenkassen stöhnen über steigende Ausgaben für Heil- und Hilfsmittel. Und es gibt große regionale Unterschiede, die sich medizinisch nicht erklären lassen.

Für medizinische Hilfs- und Heilmittel müssen die Krankenkassen immer tiefer in die Tasche greifen. Das belegt ein aktueller Report der Barmer, der am Donnerstag veröffentlicht wurde. Demnach rutschten die Gesamtausgaben für Hilfsmittel wie Rollstühle, Hörgeräte oder Brillen im vergangenen Jahr allein bei dieser Kasse erstmals über die Milliarden-Schwelle. Die Barmer hat dafür 2016 neun Prozent mehr ausgegeben – was einem Zuwachs von rund 84 Millionen Euro entspricht.

Doch auch die Heilmittel, also etwa Physio-, Ergo- oder Sprachtherapie, gehen ins Geld. Hier summierten sich die Ausgaben auf 847 Millionen Euro. Der Anstieg betrug mit etwa 26 Millionen aber nur drei Prozent. In der Physiotherapie, dem mit Abstand größten Kostenblock, erhöhten sich die Kosten in den Jahren 2015 und 2016 um jeweils fast fünf Prozent.

In Bremen wird am wenigsten, in Berlin am meisten ausgegeben

Der Vorstandschef der Barmer, Christoph Straub, zeigte sich beunruhigt über diese Entwicklung. Seit 2013 hätten die Ausgaben für Heilmittel um 19 und die für Hilfsmittel um 18 Prozent zugelegt, rechnete er vor. Diese Posten seien zwar ein wichtiger Teil der medizinischen Versorgung. Doch gerade deshalb sei umso stärker darauf zu achten, „dass allein die medizinische Notwendigkeit und nicht regionale Besonderheiten die Verordnung von Heilmitteln wie Physiotherapie bestimmen“.

Bei näherem Hinsehen gibt es tatsächlich enorme regionale Unterschiede. So lagen die Ausgaben für Physiotherapie um bis zu 64 Prozent auseinander. Betrugen sie in Bremen pro Versicherten 50 Euro, waren es in Sachsen 81 und in Berlin 82 Euro. Durch unterschiedliche Häufigkeit oder Schwere der Erkrankungen sei das „nicht zu erklären“, sagte Straub. Hier seien dringend weitere Untersuchungen nötig.

Frauen erhalten deutlich öfter eine Verordnung als Männer

Differenzen gibt es auch zwischen den Geschlechtern. So erhalten Frauen öfter Hilfsmittel als Männer (29 gegenüber 22 Prozent). Bei den Heilmitteln ist der Unterschied noch größer. Hier bekommen 26 Prozent der Frauen, aber nur 17 Prozent der Männer eine Verordnung.

Es bedürfe keines Blickes in die Glaskugel, um weiter steigende Ausgaben für Heilmittel zu prognostizieren, warnte Straub. Dies liege unter anderem am Heil- und Hilfsmittelversorgungsgesetz, das im April 2017 in Kraft getreten ist. Mit dem Gesetz wurde die Bindung der Budgetsteigerungen an die Grundlohnsumme aufgehoben, die Leistungserbringer kommen dadurch auf eine höhere Vergütung.

Zudem sieht das Gesetz Modellregionen vor, in denen die Heilmittel-Erbringer Art, Dauer und Häufigkeit der Therapie selbst festlegen können. Der Arzt hat den Patienten lediglich zu diagnostizieren und ihm ein „Blanko-Rezept“ auszustellen. „Es besteht die Gefahr erheblicher Kostensteigerungen, wenn Patienten länger oder aufwändiger behandelt werden, als es rein medizinisch notwendig wäre", sagte der Barmer-Chef.

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