Mühsame Handarbeit: Die Rekonstruktion der Stasi-Akten ist aufwendig - nicht nur technisch. Foto: Stephanie Pilick/dpa
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Aufarbeitung der SED-Diktatur Die Stasi-Akten bleiben ein Eselsohr der DDR-Geschichte

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Weil es keine Scanner für die Rekonstruktion der zerrissenen Stasi-Akten gibt, bleibt ein Stück DDR-Geschichte weiter im Dunkeln. Ein Kommentar.

Den Sozialismus in seinem Lauf halten weder Ochs’ noch Esel auf. Was einst Erich Honecker wusste, wird mit jedem neuen Jahr verschwundener DDR selbst alten Ochsen klar: Der untergegangene Sozialismus lebt weiter wie ein störrischer Esel. Neuestes Zeugnis der Unkaputtbarkeit sind die – eigentlich kaputten, weil zerrissenen – Stasi-Akten. Sie sollten mit kapitalistischer Hochleistungstechnik automatisch wieder zusammengesetzt werden.

Die Stasi-Unterlagen-Behörde und das Fraunhofer-Institut bekamen dafür vor zehn Jahren sechs Millionen Euro vom Bundestag bewilligt. Damit sollten sie eine neue Technik erfinden, um aus 16.000 Säcken mit Schnipseln virtuell wieder Akten zu machen, damit Biografien vervollständigt und womöglich noch spektakuläre Stasi-Fälle aufgedeckt werden können. Bisher hat man aber erst 23 Säcke zusammensetzen können und bräuchte in diesem Tempo wohl noch hunderte Jahre. Nun könnte das Pilotprojekt ganz scheitern. „Die technischen Voraussetzungen reichen nicht“, sagte der Stasi-Akten-Beauftragte Roland Jahn der Deutschen Presse-Agentur. Technik, die nicht begeistert.

Puzzlearbeit hatte Aufschlüsse über DDR-Staatsdoping gegeben

Dabei sollte alles so einfach sein. Der Algorithmus, der auch Steuerfahnder und Kriminaltechniker interessiert, läuft ja: Nach Risskanten und Papierbeschaffenheit puzzelt ein Computerprogramm zerrissene Papiere wieder zusammen, die zuvor mühsam von Hand aneinandergefügt werden mussten. Bei den Stasi-Akten hatten das einige Dutzend Beamte in jahrelanger Kleinarbeit getan – und dabei 400 Säcke mit Erkenntnissen zum DDR-Dopingsystem oder zur heimlichen Hilfe für RAF-Terroristen rekonstruiert. Menschliche Puzzler waren für diese Arbeit gar vom Bundesamt für Flüchtlingsangelegenheiten im bayerischen Zirndorf ausgeliehen worden. Mit Einsetzen der Flüchtlingskrise hatten sie aber in der Gegenwart andere Dinge zu reparieren als kaputte Fragmente der Vergangenheit.

So blieb die Hoffnung auf das Computerprogramm der Zukunft. Einzig eine Frage war übersehen worden: Gab es genug moderne Scanner, um Millionen Schnipsel millimetergenau für das Puzzleprogramm einzuspielen? Die Antwort immerhin darauf ist inzwischen klar: Nein. "Wir hoffen sehr auf die Weiterentwicklung der Scan-Technologie", sagt Jahn dem Tagesspiegel auf Nachfrage. "Auch diese Stasi-Unterlagen zur Verfügung stellen zu können, ist unser Auftrag. Wir sollten es nicht der Stasi überlassen, was wir heute lesen können."

Kurz vor der Wende liefen die Schredder heiß

Wie einst die Stasi-Schredderer scheitern also die Aufarbeiter bisher an der puren Menge der Akten der DDR-Geheimdienstpolizei. In den revolutionären Wendetagen liefen die Schredder heiß, selbst eilig im Westen beschaffte. So zerrissen Stasi-Leute brisante Akten von Hand, um sie dann zu verbrennen, im Wald zu vergraben oder zu verkollern, also mit Wasser zu zersetzen. Da aber fluteten Demonstranten die Stasi-Zentralen. Und retteten das kaputte, unkaputtbare Erbe.

Die Stasi-Akten bleiben – als Eselsohr der DDR-Geschichte.

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