Nachtspeicherheizungen speichern den nachts gelieferten, billigen Nachtstrom und geben ihn tagsüber ab. Dennoch sind sie unrentabel. Foto: dpa/pap

Nachtspeicherheizung in der Kritik: Nur ein Lobbycoup der Stromriesen?

Marc Röhlig
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Eine Nachtspeicherheizung verbraucht viel Strom und Geld. Deshalb sollte sie sogar verboten werden, doch die Politik ist davon wieder abgerückt.

Der Kauf einer Nachtspeicherheizung lohnt sich nicht. Die Politik weiß das schon seit Jahren. Die Geräte sind nämlich nur auf den ersten Blick günstig und effizient. Sie speichern den Strom, der nachts zum Niedertarif hereinkommt. Da Kraftwerke kontinuierlich Strom produzieren müssen, schicken sie die Energie nachts zu billigeren Tarifen durch die Leitung als in der Hauptzeit. Die Nachtspeicherheizung speichert den nachts gelieferten Strom und gibt ihn über den Tag verteilt als Wärme wieder ab.

Sparen mit einer Nachtspeicherheizung - ein Trugschluss

Allerdings ist dieser Strom weder rentabel noch umweltfreundlich: Eine Nachtspeicherheizung zu besitzen frisst Strom und Geld. Bei der Erzeugung entsteht 50 Prozent mehr Kohlendioxid als beim Heizen mit Öl und Gas. Auch ist der Nachtstrom – trotz des günstigen Niedertarifs – teurer als herkömmliches Heizen mit Öl oder Gas. Denn sein Energieaufwand ist deutlich höher als bei Öl- oder Gasheizungen: Nur gut ein Drittel der Ursprungsenergie kann in Wärme umgewandelt werden, die anderen Heizmethoden kommen auf 70 bis 80 Prozent Umsetzung.

Hinzu kommt: Wer für den Nachtstrom keinen eigenen Stromzähler hat, ist praktisch an seinen bisherigen Lieferanten gebunden und kann nicht zu einem günstigeren Stromanbieter wechseln. Denn neben den Grundversorgern bieten nur sehr vereinzelt alternative Lieferanten Nachtstromtarife an. Die Tatsache, dass über Jahre hinweg das hochschädliche Material Asbest Bestandteil einer jeden Nachtspeicherheizung war wirkt sich ebenfalls nicht gerade positiv auf dessen Image aus.

Unverblümte Klientelpolitik

Die Große Koalition beschloss im Rahmen des Energieeinsparungsgesetzes ein Ende der Nachtspeicherheizungen bis 2020. Alle vor 1990 eingebauten Geräte sollten bis 2019 erlaubt sein, jüngere Geräte durften nur noch bis 2020 laufen. Momentan gibt es 1,5 Millionen Nachtspeicherheizungen.

Die schwarz-gelbe Regierung kippte das Verbot Mitte Mai jedoch wieder. Zuvor hatten die Energieversorger RWE und EnBW die konventionelle Nachtspeicherheizung wieder ins Gespräch gebracht. Laut den beiden Energiegiganten biete das Produkt hohes Potential für die vorübergehende Speicherung von regenerativen Energien. Auffallend kongruent dazu heißt es im Bundesbauministerium, man brauche während der Energiewende „den einen oder anderen Energiespeicher“.

Verbot von Nachtspeicherheizung gerechtfertigt?

Die Deutsche Umwelthilfe kritisiert dagegen die Rückkehr zur "vorsintflutlichen" Nachspeicherheizung als Lobbycoup der Stromriesen. Nachtspeicher verbrauchen jährlich bis zu 10-15 TWh (Terrawattstunden) elektrischer Energie, während demgegenüber nur 0,45 TWh Windstrom abzuregeln wären. Folglich bedeutet der Einsatz von Nachtspeichersystemen an Stelle einer Entlastung eine signifikante Mehrbelastung unseres Stromsystems.

Wer also eine Nachtspeicherheizung besitzt oder in naher Zukunft die Anschaffung plant sollte sich nach Alternativen umsehen. Nachtspeicherheizungen sind entgegen der vorherrschenden Meinung mehr schlecht als recht.

Wer über einen generellen Wechsel des Stromanbieters nachdenkt und langfristig Geld sparen möchte, der kann sich über den folgenden Stromrechner informieren.

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