Das deutsche Nationalteam vor dem Spiel gegen die Italiener. Nicht allen deutschen Spieler sangen die Nationalhymne mit. Foto: dapd
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Matthies meint Wer die Hymne nicht singt, wird aus dem Kader geschmissen

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Das EM-Aus war bitter für Fußball-Deutschland und die Nationalmannschaft. Mittlerweile ist geklärt, woran es lag: Zu viele Spieler hatten sich geweigert, die Nationalhymne mitzusingen. Damit muss fortan Schluss sein.

Am Ende geht es immer um den Blutdurst, jedenfalls den symbolischen. Erst hat der CDU-Chefideologe Franz-Josef Wagner in der „Bild“-Zeitung mitgeteilt, das Spiel der Deutschen gegen Italien habe „keine Magie, keinen Glauben“ gehabt, und zwar, weil die Spieler vorher die Nationalhymne bestenfalls schlapp vor sich hingebrummelt hätten. Nun zieht die CDU selbst nach: „Es sollte zum guten Ton gehören, dass alle Spieler die Hymne mitsingen“, sagte Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier. Und auch sein Sportminister Boris Rhein hat sich über die mangelnde Sangeslust von Jogis Jungs geärgert.

Ja, Blutdurst. In der italienischen Nationalhymne heißt es: „Wir sind bereit zum Tod, Italien hat gerufen!“. Auch die Marseillaise ist nicht schlecht: „Vorwärts, marschieren wir! Damit unreines Blut unserer Äcker Furchen tränke!“ Das fetzt, das hilft beim Toreschießen. Die Deutschen hingegen haben eine zwar musikalisch erhabene, aber inhaltlich völlig blutfreie Hymne, die dem Gegner im Grunde signalisiert: Wir sind nett, ihr seid auch nett, wir tun uns nix.

Aber bitte, vielleicht hilft es ja trotzdem. Es ergehe also Sangesbefehl auf Bouffier-Art. Der DFB stellt einen Chorerzieher ein, macht die Hymne zum Trainigsteil. Verweigerer werden aus dem Kader gestrichen, musikalische Spieler erhalten den Vorzug, jeder Ton wird akkurat auf die Fanmeile übertragen, heuchlerische Mundaufmacher fliegen auf. Gelangweiltes, womöglich genervtes Gaffen beim Singen wird verboten, inniger Blick vorausgesetzt. Rechte Hand aufs Herz!

Und wenn der Siegesfall nicht eintritt? Gut, da wäre immer noch die erste Strophe, die in gewissen Kreisen Magie und Glauben satt verbreitet, aber sie verbietet sich aus bekannten Gründen. Die Spanier, die Erfolgreichsten überhaupt, haben eine Hymne ohne Text, sie singen brumm-brumm oder la-la-la – aber sie können einfach besser Fußball spielen, was in der Debatte oft übersehen wird.

Politiker fordern Mitsing-Pflicht bei Nationalhymne

Wo die deutschen Stärken liegen

Die Lösung kann nur pragmatisch gefunden werden. Weg mit der Hymne, her mit dem Gassenhauer. Es gibt ihn, er heißt „Fußball ist unser Leben“ mit der Kernbotschaft „Ha! Ho! Heja heja He!“. Sehr wahrscheinlich, dass der Gegner beim Anpfiff schon zitternd in der Kabine sitzt. Sieg für Deutschland!

Die deutsche Nationalelf der EM 2012 noch mal im Rückblick:

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