pKontrapunkt: Nationalelf: Der traurige Gute-Laune-Express
52 KommentareWer könnte Löw beerben?
Sicher, Löw hat der Nationalelf mitreißenden Kombinationsfußball eingeimpft. Niemand will in diese dunklen Zeiten zurück, als das deutsche Spiel aus Querpässen von Hamann auf Ramelow auf Jeremies und zurück bestand. Warum die Mannschaft jedoch das Siegen in den entscheidenden Partien verlernt hat, weiß Löw nicht, vor allem aber betrachtet er schon solche Fragen als Majestätsbeleidigung. Vorbei an bösen Begriffs-Klippen wie „Sieger-Gen“ oder „Führungsspielerdebatte“ will Löw seinen Gute-Laune-Express in Richtung Brasilien 2014 gleiten sehen.
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Doch auch dort werden wieder Fußball-Halunken wie Balotelli oder Ibrahimovic warten, unbequeme Spieler, die keine Leitwolf- Diskussionen führen, sondern Leitwölfe sind. Was Löw dafür kann, wenn ihm nun mal keine ausgewiesenen Charakterköpfe zur Verfügung stehen? Einiges, denn er schafft eine Atmosphäre der harmlosen Harmonie im gesamten Umfeld. Es ist eine schleichende Breisgauisierung der Nationalelf. Der nette Ex-Freiburger Robin Dutt gibt als Sportdirektor sicherlich weniger Gegenworte als sein kratzbürstiger Vorgänger Matthias Sammer, doch die mit seiner Installation abgeschlossene Gleichschaltung der Nationalelf-Führungsebene verhindert die für Erfolge nötige Reibung.
Ob Löws Nachfolger zwangsläufig ein Vertreter der jungen Klopp-Slomka-Garde sein muss, sei dahingestellt. Warum nicht ein erfahrener Mann wie Jupp Heynckes? Wenn Löws Mission tatsächlich noch nicht vorbei sein sollte, kann er im Hintergrund agieren: Am wertvollsten war er für den DFB unter dem Chef Jürgen Klinsmann. So oder so, der Glaube daran, mit Joachim Löw noch einen großen Titel zu holen, ist verloren. Seine Zeit als Cheftrainer ist abgelaufen.

