Unser Autor Harald Martenstein. Foto: ddpp

Deutscher Klang gefordert Schall und Namen in der Nationalmannschaft

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Im Internet wird gefordert, dass künftig nur noch solche Spieler in der deutschen Fußball-Nationalmannschaft eingesetzt werden, die einen eindeutig deutsch klingenden Namen haben. Dies hat zu einer lebhaften Namensdebatte geführt.

Auch international hat die Forderung für Aufsehen gesorgt. Beim DFB melden sich inzwischen nahezu täglich Spieler, die darauf verweisen, dass sie einen eindeutig deutsch klingenden Namen haben und deshalb um Aufnahme in die deutsche Nationalmannschaft bitten, darunter der schwedische Verteidiger Lustig, der Tscheche Hübschmann sowie Sebastian Boenisch aus Polen. Bei dem Einbürgerungsantrag eines US-Torhüters namens Gregor Bierhalter wurde ein Täuschungsmanöver entdeckt, der Mann heißt Gregg Berhalter und hat seine Papiere gefälscht.

Die Nationalmannschaft von Estland möchte nahezu vollständig für den DFB antreten, die Spieler heißen in Estland zum Beispiel Reim, Rähn, Jäger, Oper und Bärengrub. Aus Kasachstan klopfen die dort sehr populären Fußballer Heinrich Schmidtgal und Konstantin Engel an die Tür des deutschen Teams, aus Namibia Gerson Keiser. Damit könnte sich, nach Jahrzehnten, wieder ein deutscher Nationalspieler mit Fug und Recht „der Keiser“ nennen. Ein anderes Fußballidol aus Namibia legt Wert auf die Feststellung, dass sein Name sogar an gleich zwei erfolgreiche deutsche Bundestrainer denken lässt, es ist der Mittelfeldregisseur Rudi Louw vom FC Black Africa, der in 300 Spielen der namibischen Premier League 88 Tore geschossen hat.

Der DFB hält sich in der Angelegenheit bedeckt, es ist von rechtlichen Problemen die Rede, hinter vorgehaltener Hand wird auch die mangelnde Qualität des einen oder anderen Kandidaten ins Feld geführt. Allenfalls könne daran gedacht werden, die Namen von verdienten Alt-Nationalspielern an heutige Spieler neu zu vergeben, als Ehrenname, was eine gewisse magische Wirkung haben könnte. Auch den Trikotnummern wird ja manchmal magische Wirkung zugeschrieben.

Aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes will der DFB allerdings die Reihenfolge der Buchstaben leicht verändern. Man nennt so etwas „Anagram“. Aus Franz Beckenbauer würde auf diese Weise „Franz Ruebenbacke“ werden, aus Stefan Effenberg „Bengt Affenferse“ und aus Günther Netzer „Utz Ernteregen“. Der Rekordtorschütze des 1. FC Kaiserslautern aber, ein Mann, der gegen Spanien ein bis heute unvergessenes Länderspieltor geschossen hat, der Stürmer und spätere Trainer Klaus Toppmöller also würde in seiner Reinkarnation den Namen „Romeo Klappstulle“ führen. All diese Namen, heißt es, würden zutiefst deutsch klingen und deshalb wohl vor allem bei rechtsradikalen Fans und im Internet auf ein hohes Maß an Akzeptanz stoßen.

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