Das erste Tor beim Bundesliga-Start 1963. Der Dortmunder Torschütze Timo Konietzka (hinten, r) und sein Teamgefährte Lothar Emmerich (vorn) bejubelt das erste Tor in der Partie Werder Bremen gegen Borussia Dortmund beim Start der Fußball-Bundesliga am 24.08.1963 im Bremer Weserstadion. Foto: dpap

50 Jahre Bundesliga Fußball vereint

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Der Fußball spiegelt, als größtes Faszinosum des Globus, viel mehr als nur den Sport an sich. Er gehört mit zur Seele einer Gesellschaft. Vor allem in Deutschland. Heute vor 50 Jahren wurde das erste Bundesliga-Spiel angepfiffen.

Es muss am 24. August 1963 wohl um 17 Uhr 01 gewesen sein, als die Fans zum ersten Mal jubelten. Man pfiff damals noch anderthalb Stunden später als heute an. Und bereits nach 58 Sekunden hatte Friedhelm „Timo“ Konietzka für Borussia Dortmund gegen Werder Bremen das erste Tor der Bundesligageschichte erzielt. Vor 50 Jahren.

Von dem historischen Augenblick existiert indes kein Foto und kein Film. Zwar war der Fußball längst ein Magnet der Massen, in der Spitze kamen ins Berliner Olympiastadion zu Hertha BSC damals 85 000 Zuschauer. Aber das Fernsehen hatte zum Beginn dieses neuen Fußballkapitels nur bei zwei der acht Auftaktbegegnungen eine Kamera aufgestellt. Und nicht nur von jenen grauschlierigen TV-Flackerbildern scheinen wir inzwischen Äonen entfernt zu sein.

Der heutige Fußball wirkt unendlich viel schneller, athletischer, dynamischer. Und natürlich ist Fußball auch Big Business. Das erlaubte Höchstgehalt für einen „Lizenzspieler“, so hießen die ersten Halbprofis, betrug vor 50 Jahren 1200 D-Mark im Monat. Nur Hans Schäfer, einer der Weltmeister von 1954 und Kapitän des 1. FC Köln, des ersten Bundesligameisters, und das bereits vom Ausland umworbene Hamburger Mittelstürmer-Idol Uwe Seeler durften dank einer Ausnahmegenehmigung 2500 DM erhalten.

Für die Jungen von jetzt, ob Spieler oder Fan, sind das Märchen aus dem bundesdeutschen Mittelalter (an dem auch die DDR-Zuschauer sehnsüchtig Anteil nahmen). Kaum jemand vermag sich vorzustellen, dass beispielsweise 1860 München und nicht der FC Bayern zu den Gründungsmitgliedern der neuen Liga gehörte, und dass der Gegner der wiederaufgestiegenen Berliner Hertha am heutigen Abend, der Hamburger SV, der einzige Club ist, der seit 1963 immer mitgespielt hat in der deutschen Königsklasse.

Natürlich spiegelt der Fußball als größtes Faszinosum des Globus viel mehr als nur den Sport an sich. Er gehört mit zur Seele einer Gesellschaft. Oft wird er dabei auch mit einem Sinnbild der Politik des Landes verwechselt – so, als hätte das erfolgreiche bundesdeutsche Team von 1972-74 mit der Willy-Brandt-Aufbruch- Ära zu tun gehabt und die Rumpelfußballer zwei Jahrzehnte danach mit der Stagnation der späten Kohl-Zeit. Das ist eine Überfrachtung. Jedenfalls erklärt sich der riskante Angriffsfußball der Löw-Elf jetzt kaum aus dem Regierungsstil der (fußballbegeisterten) Bundeskanzlerin.

Trotzdem signalisiert das in der Bundesliga verkörperte Spiel eine tiefgehende Veränderung der deutschen Gesellschaft. Vor 50 Jahren gab es im deutschen Spitzenfußball gerade eine Handvoll Ausländer. Weiße Ausländer. Inzwischen zeigen die Clubs wie die Nationalmannschaft eine tatsächlich bunte Republik. Die Botschaft des Fußballs lautet: Wir sind ein Einwanderungsland und werden durch Migranten bereichert. Zur Beeinflussung von Mentalitäten und zur Integration trägt das, trotz gelegentlicher Widerstände, vermutlich mehr bei als alle sozialpolitischen Beschwörungen.

Das Zweite: Profifußball als Millionenspiel und Entertainment hat mit früheren Arbeitervereinen und uriger Kumpel-Romantik nichts mehr gemein. Das mag man nostalgisch bedauern. Aber dass junge Spieler in dieser neuen Gemengelage auch Popstars sind, hat eine zwischen Männern und Frauen einstmals getrennte Gesellschaft nun auch an Bundesligawochenenden vereint. Die Geschlechter finden beim Fußball – begeistert und kundig – zusammen. Das hätten sich vor 50 Jahren keine und keiner erträumt.

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