Wirklich? Rita (Sesede Terziyan, links) will Sybilles (Stefanie Stappenbeck) verschwundenen Mann gesehen haben. Foto: ZDF Foto: ZDF und Roland Suso Richter
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ZDF-Krimi "Der 7. Tag" Frauen, die nicht aufgeben

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Vom E-Book zum Bestseller zur TV-Verfilmung: Der ZDF-Krimi „Der 7. Tag“ ist auch die Story der Berliner Autorin Monika von Ramin.

Sybille Thalheim erwacht in einem Hotelbett, neben sich ein blutverschmiertes Messer. An das, was in den vergangenen Stunden passiert ist, erinnert sie sich nur undeutlich. Vor der Tür steht schon die Polizei. Sybille Thalheim rennt an den Beamten vorbei aus dem Hotel. Dass sie daran nicht gehindert wird, ist allerdings etwas seltsam, denn in einem anderen Zimmer wurde eine männliche Leiche gefunden. Der Tote ist der Notar Michael Thalheim, Sybilles Mann, der vor anderthalb Jahren mit 20 Millionen Euro spurlos verschwunden war. Nun wurde er erstochen – von seiner Ehefrau?

Eine Frau mit Erinnerungslücken, des Mordes verdächtigt, versucht auf der Flucht ihre Unschuld zu beweisen – das ist für den ZDF-Fernsehfilm „Der 7. Tag“ eine klassische Ausgangslage, die viel Tempo und Spannung verspricht. Und dieses Versprechen wird in der Regie von Roland Suso Richter tatsächlich gehalten. Dass man Stefanie Stappenbeck als Sybille Thalheim die potenzielle Mörderin von Anfang an nicht glauben mag, ist sicher einkalkuliert. Sie spielt die Identifikationsfigur, die über sich hinauswachsen muss und der man wünscht, heil aus dem Schlamassel herauszukommen. Erst in Rückblenden werden die Hintergründe nach und nach klarer.

Vorgeschichte mit Unterhaltungswert

Wie so viele Fernsehkrimis zurzeit beruht auch „Der 7. Tag“ auf einem Kriminalroman, und diese Vorgeschichte hat einen eigenen Unterhaltungswert. Die Berliner Autorin Monika von Ramin schrieb das Buch bereits 1999, konnte damit aber bei keinem Verlag landen. Mit Ratgeber-Literatur für Frauen in der Lebensmitte („Mein letzter Tampon“, „Bis jetzt haben wir nur geübt“) lief es besser. Der Traum von einer Kriminal-Schriftstellerin erfüllte sich erst 2012, als sie ihren Roman „Der 7. Tag“ unter dem Pseudonym Nika Lubitsch auf einem ebook selbst publizierte. Fünf Monate hielt sich der Titel auf Rang eins der Bestseller-Liste – ein seltener Fall von erfolgreichem self publishing. Mittlerweile gibt es mehr als ein Dutzend weiterer Romane von Nika Lubitsch, die auch als Taschen- oder Hörbücher erschienen sind.

Gleich mehrere Produktionsfirmen wollten die Filmrechte am „7. Tag“ erwerben, wie Lubitsch alias Monika von Ramin im Blog „Hilfe, mein Buch wird verfilmt“ notierte: „Kino oder Fernsehen? Mir war gut gemachter Lerchenberg lieber als Hollywood, weil damit im Zweifel mehr Menschen in Deutschland erreicht werden.“

Keine Kritik an der TV-Umsetzung

An der filmischen Umsetzung durch Oliver Berbens Produktionsfirma Moovie war sie selbst nicht beteiligt, allerdings durfte sie mal die Dreharbeiten besuchen. Dort erfuhr sie Überraschendes: Während im Buch Sybille Thalheim wegen Mordes angeklagt ist und die Geschichte als Gerichtsdrama aufgezogen wird, gibt es im Film keine einzige Szene im Gerichtssaal. Auf Dreharbeiten an dem im Roman wichtigen Schauplatz in der Karibik wurde – wohl aus naheliegenden Kostengründen – ebenfalls verzichtet. „Und wenn Henning Baum einen Kriminalkommissar spielt, der in meinem Buch in etwa drei Sätze hatte, dann habe ich eine ungefähre Ahnung davon, in welche Richtung der Hase hoppelt“, schrieb die Autorin. Zu stören schien sie das nicht. „Ich mache meinen Job und die Filmleute ihren.“

Der Hase hoppelt jedenfalls fernsehgemäß. Im Pantoffelkino ist das Publikum kriminalistische Aufklärung mit starken Ermittlerfiguren im Zentrum gewohnt. Autor André Georgi, der zuletzt das Drehbuch für die sehenswerte Siegfried-Lenz-Verfilmung „Schweigeminute“ geschrieben hatte, nutzt dieses Zugeständnis an die Fernsehkonvention produktiv: mit zwei Figuren, die eine besondere, auch humorvolle Note in den harten Stoff bringen. Dass der im Rollstuhl sitzende Kommissar Rainer Warnke (Henning Baum) die Ermittlung leitet, wird nicht als bemerkenswert herausgestellt. Und hindert seine Assistentin Tanja Braungart (Josefine Preuß) nicht an spitzen Bemerkungen. Thomas Gehringer

„Der 7. Tag“, ZDF, Montag, 20.15 Uhr

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