Zweifache Provokation: Die Titelbilder von "Charlie Hebdo" und "Spiegel" Foto: dpa/Kay Nietfeldp

Titelbild der neuen "Charlie Hebdo" "Charlie Hebdo" bringt Kopf-ab-Satire aus Solidarität mit dem "Spiegel"

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Trump als Schlächter der Freiheitsstatue: Damit provozierte der "Spiegel". Nun bringt das Satiremagazin "Charlie Hebdo" Merkel als Henker von Schulz - als "Geste des Respekts".

Deutet sich da ein blutiger Trend an? Auf dem Cover der aktuellen deutschen Ausgabe des französischen Satiremagazins „Charlie Hebdo“ ist Bundeskanzlerin Angela Merkel als Karikatur zu sehen, ein blutiges Messer in der einen Hand, den abgetrennten Kopf des SPD-Kanzlerkandidaten Martin Schulz in der anderen. Nach Meinung der Redaktion ein Akt der Solidarität. Das Motiv greift das umstrittene Titelbild des aktuellen „Spiegel“ auf, das US-Präsident Donald Trump in ähnlicher Pose zeigt, den Kopf der Freiheitsstatue hochhaltend.

Sich an den „Spiegel“-Titel anzulehnen, sei eine Geste des Respekts gegenüber den Kollegen in Hamburg, sagte die Chefredakteurin der deutschen „Charlie Hebdo“-Ausgabe, die unter dem Pseudonym Minka Schneider auftritt. „Was uns am meisten schockiert hat, war das negative Echo darauf“, sagte Schneider. „Wir finden diese Titelseite ziemlich gut.“

In ihrer Zeitschrift erklärt die „Charlie Hebdo“-Redaktion in einer Kolumne ihre Motive: „Den Vorwurf, gegen gute journalistische Sitten zu verstoßen, kennen wir in- und auswendig“, heißt es dort. „So sitzen wir im gleichen Boot, denn im Zentrum der Polemik, bei Euch wie bei uns, steht die Debatte um Meinungsfreiheit und die Art und Weise, wie man sie nutzt. Oder nicht nutzt.“ Gezeichnet hat das Cover Corinne Rey, Künstlername "Coco", die den Anschlag islamistischer Terroristen im Januar 2015 in Paris überlebte. Bei dem Attentat starben zwölf Menschen. Die deutsche Ausgabe von „Charlie Hebdo“ erscheint seit Dezember 2016.

Das Cover der aktuellen "Spiegel"-Ausgabe mit Trump als Henker der Freiheitsstatue Foto: dpap

16 Beschwerden zum "Spiegel"-Cover

Bisher sind 16 Beschwerden zu dem "Spiegel"-Cover eingegangen, sagte eine Sprecherin des Selbstkontrollorgans der deutschen Presse dem epd in Berlin. Das Cover zeigt US-Präsident Donald Trump mit dem blutig abgetrennten Kopf der Freiheitsstatue in der Hand. Der Titel hatte eine heftige Debatte im In- und Ausland ausgelöst. Kritisiert werde eine "diffamierende, ehrverletzende Darstellung des amerikanischen Präsidenten, der als Terrorist dargestellt wird", sagte Eick. Die Beschwerden beriefen sich vor allem auf die Ziffern 1 und 9 des Pressekodexes. Ziffer 1 hält fest, dass die Wahrung der Menschenwürde zu den obersten Geboten der Presse gehört. In Ziffer 9 heißt es: "Es widerspricht journalistischer Ethik, mit unangemessenen Darstellungen in Wort und Bild Menschen in ihrer Ehre zu verletzen." Die Beschwerden wird der Presserat im März prüfen.

In der Debatte über den "Spiegel"-Titel war der augenscheinliche Vergleich Trumps mit einem islamistischen Terroristen teils deutlich kritisiert worden. Chefredakteur Klaus Brinkbäumer hatte die Kritik am Dienstag in einem Kommentar auf "Spiegel Online" zurückgewiesen. Trump enthaupte auf dem Cover keinen Menschen, sondern ein Symbol, schrieb er. (mit dpa, epd)

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