Das Sportportal Dazn. Screenshot: tspp

Streamingdienst Dazn Netflix des Sports

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Mit der Fußball Champions League will der Streamingdienst Dazn hoch hinaus. Wer steckt hinter diesem Unternehmen?


Bislang war Dazn nur wenigen Deutschen ein Begriff, dazu dürften Fans der US-Basketballiga NBA gehören – der entscheidende Finalsieg von Golden State war am Dienstag über den Streamingdienst zu sehen. Am selben Tag bestätigte sich, was schon seit Längerem spekuliert wurde: Die Champions League wird ab der Saison 2018/19 nicht mehr im frei empfangbaren Fernsehen laufen. Stattdessen sicherte sich Dazn gemeinsam mit Sky die Rechte, 600 Millionen Euro sollen sie für drei Spielzeiten bezahlen.


Wie sich die Partner die Spiele aufteilen, ist noch nicht bekannt, doch für Fußballfans ist es eine doppelte Zäsur. Der weltweit wichtigste Klubwettbewerb wird nur noch gegen Bezahlung zu sehen sein und neben dem bekannten Pay-TV will sich mit Dazn ein Online-Unternehmen als neue Alternative etablieren. Die Briten wollen nichts weniger, als das Netflix oder Spotify des Sports werden. „Was bei Musik und Serien funktioniert, sollte auch im Sport gelingen“, hatte Dazn-Marketing-Chef Benjamin Reiniger kürzlich im Gespräch mit dem Tagesspiegel gesagt. Wie die anderen Streamingdienste setzt Dazn dabei auf ein monatlich kündbares Abo für 9,99 Euro, der Preis solle auch langfristig beibehalten werden. Zudem können viele Inhalte auch zeitversetzt geschaut werden.


Gestartet ist Dazn damit im vergangenen August, dass sich die Briten ausgerechnet den deutschen Markt ausgeguckt haben, ist kein Zufall. „Es gibt in Deutschland 50 Millionen Sportfans, aber nur drei Millionen zahlen dafür“, sagt Reininger. Das Projekt wurde dabei von langer Hand vorbereitet. Schon viel früher hatten die Briten begonnen, Sportrechte zu kaufen und diese, bis ein ausreichend attraktives Portfolio zur Verfügung stand, an andere Anbieter wie laola.tv oder auch Wettanbieter zur Übertragung im Netz weiterlizensiert.

„Was immer auf den Markt kommt, wir werden sehr aggressiv vorgehen.“


Der Streamingdienst hat sich so die Rechte an den Fußballligen in Spanien, Italien und Frankreich gesichert. Vor allem aber hat Dazn bei der britischen Premier League Sky ausgestochen. Immer mehr Sportinhalte, die bislang im Pay-TV liefen, sollen so ins Netz wandern. „Wenn wir wirklich an den Markt glauben, müssen wir uns die großen Rechte schnappen – ob das Champions League, Formel 1 oder Ski ist“, hatte Dazn-Chef James Rushton schon im Frühjahr angekündigt. „Was immer auf den Markt kommt, wir werden sehr aggressiv vorgehen.“


Das nötige Geld dafür sei vorhanden, schließlich stehe hinter Dazn die amerikanische Holding Access Industries des Milliardärs Leonard Blavatnik. Zu dessen Imperium gehören neben Chemie-, Öl-, und Aluminiumriesen unter anderem auch Warner Music und der Musikstreamingdienst Deezer. Und eben auch die Dazn-Mutter Perform Group, wo das Streamingportal nun die dritte Säule bildet. Bislang betreibt der Medienkonzern einerseits Online-Sportportale wie Spox.com oder Goal. Zum anderen ist er mit Opta Sports einer der wichtigsten Datenlieferanten. Das Material für Videoanalysen der Vereine oder die zahlreichen Statistiken, die TV-Kommentatoren gern während des Spiels referieren, kommen in vielen Fällen von Opta. Auch viele Wettanbieter greifen zur Ermittlung der Quoten auf die Daten aus London zurück.


Auch Dazn arbeitet enorm datengetrieben. „Wir können tatsächliche Zuschauerdaten liefern statt hochgerechneter Quoten“, sagt Reininger. Ähnlich wie bei Netflix wird das genutzt, um das Kundenverhalten genau zu analysieren und damit dann das eigene Angebot zu optimieren. Doch die Daten könnten auch Vereinen oder Sportverbänden helfen, ihre Fans besser zu verstehen. Für welche anderen Sportarten interessieren sich Handballfans am meisten? Wo kann man Baseballanhänger am besten erreichen? Auch auf solche Fragen will Dazn neue Antworten liefern.


Denn neben den großen Fußballspielen setzt das Portal auch auf vermeintlichen Randsportarten wie Darts oder Baseball. „Die Fans von US-Sport wurden lange vernachlässigt“, sagt Reininger. Dabei treibt Dazn einigen Aufwand, denn alle Spiele werden eigens kommentiert. Dabei setzt das Unternehmen auf Zweierteams mit Experten, wie beim Fußball den ehemaligen Spielern Moritz Volz oder Benjamin Lauth. Etwa 150 feste und freie Mitarbeiter beschäftigt Dazn inzwischen in München.


Zur Zahl der Abonnenten schweigt sich das Unternehmen noch aus. Die Website hat nach Angaben des Analysedienstes SimilarWeb monatlich 6,4 Millionen Besucher. Zwei Drittel davon kommen jedoch aus Japan, dem zweiten Markt, in dem Dazn bislang aktiv ist. Weitere Länder sollen folgen. Klar ist jedoch, dass Dazn noch hohe Verluste schreibt. Doch der Angriff auf den Sportmarkt ist langfristig ausgelegt: Die Eigentümer wollen Dazn bis zu zwölf Jahre Zeit geben.

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