Seriensüchtig. Moderatorin Sarah Kuttner, 38, und Medien-Journalist Stefan Niggemeier, 47, besprechen wöchentlich im Musikstreamingdienst Deezer im Podcast „Das kleine Fernsehballett“ das TV-Programm, und zwar alles: klassische Fernsehsender, Youtube, Netflix, Amazon. Die zweite Staffel mit zwölf weiteren Folgen startet am 4. Oktober. Foto: Promop

Sarah Kuttner und Stefan Niggemeier „Das versaut einem fast das Fernsehen“

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Zum Neu-Start des Podcasts "Das kleine Fernsehballett": Sarah Kuttner und Stefan Niggemeier über den „Traumjob“ TV-Junkie, überschätzte Serien, Trotz und Stefan Raab.

Sie lieben es offenbar, Fernsehen zu gucken und über Fernsehen zu reden. Wie wird man eigentlich TV-Junkie? Mein Vater hat mir mit elf die Büchse der Pandora geöffnet, stellte einen Schwarz-Weiß-Fernseher ins Kinderzimmer.

Niggemeier: Einen eigenen Fernseher hatte ich als Kind nie.

Kuttner: Mein erster Fernseher war in der ersten eigenen Wohnung. Richtig TV-Junkie wurde ich erst später, mit dem Start der Serienkultur, so 2003, 2004. Als ich jung war, fand mein Vater Glotzen nicht so gut. Jetzt ist er selbst Serienjunkie, wie ich.

Niggemeier: Ich wurde als Kind fernsehmäßig angefixt, als ich im Treppenhaus heimlich „Der große Preis“ mithörte. Ich musste um halb neun ins Bett. Da startete bei Wim Thoelke die spannende dritte Runde. Der Versuch meiner Eltern, mich mit Stubenarrest zu bestrafen, schlug total fehl. Ich wollte ohnehin zu Hause bleiben, Fernsehen gucken.

Eigentlich ist das ja jetzt ein Traumjob: fürs Fernsehgucken und Drüberquatschen bezahlt werden ...
Kuttner: So hatten wir uns das auch überlegt, als Deezer uns fragte, einen Podcast zu machen.

Niggemeier: Aber es ist auch nicht ganz so der laue Job, drei Serien die Woche gucken zu müssen.

Kuttner: Es versaut einem so ein bisschen das Fernsehen. Man kann, mit Laptop oder Notizblock auf dem Schoß zum Notizenmachen, nicht mehr so einfach glotzen und nur genießen.

Wie viel Fernsehen, wie viel Serie gucken Sie denn so täglich?
Kuttner: Unser beider Deal ist unausgesprochen, dass wir nicht die ganze Staffel einer Serie gucken müssen. So zwei, drei Folgen reichen, sechs, sieben Stunden die Woche. Wir dürfen ja auch nicht spoilern, verraten, wie die Serie ausgeht.

Sprechen Sie sich vorher ab, worüber Sie dann im wöchentlichen Podcast reden?
Kuttner: Wir planen natürlich, welche Serien wir sehen und dann besprechen wollen. Unsere Meinungen treffen aber definitiv erst im Podcast aufeinander. Wir verbieten es uns, vorher darüber zu sprechen.

Niggemeier: Auch auf den langen Spaziergängen mit unseren Hunden. Wenn wir merken, da gibt’s ein Thema wie diese neue von Sarah heiß geliebte Netflix-Serie „Ozark“, worüber wir im Podcast noch reden wollen, verfallen wir in Schweigen.

Was ist denn zurzeit das ganz große Ding, wenn wir hier über Serien und Fernsehen reden?
Kuttner: Es gab so viel tollen Kram im Sommer. „Ozark“ zum Beispiel oder die Wrestling-Serie „Glow“, auf Netflix.

Wenn Sie sich jetzt beide so gut mit TV-Serien auskennen, was ist das: Kaffeebecher, Zwerge, Laura Palmer ...
Niggemeier: Oh, nein, „Twin Peaks“.

Wieso „Oh, nein“?
Niggemeier: Ich habe da so einen blöden Trotz.

Kuttner: Der steht dir aber auch manchmal im Weg, dieser Trotz.

Niggemeier: Wenn eine Serie wahnsinnig gehypt wird, sträube ich mich dagegen. Deshalb hab ich die Originalserie erst Jahre später gesehen. Aber „Twin Peaks 3“ ist bestimmt auch einfach nicht meins. Je surrealer es wird …

Kuttner: Ich finde, du darfst bei einer Serie nicht mehr Rätsel aufgeben, als du löst. Damit man als Zuschauer nicht das Gefühl bekommt, dass man komplett bekloppt ist.

Lassen Sie in Ihrem Podcast auch andere Meinungen und Geschmäcker gelten? Sie hatten Gäste wie Dirk von Lowtzow, Ralf Husmann oder Jürgen von der Lippe.
Kuttner: Na klar. Deswegen laden wir sie ja ein. Sie bringen immer eine Lieblingsserie mit, und bestenfalls haben sie auch gesehen, worüber Stefan und ich in der jeweiligen Folge sprechen. Je vorbereiteter die Gäste sind, desto toller. Und desto mehr Meinung.

Niggemeier: Mit Christian Ulmen haben wir ewig über eine Serie geredet, ohne dass irgendeinem von uns der Name einfiel.

Podcasts werden ja zurzeit sehr gehypt, auch mit großen Namen. Schulz und Böhmermann beispielsweise wechselten von Radio Eins zu Spotify. Wie nehmen Sie Podcasts wahr? Was hören Sie privat?
Kuttner: Ich höre erst Podcasts, seit ich vor sechs Wochen mit dem Laufen angefangen habe und sondiere gerade noch den Markt. Ich bin sehr schnell im amerikanischen Markt gelandet, bei der Radiosendung „This American Life“. Und ich mag Crime-Geschichten. Dazu Wissenssachen.

Niggemeier: Es gibt eigentlich selten Momente, wo ich sage: Jetzt höre ich einen Podcast. Bei Spaziergängen mit dem Hund vielleicht, aber da ist dann ja meistens Sarah dabei. Es sehe komisch aus, wenn wir da beide Kopfhörer aufhätten und schwiegen.

Was war denn das Schlimmste, was Sie in diesem Jahr gesehen haben?
Kuttner: „Hannibal“ auf Netflix. Das ist echt beeindruckend schlecht. So viel offensichtliche Fehler, filmische Fehler, logische Fehler. Es macht natürlich Spaß, Sachen zu besprechen, die man nicht mag.

Niggemeier: Deutlich nicht geliebt haben wir auch „You Are Wanted“ mit Matthias Schweighöfer. Zu vorhersehbar das alles.

Und bei der TV-Unterhaltung? Viele beschweren sich über Monotonie.
Niggemeier: Jemand wie Stefan Raab fehlt sicher. Mit Ehrgeiz und Innovation. Schauen Sie sich doch nur mal an, was in Sachen Unterhaltungsshows Langweiliges im Ersten passiert, das x-te Format mit Pilawa oder von Hirschhausen.

Kuttner: (überlegt) Hätte man ja früher auch nicht gedacht, dass man heute mal sagt, dass einem Stefan Raab fehlt. Aber ja, auf einer kreativen, nicht menschlichen Ebene stimmt das!

Kannten Sie beide sich eigentlich schon vorher, vor dieser Podcast-Geschichte?
Kuttner: Ja, via elitepartner.de

Niggemeier: Sarah, das sollte doch unser Geheimnis bleiben!

Kuttner: Okay. Wir haben uns vor drei Jahren bei Twitter kennengelernt, sind sehr gut befreundet. Erst kam die Freundschaft, dann die Arbeit.

Da gucken Sie bestimmt oft zusammen Fernsehen.
Niggemeier: Manchmal, klassisch mit Pizza, lümmelnd auf dem Sofa. Sachen wie „Eurovision Song Contest“ „Shopping Queen“ oder „The Bachelorette“. Sarah liebt Trash.

Kuttner: Überall im Wohnzimmer liegen Hunde herum. Und Pizzareste. Stefan spricht dann mir zuliebe auch über Kleidung und Accessoires.

Dieses Sprechen über all die neuen Serien könnte man auch im Fernsehen machen. Beim Sport1-„Fantalk“ sitzen Experten in einer Kneipe und reden über Fußballspiele, die nur sie sehen, nicht der Zuschauer.
Niggemeier: Aber ob das mit Serien funktioniert? Das macht schon eher als Podcast Sinn, weil Leute beim Zuhören Dinge nebenbei machen können, abwaschen zum Beispiel.

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Moderatorin Sarah Kuttner, 38, und Medien-Journalist Stefan Niggemeier, 47, besprechen wöchentlich im Musikstreamingdienst Deezer im Podcast „Das kleine Fernsehballett“ das TV-Programm, und zwar alles: klassische Fernsehsender, Youtube, Netflix, Amazon. Die zweite Staffel mit zwölf weiteren Folgen startet am 4. Oktober.

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