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Öffentlich-rechtlicher Rundfunk Publikumsrat droht!

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Zwei Initiativen, ein Ziel: Im öffentlich-rechtlichen Rundfunk sollen die Zuschauer und Zuhörer mitreden dürfen. Besonders die Fernseh- und Rundfunkräte sollte dies alarmieren.

Der öffentlich-rechtliche Rundfunk kann sich richtig freuen. Er ist seinem Publikum und Beitragszahler nicht egal. Das wenigstens hat die Anti-Lanz-Petition gezeigt. Und es soll mehr werden. Die Initiatorin Maren Müller will mit drei weiteren Mitstreitern ein „bürgernahes und verbraucherorientiertes unabhängiges Kontrollgremium“ gründen, das das Fortbestehen der Qualität im Fernsehen gewährleisten soll. Vergleichbares beabsichtigt das Institut für Medienverantwortung, das einen „Publikumsrat bei den öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten“ installiert sehen will. Zwei Initiativen, ein Ziel: Mitsprache für besseres Programm.

Ist das nicht eine ungeheure Anmaßung? Sich hinzustellen und zu postulieren, was öffentlich-rechtliche Sache ist? Ja, das ist ungeheuerlich, aber de facto für die Gremien in den Anstalten von ARD und ZDF: die Rundfunkräte. Beim Zweiten heißt das Gremium Fernsehrat, in den ARD-Anstalten gemeinhin Rundfunkrat.

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Ihrer Zusammensetzung nach sind sie bestens legitimiert, für Beitragszahler und Publikum zu sprechen und zu agieren: nicht eine gesellschaftlich relevante Gruppe, die dort nicht ihren Sitz und ihre Stimme hat. Für geeignet empfundene Mitglieder werden in die jeweiligen Programmausschüsse delegiert. Die Ergebnisse der Arbeit sind ernüchternd. Das Amt verwandelt die Inhaber: Harte Programmkritik ist rar, dito nachhaltiges Einfordern eines konsistent öffentlich-rechtlichen Programms. In der Hauptsache treibt sie die Sorge um, dass die eigene Lobbygruppe ihr Programmplätzchen hat. Die Vertreter von Beitragszahler/Publikum sind – nicht alle, aber die meisten – von der Angst geplagt, sie könnten nicht zuletzt von den mächtigen Anstaltsspitzen als „Nestbeschmutzer“ etikettiert werden.

Die anvisierten Publikumsräte müssen die Fernseh- und Rundfunkräte alarmieren. Wenn die nicht aufwachen, drohen auch schon die nächsten Petitionen. Zum Beispiel: „Raus mit dem Rundfunkrat aus meinem Rundfunkbeitrag“.

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