Neues Studio. Vom 2. Januar an moderieren Jessy Wellmer und Sascha Hingst in den ARD-Wochen gemeinsam das „Mittagsmagazin“. Foto: Soeren Stache/dpa
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Mit Hauptstadtflair und Zweisamkeit Gemeinsam sparen mit dem neuen "Mittagsmagazin"

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Von München und Mainz nach Berlin: Das „Mittagsmagazin“ von ARD und ZDF wird von 2018 an in einem gemeinsamen Studio produziert. Das ZDF stellt die Räume, der RBB die technische Betreuung.

Jessy Wellmer freut sich schon auf die „Zweisamkeit“ mit Sascha Hingst – „oder klingt das jetzt zu romantisch?“, fragt die Moderatorin, die zusammen mit ihrem RBB-Kollegen von Januar an das neue ARD-„Mittagsmagazin“ gestalten wird. Der Sender übernimmt mit dem Jahreswechsel das Magazin, das der Bayerische Rundfunk seit 1989 in den ARD-Wochen für die ARD produziert hat. Am Donnerstag wurde das neue Studio vorgestellt. Die Zweisamkeit bezieht sich darauf, dass Wellmer und Hingst die einstündige Sendung in einer Doppelmoderation leiten werden. „Damit können wir aktueller arbeiten. Während der eine spricht, kann der andere sich mit einem neuen Thema beschäftigen“, sagt Wellmer. Sascha Hingst wiederum freut sich darauf, „auch Fragen jenseits des Tagesgeschäfts zu behandeln und sich mehr als 30 Sekunden Zeit für die Antworten zu nehmen“.

Beim „Mittagsmagazin“ stehen einige Änderungen an. Mit dem Wechsel vom BR zum RBB zieht die Sendung komplett nach Berlin. Die Produktion für die ARD fand bislang in München statt. Das ZDF wird noch bis April aus Mainz senden, danach entsteht die Sendung auch während der ZDF-Wochen aus Berlin. „Weniger Schalten, dafür mehr Live-Gespräche aus dem Studio und dadurch mehr Hauptstadtflair“, erhofft sich RBB-Intendantin Patricia Schlesinger vom Ortswechsel. Durch die Nähe zu Regierung und Parlament wird das „Mittagsmagazin“ zudem politischer. Neu an der Kooperation von ARD und ZDF ist, dass die Sendung künftig immer aus dem gleichen Studio im vierten Untergeschoss des ZDF-Hauptstadtstudios kommt. Das ZDF stellt die Räume, der RBB die technische Betreuung der Sendung.

Sparen mit dem Reißverschlusssystem

Das Reißverschlusssystem der gemeinsamen Produktion soll sich für beide Partner auszahlen. Schlesinger rechnet allein für den RBB mit einer jährlichen Einsparung im sechsstelligen Euro-Bereich. „Wir planen mit jährlichen Kosten von 2,8 Millionen Euro für das ,Mittagsmagazin‘. Das ist durchaus sportlich.“ Die gemeinsame Produktion ist für Schlesinger ein erster Schritt, dem weitere folgen können. „Konkrete Planungen dafür gibt es jedoch nicht“, sagt die RBB-Chefin und betonte, dass die Redaktionen von RBB und ZDF auch in Zukunft strikt getrennt arbeiten.

Die Quote des bisherigen „Mittagsmagazin“ ist mit 20 Prozent Marktanteil und regelmäßig über 1,8 Million Zuschauern nicht einmal schlecht. „Vielleicht geht da noch was“, hofft Schlesinger und setzt vor allem auf mehr jüngere Zuschauer.

Und wie stemmen die Moderatoren die zusätzlichen Aufgaben? „Das ist alles eine Frage der Organisation“, sagt Jessy Wellmer, die gerade erst ihre Präsenz in der ARD-„Sportschau“ ausgebaut hat. Sascha Hingst wird bei der „Abendschau“ kürzertreten. Das ist aber deshalb nötig, weil er in Kürze auch noch eine regionale Quizsendung im RBB bekommt.

Der Umbau des RBB-Fernsehens geht unterdessen weiter. „Wir haben die Hälfte des Weges zurückgelegt“, sagt Schlesinger dem Tagesspiegel. Zu den noch unerledigten Baustellen gehört das Polit-Magazin „Kontraste“, auch die „Abendschau“ steht vor Veränderungen. Und wenn der Sender damit durch ist, stehen das Radio und die Online-Aktivitäten auf dem Reform-Programm.

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