Auf Leben und Tod. Ex-Polizist Rolf Poller (Armin Rohde, links) bedroht Kommissar Steier (Joachim Król). Foto: HR
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Letzter Auftritt Joachim Król "Tatort" um Schuld und Söhne

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Sechs doppelte Wodkas: Joachim Król brilliert in seinem letzten Auftritt als "Tator"-Kommissar.

Am Tod des kleinen Mädchens mit den blinkenden Turnschuhen trägt der Frankfurter „Tatort“-Kommissar Frank Steier (Joachim Król) keine Schuld. Weder feuert er selbst die tödliche Kugel auf das Mädchen ab, mit dem er noch kurz vor ihrem Tod auf dem Flur scherzhafte Blicke ausgetauscht hatte, noch kann er ahnen, dass Nico Sauer (Maik Rogge) ihn überwältigen, seine Waffe an sich nehmen und mit den Schüssen durch die Wand das kleine Mädchen treffen würde. Schließlich hat er die Kleine doch genau wegen solcher Gefahren zusammen mit der Mutter in deren Wohnung geschickt. Vergeblich. Und obwohl Steier genau weiß, wer für den Tod des Mädchens verantwortlich ist, reicht es vor Gericht nicht einmal für Totschlag.

Sauers Verteidiger kann nachweisen, dass Steier nach sechs doppelten Wodka und einer Flasche Rotwein am Vorabend noch immer unter massiven Alkoholeinfluss stand und seine Aussage somit nicht verwertbar ist. Von dieser Schuld kann den Kommissar kein Gericht freisprechen, das weiß Steier und quittiert den Dienst, statt sich nach Entzug und Therapie auf einen weniger exponierten Posten versetzen zu lassen.

Es ist der letzte „Tatort“ für Joachim Król – und er beginnt mit einem Paukenschlag. Dass sein Kommissar Steier kein umgänglicher Mensch ist, war genauso bekannt wie seine psychischen Probleme. Doch die Episode mit dem Titel „Das Haus am Ende der Straße“ ist an dieser Stelle längst noch nicht am Ende. Vielmehr ist dieser „Tatort“ aus Frankfurt am Main das beste Beispiel, was mit diesem Fernsehformat möglich ist, wenn eine bewegende Geschichte (Buch: Erol Yesilkaya und Michael Proehl) gefühlvoll inszeniert (Regie: Sebastian Marka) und von erstklassigen Schauspielern gespielt wird.

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Der „Tatort“ nutzt die große Chance, die darin liegt, wenn wieder einmal die Ära eines Kommissars oder Teams zu Ende geht. In dieser letzten Folge ist alles möglich. Kein Zuschauer weiß vorher, ob die Protagonisten nun glücklich in die Sonne reiten oder wie Butch Cassidy und Sundance Kid im Kugelhagel ihrer Gegner zu Tode kommen. Das Böse kann ebenso obsiegen wie die Gerechtigkeit, zumindest theoretisch, denn die „Tatort“-Praxis ist geprägt von einer Aufklärungsquote, die nahe bei hundert Prozent liegt. Doch wann sonst kann diese Regel durchbrochen werden?

Gegenspieler Rolf Poller will Schuld abtragen


Dieses Mal bekommt es dieses Prinzip mit einem harten Gegner zu tun, einem Mann, der nicht zuletzt bei seinem Sohn viel Schuld auf sich geladen und dadurch alles verloren hat. Für Rolf Poller (Armin Rohde) sieht es so aus, als ob er durch eine unerwartete Fügung des Schicksals noch einmal die Chance bekommt, ein wenig von dieser Last abzutragen – allerdings um einen sehr hohen Preis. Wie es dazu kommt, und welche Wendungen der Film sonst noch nimmt, erfährt der Zuschauer Stück für Stück sowie Rückblende für Rückblende.

„Das Haus am Ende der Straße“ ist einer der stärksten „Tatorte“ der letzten Zeit. In seiner Intensität lässt er sich mit dem Duell zwischen Ulrich Tukur als Felix Murot und Ulrich Matthes als verbrecherischem Jugendfreund in „Im Schmerz geboren“ im Oktober 2014 vergleichen. Während der Tukur-„Tatort“ jedoch nicht zuletzt durch seine zahlreichen Filmzitate glänzte, gerät die letzte Król-Folge immer mehr zu einem Kammerspiel, in dem Steier und Poller die großen Fragen des Lebens auf sehr kleinem Raum angehen. Und zu diesen Fragen gehört, ob der Kindermörder Nico Sauer, sein Bruder Robin (Vincent Krüger), dessen drogenabhängige Freundin Lisa (Janina Schauer) und eben Kommissar Steier eine Zukunft haben sollen.

So gelungen dieser „Tatort“ ist, am Ende bleibt das Bedauern, dass dies nun der letzte Einsatz für Kommissar Frank Steier sein wird – unabhängig davon, welches Ende für die Figur des Kommissars vorgesehen wurde. Fest steht hingegen, wie es mit dem Hessen-„Tatort“ weitergeht, nachdem Nina Kunzendorf als Kollegin Corinna Mey bereits vor zwei Folgen ausgestiegen war. Am 17. Mai treten Margarita Broich als Hauptkommissarin Anna Jannecke und Wolfram Koch als Hauptkommissar Paul Brix in Frankfurt ihren Dienst an: Titel der Folge: „Kälter als der Tod“.

„Tatort: Das Haus am Ende der Straße“, ARD, Sonntag, 20 Uhr 15

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