Donuts, ernsthaft? Die Hackertruppe aus "Watch Dogs 2". Screenshot: Ubisoftp

Computerspiel-RezensionHacker sind auch nur Hipster

von Achim Fehrenbach0 Kommentare

In "Watch Dogs 2" können die Protagonisten ganz schön nerven. Vielfältige Missionen und eine wahrhaft schöne Spielwelt machen so manche Hacker-Klischees aber wieder wett.

Klingelstreiche auf Hacker-Niveau

Die ersten DedSec-Aktionen wirken wie Klingelstreiche auf Hacker-Niveau. Zum Glück findet das Spiel später eine bessere Balance zwischen Krawall und Ernsthaftigkeit. Man kann dann zwar immer noch fröhlich durch die Bay segeln, Klamotten kaufen oder als Uber-Fahrer durch die Gegend rasen. Der Grundton des Spiels wird jedoch merklich düsterer. Besonders gut gelungen ist Blumes Oberboss: Der ist kein stereotyper Action-Bösewicht, sondern ein fitnessversessener, Dutt tragender Tekkie im Trainingsanzug.

Seinen hohen Unterhaltungswert hat das Spiel vor allem der Spielwelt und den umfangreicheren Missionen zu verdanken. Ubisoft Montreal hat wirklich spektakuläre Schauplätze erschaffen, die den Originalen in nichts nachstehen. Die digitale Bay Area kommt zwar etwas gestaucht daher, bietet aber alle wesentlichen Sehenswürdigkeiten - von der Golden Gate Bridge über Fisherman's Wharf und Alcatraz bis zum Campus der Uni Berkeley. Die berüchtigte Ubisoft-Formel – offene Spielwelt plus Sammelei – kommt diesmal erstaunlich dezent zum Einsatz. Zwar kann man immer noch Passanten per Knopfdruck um ihr Erspartes erleichtern. Doch die wirklich großen Belohnungen warten in den Sperrgebieten.

Verschiedene Lösungsansätze

Es sind genau diese Infiltrationsmissionen, die Watch Dogs auf Dauer spannend halten. Etwa, wenn Marcus das Gelände einer Sekte ausforscht oder Daten von Nudle (aka Google) stiehlt. Fast immer haben Spieler dabei die Wahl, ob sie brachial oder vorsichtig, gewalttätig oder gewaltfrei vorgehen möchten, teilweise sind die Missionen auch online zu zweit spielbar. War Aiden im ersten Teil auf die Überwachungskameras angewiesen, so kann Marcus im zweiten Teil eine Flug- oder Fahrdrohne in das Gebiet einschmuggeln und so die neuralgischen Punkte auskundschaften. Via Drohne lassen sich auch Türen öffnen, Sprengfallen legen und Wächter ablenken. Bezeichnenderweise, indem man ihnen kryptische Nachrichten aufs Handy schickt.


All das hilft Marcus, besonders, wenn er schleichend unterwegs ist und seine Taserwaffe nutzt. Die finalen Hacks der Server sind dann als Kombinationsrätsel inszeniert: Über Schalter muss man verschiedene Stromkreisläufe schließen, um Netzknoten zu entriegeln. Dass die Strombahnen mitten durch Feindesgebiet verlaufen, sorgt für zusätzliche Spannung.

Das Großartige an der Gadget-Vielfalt sind die Möglichkeiten zur Improvisation. Kaum ein Auftrag in Watch Dogs 2 verläuft letztendlich genau so, wie man ihn sich vorgestellt hat. Und das ist eigentlich das Beste, was man über ein Open-World-Spiel sagen kann. Das, und die Welt: War das Chicago aus dem ersten Watch Dogs noch ein recht garstiger Ort, so möchte man stundenlang durch die Hügel von San Francisco cruisen und den kitschigen Sonnenuntergang bestaunen.

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