Die ARD-Vorsitzende, Karola Wille, meint: "Wir diskutieren zu viel analog." Foto: DPA
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Dokumentarfilme „Bimbes“ nach der „Tagesschau?“

Sophie Krause
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Vertreter von ARD und ZDF diskutieren mit Dokumentarfilmern über bessere Sendezeiten. Die Branche ist unzufrieden.

Einen langen Dokumentarfilm wie „Bimbes“ von Stephan Lamby, der am Montag im Ersten lief, gibt es im deutschen Fernsehen selten. Abendfüllende Dokus sind kostenintensiv, zeitaufwändig und bedienen meist spezifische Themen, die selten massentauglich sind. Zugleich gehören Doku-Formate zur DNA des öffentlich-rechtlichen Rundfunks, wie dessen Vertreter oft betonen.

In der Branche der Dokumentarfilmer herrscht Missmut. Das Format spiele im Fernsehen eine untergeordnete Rolle, beklagen sie. Lange Dokumentationen würden zu spät und zu selten gesendet. Respekt und Anerkennung seitens der Sender fehlten, die Bezahlung sei schlecht.

Das Erste hält aktuell zwölf Sendeplätze pro Jahr für lange Dokus bereit, hinzu kommen Sonderprogrammierungen sowie Sendeplätze in den Dritten Programmen. Im ZDF sieht es noch düsterer aus: Neben dem „kleinen Fernsehspiel“ mit zehn Dokumentarfilmen im Jahr gibt es aktuell keinen Sendeplatz für lange Dokumentationen.

„Die nötige Kompetenz fehlt“

Deshalb trafen sich Verantwortliche von ARD und ZDF mit Dokumentarfilmern zu einer Diskussionsrunde des Grimme-Instituts in Berlin, um – wieder einmal – über den Ernst der Lage zu sprechen. Fernsehkritiker Fritz Wolf unkte, er habe das Gefühl, in den Sendern fehle die nötige Kompetenz, um darüber zu entscheiden, ob ein Dokumentarfilm in die Primetime gehöre.

Die meisten 70- bis 90-minütigen Produktionen laufen um 22 Uhr 45; eine miserable Sendezeit, die viele Zuschauer am Einschalten hindert. Wolf sagte: „Das Publikum ist entwöhnt. Viele wissen gar nicht, dass es lange Dokumentarfilme gibt.“

ARD-Chefredakteur Rainald Becker erklärte dagegen, dass es dem Senderverbund keineswegs an Kompetenz mangele. „Der reguläre Platz für den 90-minütigen Dokumentarfilm ist um 22 Uhr 45.“ Auch „Bimbes“, der Montag 10,4 Prozent Marktanteil einfuhr, hätte man zur Primetime senden können, gab Becker zu.

Allerdings brachte er eine Ankündigung mit: Er werde im nächsten Jahr dafür sorgen, „dass wertvolle kürzere Dokus für eine bestimmte Zeit zur Primetime gesendet werden.“ Die Programmierung werde übermächtige Konkurrenzprogramme wie Fußball-Übertragungen berücksichtigen.

Bald Dokus zur Primetime?

Peter Arens, Leiter der ZDF-Hauptredaktion Geschichte und Wissenschaft, rühmte sich mit Formaten wie „Terra X“ und „37 Grad“. Er wurde jedoch von allen Seiten abgekanzelt: „Terra X“ zeige keine abendfüllenden Dokumentarfilme.

Die ARD-Vorsitzende und Filmintendantin Karola Wille erklärte das Festhalten an der „zweiten Primetime“: „Struktur und Verlässlichkeit sind wichtig im linearen Fernsehen“, bemängelte aber: „Wir diskutieren zu viel analog.“ Durch längere Abrufzeiten und prominentere Platzierung in den Mediatheken müssten Filme auffindbar gemacht werden.

Tatsächlich findet man in der ARD-Mediathek regelmäßig Dokus unter den „Must Sees“. Doch hochwertige lange Polit-Produktionen sind selten.
Die Dritten bieten Doku-Formate und Reportagen, jedoch kaum lange Dokumentarfilme. In der ZDF-Mediathek muss man nach Dokus meist suchen.

Hier sehen die Dokumentarfilmer Nachholbedarf: David Bernet, Vertreter der Arbeitsgemeinschaft der Dokumentarfilmer, sagte: „Filme in Mediatheken unbegrenzt zu zeigen, muss etwas kosten.“

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