Die Welt ist hochauflösend – ist die Botschaft der TV-Gerätehersteller auf der Funkausstellung. Die ARD möchte per Satellit am liebsten nur noch in HD senden. Foto: picture alliance / Paul Zinken/dpa
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Das große Abschalten Die ARD möchte beim Satelliten-TV auf die SD-Ausstrahlung verzichten

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Wenige Monate nach dem DVB-T-Aus möchte die ARD die nächste Technik-Ära beenden. Doch das könnte vor allem die etwas technikferneren Zuschauer überfordern.

Der TV-Zuschauer kommt nicht zur Ruhe: Die ARD möchte die Ausstrahlung ihrer Satellitenprogramme in der alten Standard-Auflösung (SD) beenden. Zur Funkaustellung, die in der kommenden Woche in Berlin beginnt, will der öffentlich-rechtliche Senderverbund eine Informationskampagne zum SD-Aus beginnen. Damit will die ARD erklären, warum künftig via Satellit nur noch HD-Programme ausgestrahlt werden sollten.

Es ist gerade einmal fünf Monate her, dass Fernseh-Deutschland die Abschaltung des alten digitalen Antennenfernsehens DVB-T meistern musste. In den meisten deutschen Ballungsgebieten gilt seit dem 29. März der neue Standard DVB-T2, der die alte Übertragungstechnik komplett ersetzt hat. Millionen DVB-T-Empfänger wurden von einem Tag auf den anderen zu Elektroschrott. Da stellt sich die Frage: Führt die neue Kampagne zur SD-Abschaltung der ARD-Sender nicht zwangsläufig zu einer Überforderung der Zuschauer?

Ulrich Liebenow glaubt dies nicht. Der MDR-Betriebsdirektor ist zugleich Vorsitzender der Produktions- und Technik-Kommission (PTKO) der ARD. Er verweist darauf, dass die Satellitentechnik bereits seit April 2012 ausschließlich digital funktioniert, also die Zuschauer ohnehin entweder mit einem HD-fähigen Flachbildfernseher oder mit einer vergleichbaren Settop-Box ihre Programme empfangen. Und anders als bei den Privatsendern kostet die HD-Übertragung der öffentlich-rechtlichen Satellitenprogramme nichts extra. Die Zuschauer müssten somit nur den Programmplatz, auf dem zum Beispiel vorher das Erste lag, durch den ARD-HD-Kanal ersetzen.

Bereits jetzt liegt die HD-Quote beim Satellitenfernsehen bei 65 Prozent. Ganz unproblematisch ist das SD-Aus dennoch nicht, vor allem für Menschen, die sich nicht so gut mit Technik auskennen – und oft nicht einmal wissen, ob sie über Satellit, Antenne oder Kabel ihre Programme beziehen. Die Privatsender möchten den HD-Zug prinzipiell ebenfalls gerne forcieren, müssen allerdings befürchten, durch eine zu schnelle SD-Abschaltung Zuschauer zu verlieren. Denn für die Privaten wird ein HD+-Paket benötigt, das immerhin 70 Euro im Jahr kostet.

Kein Zeitdruck: Es gibt kein Abschaltdatum

Unter Zeitdruck müssen sich die Zuschauer aber ohnehin nicht setzen lassen. Ein Abschaltdatum für die SD-Technik gibt es nicht. Genauso wenig wie ein Datum für den Start des Ultra-HD-Regelbetriebes. Der neue Fernsehstandard, bei dem die Bilder in vierfach höherer Auflösung als bei der bisherigen HD-Technik übertragen werden, gehört zu den ganz großen Themen der Funkausstellung. Viele Fernseher der neuen Generation sind UHD-fähig. Doch die Fernsehsender übertragen in dem neuen Standard höchstens versuchsweise einige Testsendungen. Die ARD-Sender haben zudem gerade erst die Umstellung ihrer kompletten Technik auf HD bewältigt, ein neuerlicher Technikwechsel steht somit nicht an – zumal ein Innovationszyklus im Durchschnitt sieben bis acht Jahre dauert. Die ARD beobachte die Entwicklung, sagt Liebenow. Immerhin bieten Streamingdienste wie Amazon und Netflix Teile ihres Programmes in Ultra HD an.

Bei einer anderen Technik liegt das Abschaltdatum noch in weiter Ferne, obwohl ein Nachfolger bereits seit einiger Zeit zur Verfügung steht. Das UKW-Radio wird den Deutschen noch länger erhalten bleiben. Die Verträge der ARD für ihre rund 60 UKW-Wellen laufen noch bis zum Jahr 2025.

In anderen Ländern geht die UKW-Ära dagegen ihrem Ende entgegen. Als erstes europäisches Land hat Norwegen begonnen, die alte analoge Technik durch DAB+ zu ersetzen. Der Digitalstandard hat eine bessere Klangqualität, er ist besser zur gleichzeitigen Übertragung beispielsweise von Verkehrsinformationen geeignet, und anders als bei der UKW-Technik ist es damit möglich, selbst bei längeren Autofahrten den gleichen Sender ohne lästige Suchläufe zu hören. In der Bundesrepublik gehört das Deutschlandradio mit seinen drei nationalen Hörfunkprogrammen zu den stärksten Befürwortern von DAB+. Aber auch für die ARD hätte ein schneller Umstieg – derzeit wird in beiden Standards übertragen – nicht zuletzt erhebliche Kostenvorteile.

Derzeit sind jedoch erst etwas mehr als 20 Prozent aller Radiogeräte DAB+-fähig. Erst ab einer Verbreitung von mindestens 30 Prozent ist es aus Sicht des öffentlich-rechtlichen Senderverbundes sinnvoll, das Ende der UKW-Zeit einzuläuten. Genug Zeit also, um weiter entspannt Radio zu hören.

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