Vor Big Ben: Zu Lebzeiten von Queen Victoria war das Treiben auf der Themse noch etwas trubeliger. Screenshot: Promo
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"Assassin's Creed Syndicate" Games als Zeitmaschine

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Der neue Teil von „Assassin’s Creed“ transportiert die Spieler in das London des Jahres 1868. Den Fans der Videogames-Reihe verspricht Ubisoft zudem, dass man aus den Fehlern des Vorgängers gelernt hat.

London im Jahre 1868: Queen Victoria herrscht seit drei Jahrzehnten, das Vereinigte Königreich ist die stärkste Wirtschaftsnation der Welt und die Stadt an der Themse ihr unbestrittenes Machtzentrum. Die Industrielle Revolution hat gesellschaftliche Veränderungen in bisher unbekanntem Ausmaß ausgelöst: Fabrikbesitzer häufen Reichtümer an, die Masse der Arbeiter schuftet unter schwersten Bedingungen an den Maschinen. Während Stadtteile wie Westminster im Glanz wohlhabenden Bürgertums erstrahlen, zeigt sich die Kehrseite der Entwicklung anderorts sehr deutlich. Zum Beispiel in den trostlosen, schmutzigen Straßen von Southwark – oder in den Winkeln von Whitechapel, wo Räuberbanden ihr Unwesen treiben.

Schon bald können Computerspielfans tief ins viktorianische London eintauchen: dann nämlich, wenn „Assassin’s Creed Syndicate“ erscheint, der neueste Teil der Action-Reihe von Ubisoft. „Syndicate“ startet am 23. Oktober auf den Videospielkonsolen Playstation 4 und Xbox One, am 19. November soll dann die PC-Fassung folgen. Die Reihe „Assassin’s Creed“ gibt es bereits seit 2007. Stets verbindet sie historische Schauplätze mit einer fiktiven Story um den Kampf von Assassinen und Templern. Die beiden Geheimbünde haben sich schon im mittelalterlichen Florenz, im amerikanischen Unabhängigkeitskrieg oder in der piratenverseuchten Karibik des 18. Jahrhunderts bekriegt. „Assassin’s Creed Unity“ spielte zuletzt im Paris der Französischen Revolution, verärgerte die Fans der Reihe aber durch zahlreiche Programmfehler. „Syndicate“ soll diese Scharte nun auswetzen.

Wieder im akrobatischen Einsatz: der Assassine. Screenshot: Promo
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Der Aufwand dafür ist jedenfalls gewaltig. Ubisoft Québec hat zusammen mit acht weiteren Studios mehrere Jahre an dem Spiel gefeilt. Für „Syndicate“ wurde das historische London detailliert nachgebaut: Wahrzeichen wie Big Ben, die St. Paul’s Cathedral und die National Gallery ragen aus einem schier endlosen Häusermeer, dessen breite Straßen und schmale Gassen von computeranimierten Bürgern wimmeln, während auf der Themse reger Schiffsverkehr herrscht. Jeder der sieben rekonstruierten Stadtteile hat seinen eigenen Charakter, ob nun das industriell geprägte Southwark oder The Strand, das quirlige Borough mit seinen Läden, Pubs und Theatern. „Syndicate“ ist das erste „Assassin’s Creed“, bei dem Fotos und Filme als Vorlage dienten – alle bisherigen Teile spielten in früheren Epochen.

Der Spieler kann zwischen zwei Figuren hin- und herwechseln

Am grundlegenden Spielprinzip der Serie hat sich indes wenig geändert: Als akrobatisch geschulter Assassine klettert der Spieler über Dächer und Fassaden, schleicht lautlos in scharf bewachte Gebäude hinein und erledigt Gegner wahlweise durch Meuchelangriffe, Fern- oder Nahkampfattacken – das Ganze gewohnt blutig und zu Recht erst ab 16 Jahren freigegeben. Die größte Neuerung ist, dass man erstmals zwischen zwei Hauptfiguren hin- und herwechseln kann: Das Geschwisterpaar Evie und Jacob Frye, zwei junge Assassine, wollen London den Klauen des Templerorden-Meisters Crawford Starrick entreißen, der die Stadt mit einem Netz von skrupellosen Industriellen und Händlern kontrolliert. Die Geschwister haben sehr unterschiedliche Temperamente: Jacob ist ein Hitzkopf und Draufgänger, der mit seiner Straßengang – den „Rooks“ – nach und nach alle Stadtviertel von den Templer-Schergen („Blighters“) befreit. Evie hingegen denkt strategisch und ist eine Meisterin der Tarnung und agiert aus dem Verborgenen heraus. Die beiden Hauptfiguren teilen Beute und Erfahrungspunkte, Spieler können die Fähigkeiten von Evie und Jacob aber individuell ausbauen.

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Die Trias aus Klettern, Schleichen und Kämpfen lockert „Syndicate“ mit diversen Neuerungen auf. Mit einem Seilwerfer können sich Jacob und Evie blitzschnell auf ein Dach emporziehen, anstatt mühsam die Fassade hinaufzuklettern – hier stand ganz offensichtlich das Spiel „Batman“ Pate. Eine weitere Neuerung sind Kutschen, die gleichermaßen als Transportmittel und Versteck dienen – die waghalsigen Verfolgungsjagden mit Gangstern und Polizisten erinnern an „Grand Theft Auto“. Besonders Eilige nehmen auch schon mal den Zug, der durch London zirkuliert – einer dient den Assassinen gar als rollendes Hauptquartier.

Im Lauf der Spiels treten auch zahlreiche historische Persönlichkeiten auf, unter anderem Charles Dickens, Florence Nightingale, Karl Marx oder die Queen. Wie in den früheren Serienteilen dienen diese Figuren in erster Linie dazu, die Handlung zu unterfüttern, allzu ausführliche Geschichtsexkurse darf man hingegen nicht erwarten. Ansonsten aber legen die Entwickler großen Wert auf ein stimmiges Geschichtsbild: Das fängt bei der Kleidung der Londoner Bürger an und endet bei ihren Berufen und Unterhaltungen. „Ich habe versucht, Redewendungen aus dem 20. und 21. Jahrhundert durch historischen Slang zu ersetzen“, sagt Judith Flanders, die als Expertin für das Viktorianische Zeitalter an der Entwicklung des Spiels beteiligt war. Der Soundtrack stammt diesmal von „Journey“-Komponist Austin Wintory und passt gut zur Stimmung der einzelnen „boroughs“.

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Die vorab spielbaren Passagen von „Syndicate“ überzeugen jedenfalls mit atmosphärischer Dichte und flotter Action. Ob das Spiel aber auch noch nach 20 oder 30 Stunden Spaß macht, wird erst die finale Fassung zeigen.

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