In Leipzig, wo auch das MDR-Fernsehzentrum sitzt, residiert die derzeitige ARD-Vorsitzende Karola Wille. Aus ihrem Haus stammt die Antwort auf einen "Spiegel"-Bericht, der sich mit dem Auftrag der öffentlich-rechtlichen Sender beschäftigt. Foto: MDR/Martin Jehnichenp

ARD reagiert auf "Spiegel"-Titel Auf "Bildstörung" folgt "Zerrspiegel"

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Was bezweckt der "Spiegel" mit seiner aktuellen Titelgeschichte über den öffentlich-rechtlichen Rundfunk? Das fragt sich die ARD, die überraschend auf den Magazinbericht reagiert.

Diesen Beitrag wollte die ARD dann doch nicht unkommentiert stehen lassen. Unter dem Titel „Zerrspiegel“ reagierte der Senderverbund auf die Titelstory des „Spiegel“, der sich in seiner aktuellen Ausgabe auf elf Seiten mit dem Thema „Die unheimliche Macht – Wie ARD und ZDF Politik betreiben“, mit dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk auseinandergesetzt hat. Wobei die Titelstory „Bildstörung“ eher durch Forderungen nach einer Neudefinition des Auftrages der Senders als durch Recherche-Erkenntnisse geprägt war.

Worum geht es dem „Spiegel“ gut zwei Wochen vor dem Quartalsbericht der Ministerpräsidenten? wird denn auch in der Reaktion aus dem Hause der ARD-Vorsitzenden gefragt. Der Beitrag auf der Homepage des Senderverbundes ist nicht namentlich gekennzeichnet, er stammt jedoch nicht von der ARD-Chefin und MDR-Intendantin Karola Wille. Eine Absprache mit anderen ARD-Intendanten hat es nicht gegeben – sonst wäre eine so rasche Reaktion im Reich von „Alle Reden Durcheinander“ nicht möglich gewesen.

Warum jetzt und zu welchem Zweck?

Doch genauso wie die über Frage „Warum jetzt“ macht sich der „Zerrspiegel“-Autor Gedanken über das „Warum überhaupt?“. Offensichtlich gehe es dem Magazin um die Online-Angebote der öffentlich-rechtlichen Sender. „Es ist nicht das erste Mal, dass Printjournalisten der Ansicht sind, ihnen gehöre publizistisch das Internet“, heißt es. Wer den Online-Auftrag von ARD und ZDF vierzehn Tage vor der wichtigen Sitzung mit den Ministerpräsidenten einschränken wolle, handele möglicherweise aus wirtschaftlichen Interessen, wird insinuiert. „Oder stört es den „Spiegel“, dass die Öffentlich-Rechtlichen im Netz so erfolgreich sind?“ setzt der Autor nach und verweist auf vier Millionen Youtube-Abonnenten des ARD/ZDF-Jugendangebots „funk“.

Fest steht: Es gibt einen Kampf um die Aufmerksamkeit im Digitalen. Die Positionen haben sich verschoben. RBB-Intendantin Patricia Schlesinger findet das Internetverbot „presseähnlicher“ Aktivitäten der öffentlich-rechtlicher Sender als obsolet, diese Unterscheidung sei „rückständig, technologisch und gesellschaftlich überholt“ (PDF Seite 15/16), hatte sie unlängst gesagt. Aus dem Hause von Karola Wille heißt es nach dem „Spiegel“-Beitrag, dass man die Diskussion gerne „öffentlicher dialogisieren“ möchte. Dazu gehört offenbar auch eine Reaktionen wie der „Zerrspiegel“-Beitrag. Die Haltung dahinter ist klar: Wir wollen lieber, dass mit uns als über uns geredet wird. Kurt Sagatz

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