Apple wird ein neues iPhone-Modell vorstellen. Foto: dpa/Maja Hitij
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Apple vor iPhone-Präsentation Wann kommt "The Next Big Thing"?

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Der US-Technologiekonzern Apple wird heute ein neues iPhone vorstellen. Die Innovationen dürften aber eher übersichtlich sein.

„Wir sehen uns am 7.“, so steht es auf der Einladung zu Apples Neuheiten-Präsentation an diesem Mittwoch in San Francisco. Vordergründig macht das IT-Unternehmen aus Cupertino in Kalifornien zwar ein großes Geheimnis daraus, was vorgestellt wird, doch alles spricht für ein neues iPhone 7 und eine zweite Version der Apple Watch. Ein „Next Big Thing“, wie Steve Jobs grundlegende Neuheiten wie das iPod, das iPhone oder das iPad nannte, wird hingegen nicht erwartet. In den vergangenen Jahren setzte das Unternehmen auf die Weiterentwicklung vorhandener Produktreihen, was sich angesichts der Marktsättigung im Smartphone-Bereich zuletzt nachteilig auf das Geschäft ausgewirkt hatte.

Bereits in den Vorjahren waren die meisten Details bereits vor den offiziellen Ankündigungen durch Apple-Chef Tim Cook durchgesickert. Dem Vernehmen nach wird das neue iPhone äußerlich den Modellen der 6er-Reihe entsprechen, allerdings mit aktueller Technik im Innern. Eine kleine Neuerung erhitzt dabei die Gemüter erheblich: So erwarten die meisten Marktbeobachter, dass Apple als erster Smartphone-Hersteller auf den klassischen Kopfhörerstecker verzichtet. Statt dessen würden die Ohrhörer über den Apple-eigenen Lightning-Anschluss, der unter anderem zum Aufladen dient, mit dem iPhone verbunden. Oder Kopfhörer und Handy werden über Bluetooth-Funk gekoppelt.

Gleichwertiger Ersatz durch Bluetooth

Für Experten wäre dieser Schritt absolut nachvollziehbar. „Wenn immer möglich, wird auf mechanische Teile verzichtet. Zudem könnte durch den Wegfall des Ohrhöreranschlusses Platz geschaffen werden“, sagt Roland M. Stehle vom Ifa-Veranstalter gfu. Technisch sei Bluetooth ein gleichwertiger Ersatz. Ohne Kabel nehme sogar die Bewegungsfreiheit zu. „Die Technik zur drahtlosen Übertragung ist erprobt, der Verbraucher kann zwischen einer Vielzahl von Bluetooth-Kopfhörern wählen“, sagt der gfu-Sprecher. Weil bei Kopfhörern zudem keine große Leistung benötigt werde, fielen die Akkus sehr klein aus, sodass auch das Gewicht kein Thema sei. „Wenn überhaupt besteht der einzige Nachteil darin, dass man darauf achten muss, dass der Akku aufgeladen ist“, fügt Stehle hinzu.

Ein anderer Aspekt ist allerdings der Preis. Im Durchschnitt geben die Deutschen 36 Euro für neue Kopfhörer aus, darin sind auch Kopfhörer für über tausend Euro berücksichtigt. Für dieses Jahr rechnet die Branche allein in Deutschland mit 11,6 Millionen verkauften Kopfhörern. Daraus ergibt sich ein Gesamtumsatz von immerhin 422 Millionen Euro. Bluetooth-Modelle sind etwas teurer als Kabelkopfhörer. Die Preise für gute Funkmodelle beginnen zwischen 70 und 80 Euro. Das Modell „Studio Wireless“ von Beats kostet übrigens 380 Euro. Apple hat die Kultmarke vom Hip-Hop-Produzenten Dr. Dre vor zwei Jahren für drei Milliarden Dollar gekauft.

Abschied von der Klinke

Der Abschied vom Klinkenstecker wäre nicht das erste Mal, dass Apple früher als andere Branchengrößen auf lange vorherrschende Techniken verzichtet. Beim bunten iMac, mit dem Steve Jobs die Renaissance der Apple-Computer einläutete, wurde die Floppy-Disc zugunsten von USB-Anschlüssen weggelassen. Um das MacBook Air besonders dünn zu halten, musste später das CD-Laufwerk weichen. Mit dem Wegfall der Kopfhörerbuchse könnte mehr Platz für den Akku geschaffen werden, zudem ließen sich künftige iPhones dünner konstruieren.

Die Begeisterung der Apple-Fans hält sich vor den Keynotes von Tim Cook und Marketingchef Phil Schiller dennoch in Grenzen. Nur jeder fünfte iPhone-Nutzer würde den Wegfall des Klinkensteckers begrüßen, will das Vergleichsportal schlaubi.de herausgefunden haben. Dabei verläuft der iPhone-Verkauf bereits jetzt schleppend. Zuletzt verkaufte Apple knapp 40 Millionen Smartphones in einem Quartal, 15 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. Das war zudem der zweite Quartalsrückgang in Folge beim wichtigsten Umsatzposten des Unternehmens. Vielleicht tröstet es potenzielle iPhone-7-Käufer, dass es vermutlich einen Lightning-Adapter geben wird, mit dem Kopfhörer mit Klinkenstecker auch am neuen iPhone weiter genutzt werden könnten.

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