Nicht nur blond und schön soll Barbie künftig sein, sondern auch kluge Sätze sprechen können. Foto: Fredrik von Erichsen/dpa
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Matthies meint Dschihad im Puppenhaus

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Mit der Barbie soll Kindchen künftig auch über die Cloud kommunizieren können - geradezu ein Einfallstor für die NSA oder islamistische Hacker. Eine Glosse.

Brecht. Der arme B.B. geht eigentlich immer, auch wenn er in letzter Zeit nur noch aus dem Theatermuseum durchklingelt. Aber sinnstiftende Sätze liefert er immer noch: „Was sind das für Zeiten, wo ein Gespräch über Bäume fast ein Verbrechen ist, weil es ein Schweigen über so viele Untaten einschließt?“ Passt auch heute.

Reden wir also nicht über Bäume. Aber vielleicht geht Barbie? Jetzt vor Weihnachten? Die ebenso geliebte wie gehasste Plastikpüppi, ein Symbol für dieses amerikanische Zeugs, das viele von uns so verachten, hat nämlich nicht nur ästhetische Aspekte Neuerdings steht sie auch für den Datenschutz, beziehungsweise: dagegen.

Das ist nicht einfach zu verstehen, aber wir schaffen es schon. Die neue US-Barbie kann nämlich sprechen, aber nicht so wie früher, dass sie „Mama!“ oder „Papa“ quäkt, wenn sie auf den Rücken gekippt wird oder ihr jemand auf den Bauch drückt. Sie spricht vielmehr aus der Cloud. Irgendwo da draußen hat ein Computer 8000 Sätze gespeichert, in denen alles vorkommt, was einer Puppenkönigin so durch den Kopf gehen könnte.

Fragt also die Barbie-Besitzerin irgendetwas, sagen wir: „Warum haut der Papa die Mama immer?“, dann geht diese Frage über Mikrofon und W-Lan-Schnittstelle in die Cloud, wo die passende Antwort gesucht wird. Sagen wir: „Sei nicht traurig, bald haben sich Mama und Papa wieder lieb.“ Nur ein ausgedachtes Beispiel, es kann natürlich auch sein, dass Barbie lieber solidarisch die Adresse des nächsten Frauenhauses durchsagt.

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Aber das ist es eben: Was wird aus dem Datenberg, den Tausende von Barbies demnächst aufhäufen? Die Herstellerfirma schwört, sie werde all das nur zur Verbesserung des Gesprächserlebnisses speichern und keineswegs zu Werbezwecken. Aber andererseits sollen die Eltern einmal wöchentlich die Gesprächsmitschnitte erhalten – und das ist praktisch, als hätten sie für das Schloss vom Tagebuch einen Nachschlüssel, ein pädagogisches Großversagen.

Aber es stellen sich auch die ganz großen Fragen. Was, wenn die Schnüffler von der NSA beschließen, auf diesem Weg künftig die Kinderzimmer zu überwachen? Wenn islamistische Hacker die Dialoghoheit an sich reißen und im Puppenhaus hinterlistig für den Dschihad werben?

In Deutschland wird die Internet- Barbie übrigens nicht angeboten, noch nicht, wie man wohl sagen muss. Aber wenn sie kommt, erwarten wir von ihr europäisches Kulturniveau. Ein paar Sätze von Brecht zum Beispiel sollten die Markteinführung sehr fördern.

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