David Cassidy 1972, auf dem Höhepunkt seiner Teen-Karriere. Foto: imago/ZUMA Press
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Zum Tod von David Cassidy Inbegriff des Teen-Stars

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Als Leadsänger der Partridge-Family wurde er berühmt und eines der ultimativen Teen-Idole der siebziger Jahre. Ein Nachruf auf David Cassidy.

Wer in den siebziger Jahren eifrig die „Bravo“ gelesen hat, wird sich sofort an ihn erinnern, an den Namen, das Gesicht, die Figur überhaupt, ihn womöglich gar als „Bravo“-Starschnitt lebensgroß im Teenager-Zimmer an der Wand gehabt haben: David Cassidy. Mehr als andere Popstars der Zeit wie The Sweet, Bay City Rollers oder Smokie schien er das Cover der damals maßgeblichen deutschen Teen-Zeitschrift zu schmücken, mit seinen grünen, freundlich und lieb blickenden Augen, langen, leicht gewellten Haaren und weichen Gesichtszügen.

David Cassidy, 1950 in New York City geboren, war 1970 mit der Fernsehserie „The Partridge Family“ berühmt geworden. Darin spielte er den Leadsänger einer Popgruppe, die aus einer verwitweten Mutter, wiederum gespielt von Shirley Jones, und ihren fünf Kindern besteht und mit einem umgebauten Schulbus durch die Staaten tourt. Pro Folge gab es stets zwei neue Songs der Serienband, und gleich mit „I Think I Love You“ landete die Partridge Familie auf Platz eins der US-Charts. Ihr selbstbetiteltes erstes Album war eines der meistverkauften der Jahre 1970 und 1971.

David Cassidy bediente die Sehnsucht nach kleinen Alltagsfluchten

Nach den politisch so unruhigen späten sechziger Jahren, von den Rassenunruhen bis zum Vietnam-Krieg, bediente die harmlose Fernsehserie ein starkes Bedürfnis nach kleinen Alltagsfluchten, nach folgenloser, guter Unterhaltung für die ganze Familie. Obwohl nur als Schauspieler gecastet, bewies Cassidy in der Serie sein musikalisches Talent und startete nebenher eine Solo-Karriere. Er sang Hits wie „Cherish“, „Rock Me Baby“ oder „I am a Clown“, die ihm verschiedene Autoren auf den Leib schrieben, Flower- und Bubblegum-Pop-Stücke, die mal mit ein paar Streichern veredelt wurden, mal ein bisschen rockiger waren.

1972 war Cassidy auf dem Höhepunkt seiner Karriere, als er den New Yorker Madison Square Garden ausverkaufte und dort wie Elvis im weißen Hosenanzug auftrat. Allerdings zeigte sich in diesem Jahr auch, dass er nicht ewig auf ein postpubertierendes Lieblingsjunge- und Teen-Idol-Dasein festgelegt sein wollte. Für einen kleinen Skandal und viel Entsetzen bei seinen jungen weiblichen Fans sorgte er, nachdem er sich für das Cover des „Rolling Stone“ nahezu nackt hatte ablichten lassen. Überdies kokettierte er damit, Gras zu rauchen und Sex mit Groupies zu haben, und gestand, genervt davon zu sein, dauernd von schreienden Teenies auf der Straße verfolgt zu werden und die Klamotten vom Leib gerissen zu bekommen. Bis Mitte der siebziger Jahre war Cassidy der Inbegriff des Teen-Stars, bevorzugt für eine weiße Klientel, versteht sich, auch in Europa. In Deutschland überhäufte ihn die „Bravo“ Jahr für Jahr mit Auszeichnungen.

Als 1974 „The Partridge Familiy“ eingestellt wurde, bekam er jedoch zunehmend Probleme, finanzieller Natur und auch wegen seines tatsächlichen Alkohol- und Drogenkonsums. Trotzdem gelang ihm später eine zweite, halbwegs erfolgreiche erwachsene Karriere als Sänger und Schauspieler, unter anderem mit einer eigenen Show in Las Vegas und Broadway-Musical-Erfolgen (zusammen mit Halbbruder Shaun). Anfang dieses Jahres bekannte er, der dreimal verheiratet war und zwei erwachsene Kinder hat, schon länger an Demenz zu leiden. Nun ist David Cassidy im Alter von 67 Jahren an einem Multiorganversagen in seinem Wohnort Fort Lauderdale, Florida gestorben.

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