Lebensrolle. Alain Delon als Auftragskiller in „Der eiskalte Engel“ (1967). Foto: IMAGO
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Zum 80. von Alain Delon Er war jung, sehr jung

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Seine ultimative Rolle hat er im "Eiskalten Engel" gefunden. Und kam sich später mit Romy Schneider heiß ins Gehege. Am Sonntag wird Alain Delon 80 Jahre alt.

Das kann man sich ja auch mal so vorstellen: Was wäre, wenn Alain Delon am 8. November 1935 nicht in Sceaux bei Paris geboren worden wäre, sondern zum Beispiel in Slough bei London? Hätte er nicht, mit ein bisschen Glück, schon ab 1962 den ultimativen James Bond abgegeben, mindestens so engelhaft gutaussehend wie der auch nur fünf Jahre ältere Sean Connery und zugleich so eiskalt wie der derzeitige Amtsinhaber Daniel Craig? Und der coole Borsalino, den er später bei allerlei Filmgelegenheiten trug, hätte der mit seiner messerscharfen Krempe, fachmännisch von Q präpariert, nicht auch als Killer-Frisbee todschick manche Kehle zerschnitten – oder wenigstens, stunning gag, Moneypennys Garderobenständer?

Ja, wo man auch hindenkt dieser Tage im Blick auf die ganz großen Helden, stets landet man bei Bond, James Bond. Und, pardon, heute natürlich bei Delon, Alain Delon. Der hatte mit Anfang 30 in Jean-Pierre Melvilles „Der eiskalte Engel“ seine Lebensrolle gefunden: Auftragsmörder, stahlblauer Blick, Trenchcoat, hochgeschlagener Kragen, am liebsten am Steuer der Citroën-Göttin DS. Die Flunder war sein Aston Martin DB5, lange vor Erfindung von Kopfstütze, Dreipunktgurt und Abgaskontrollbetrug. Gut, in dieser Rolle war er ein Böser, aber auch nicht böser als heute der gute Craig, Daniel Craig. Aber weil Delon eben Franzose war und nicht Brite, bevor er in die Schweiz übersiedelte, blieb ihm im Gangsterfach nur die Rolle des ernsteren Bruders von Jean-Paul Belmondo, wenn auch mit wesentlich schönerer Nase.

Natürlich ist Alain Delon mit dem Hinweis auf das Übeltäter-Etikett, das ihm zeitlebens anhaftet, nicht erschöpfend auserzählt. Es gibt auch den Liebhaber, im Leben wie im Film, und in beidem besonders mit Romy Schneider. Fast fünf Jahre waren sie das Célébrité-Couple schlechthin, bevor sie gemeinsam in Jacques Derays „La Piscine“ vier Jahre später, 1968, einander noch einmal ziemlich heiß ins Gehege kamen – ein Skandal damals, weil eindeutig erfahrungsgesättigt intim. Matthias Schoenaerts und Tilda Swinton jedenfalls, die bald im Remake „A Bigger Splash“ herumturteln, sind eine vergleichsweise keusche 21. Jahrhundert- Ausgabe dieses Hammerpaars.

Es gibt dann noch diesen und jenen Delon, den unglücklichen, der ab Mitte 40 out war, oder vor sieben Jahren seinen selbstironisch eitlen Realfilm-Cäsar in einer „Asterix“- Altersrolle und den vereinsamten Menschenfeind und Fan der Le Pens, aber davon ausnahmsweise kein Wort. Lieber eine Fundsache zum Geburtstag, natürlich auf Youtube, ein Schwarzweiß-Video von 1959, das ist die Zeit vor Luchino Viscontis „Rocco und seine Brüder“. Delon muss und will für die Rolle ordentlich Boxen lernen und gibt ein Interview vorn am Seil, verschwitzt, außer Atem, hinreißend fröhlich. Und sehr, sehr jung.

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