Porträt von Günter Grass. Foto: Imagop

Verlag stellt "Vonne Endlichkait" vor Das letzte Buch des Günter Grass

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Verfall, Tod und die Frage nach Gott: Das letzte Werk des verstorbenen Nobelpreisträgers Günter Grass, "Vonne Endlichkait", wird heute in Göttingen vorgestellt.

Fast ein halbes Jahr nach dem Tod von Günter Grass präsentiert der Steidl Verlag in Göttingen das mit Spannung erwartete letzte Buch des Nobelpreisträgers. Es hat in ostpreußischer Mundart den Titel „Vonne Endlichkait“, auf Hochdeutsch „Von der Endlichkeit“. Verleger Gerhard Steidl und Literaturexperten wollen den Entstehungsprozess des Werkes darlegen.

Grass hatte das Buch kurz vor seinem Tod am 13. April praktisch fertig und wollte es mit Steidl nur noch druckfertig machen. Nach Angaben des Verlags hat der „Blechtrommel“-Autor „in einem beeindruckenden Wechselspiel aus Lyrik, Prosa und Illustration sein letztes Gesamtkunstwerk“ geschaffen.

Das Buch kommt am Freitag, den 28. August mit einer Startauflage von 50 000 Exemplaren in den Buchhandel. Es umfasst 176 Seiten und bietet laut Verlag Liebesbriefe, Selbstgespräche, Eifersuchtsdramen, Schwanengesänge, Gesellschaftssatiren und Augenblicke des Glücks. Grass habe berührende Geschichten zu kunstvollen Miniaturen verdichtet, so der Verlag. „Plötzlich findet rhythmisierte Kurzprosa ein vielstimmiges Echo in episch wuchernden oder pointiert zugespitzten Gedichten.“

Verfall, Tod und die Frage nach Gott

Bei einer bewegenden Matinee hatte Grass' Tochter Helene im Juni erstmals öffentlich Auszüge gelesen. Der Göttinger Germanist und Präsident der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung, Heinrich Detering, lobte damals das trotz der ernsten Themen so leicht geschriebene Buch: „„Vonne Endlichkait“ ist ein anrührendes, manchmal bezauberndes Kunstwerk geworden.“ In dem Werk gehe es um die letzten Dinge, um körperlichen Verfall, ums Sterben, auch um die Frage nach Gott.

Ebenso drastisch wie grotesk und mit viel Humor beschreibt Grass - wie die von Helene Grass vorgetragenen Auszüge deutlich machten - die eigenen Altersbeschwerden.

Grass' deftiger Humor lebt noch einmal auf

Der ebenfalls vorgetragene Text „Worin und wo wir liegen werden“ ist mit deftigem Humor gewürzt. Weil der zweite Herzschrittmacher seine Dienste verweigert und die Lunge nach jahrzehntelangem Rauchen kaputt ist, lässt sich Grass von seinem Tischler für sich und seine Frau Särge liefern, in denen sie dann Probeliegen: „Wie seltsam, jeweils den Atem des anderen zu hören.“ Seine Frau bedauerte, kein Foto von ihm in der Kiste gemacht zu haben. „Du sahst so zufrieden aus“, lässt Grass sie in der Erzählung sagen. (dpa)


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