Berlins Kultursenator Klaus Lederer (Die Linke). Trotz Differenzen hat er sich jetzt zu Dercon als Volksbühnenchef bekannt. Foto: dpap

Streit um Berliner Volksbühne Lederer und Dercon: Einig in der Uneinigkeit

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Trotz nach wie vor bestehender Differenzen: Berlins Kultursenator Klaus Lederer will sich an den Vertrag mit Chris Dercon als Intendanten der Volksbühne halten.

Die Personalie war umstritten, doch jetzt hat sich der neue Berliner Kultursenator Klaus Lederer (Linke) zum Vertrag mit Chris Dercon als Intendant der Volksbühne bekannt. Lange waren sie sich aus dem Weg gegangen. Lederer sagt:
„Das Land Berlin steht in einem Vertragsverhältnis zu Chris Dercon, an das ich mich als Kultursenator halten werde. Das erwarte ich auch von ihm.“ Lederer hatte vor seinem Amtsantritt im Dezember 2016 und auch noch danach Dercons Eignung angezweifelt. Ohne Dercons Pläne im Detail zu kennen – die werden am 16. Mai bekannt gegeben –, hatte Lederer seine Kritik an der Verpflichtung des Kulturmanagers durch den vorigen Senat wiederholt. Er glaube, dass Dercon das Ensemble- und Repertoiretheater an der Volksbühne abschaffen wolle. Die Gespräche zwischen den beiden Herrn sollen sehr intensiv gewesen sein.

Einig darin, dass man sich nicht einig ist

„Am Ende blieb es bei unterschiedlichen Sichtweisen auf Theaterbetrieb und -funktion. Diese Differenz mag ungewöhnlich sein, ich halte sie jedoch für aushaltbar“: Auch diese Äußerung eines Kultursenators ist ungewöhnlich. Dercon wiederum erklärt dazu kühl diplomatisch: „Wir haben uns geeinigt, uns nicht zu einigen. Wir werden die Volksbühne ab dem 1. August in einer Weise weiterführen, die sowohl den sozialen Organismus dieses einzigartigen Theaters würdigt als auch die Zukunft der darstellenden Künste in Berlin und darüber hinaus vorantreibt.“ Der Dissens ist eklatant. Da vermischen sich Ideologie und Atmosphärisches sowie eine Reihe von Missverständnissen. Denn schon seit Jahren gibt es an der Volksbühne unter Frank Castorf kein wirkliches Ensemble mehr, und diverse andere Kunstformen haben dort längst Einzug gehalten. Dercon-Gegener Lederer versucht, sein Gesicht zu wahren und sich alle Optionen zu erhalten, ganz gleich, wie das Experiment mit Dercon ausgeht.
Es ist ein durchschaubares politisches Manöver, ein Novum in der Berliner Kulturpolitik: Lederer will im Grunde mit Dercon nichts zu tun haben, was nichts Gutes verheißt. Seine Loyalität beschränkt sich auf das Nötigste, während Dercon es mit seiner Informationspolitik sehr spannend macht. Dercon wieder loszuwerden</SB>, hätte Berlin Millionen Euro gekostet, viel Prestige und Vertrauen obendrein. Zu weit fortgeschritten war die Zeit, um noch umzusteuern. Auch Castorf, der nächste Woche mit einem „Faust“-Marathon seinen Abschied an der Volksbühne gibt, hat Pläne. Er wird zum Beispiel am Berliner Ensemble inszenieren. Dercons Gegner halten den belgischen Kulturmanager für ungeeignet, Nachfolger von Frank Castorf zu werden. Bühnen-Mitarbeiter hatten in einem offenen Brief gegen ihn protestiert.

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