Catherine Deneuve hat sich mit ihrer Positionierung in der MeToo-Debatte heftige Kritik eingehandelt. Foto: AFP/Anne-Christine Poujoulat
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Sexismus-Debatte Gegenwind für "MeToo"-Kritikerinnen um Deneuve

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Die Reaktion auf die "MeToo"-Kritik von Catherine Deneuve und anderen Französinnen fällt heftig aus. Auch die ehemalige Ministerin Ségolène Royal meldet sich zu Wort.

Die feministische Aktivistin Caroline de Haas hat gemeinsam mit 30 weiteren Frauen kritisch auf den offenen Brief in „Le Monde“ reagiert, in dem die Filmdiva Catherine Deneuve und hundert weitere Französinnen das Recht der Männer auf Aufdringlichkeit verteidigten. Die Gegenreaktion auf die Kritik an den „MeToo“-Kampagnen infolge des Weinstein-Skandals fällt prompt und heftig aus – auch Politikerinnen äußerten sich. In der französischen Filmwelt hingegen herrscht weiter großes Schweigen.

„Wenn die Gleichheit vorankommt, und sei es nur einen halben Millimeter, dann warnen gute Seelen gleich davor, dass es zum Exzess kommen könnte,“ heißt es in dem auf „Franceinfo“ veröffentlichten Gegentext. Die Autorinnen bedauern, dass Deneuve und Co. sexuelle Gewalt banalisieren und wieder einen „bleiernen Schleier“ über die sexualisierte Gewalt legen, den die Weinstein-Affäre gerade erst gelüftet habe.

Ex-Umweltministerin kritisiert "entsetzlichen Text"

Frankreichs Ex-Umweltministerin Ségolène Royal betonte: „Schade, dass unsere große Catherine Deneuve sich diesem entsetzlichen Text anschließt“. Royal sieht sich auf der Seite „der Männer und Frauen, die sich um die Würde der Frauen sorgen, die Opfer sexueller Gewalt geworden sind und aus Angst nicht darüber sprechen können“. Die Ministerin für Gleichstellung, Marlène Schiappa, bezeichnet die Erklärung der 100 als eine Mischung aus „interessanten“ und „schockierenden“ Reflexionen. Bedenkenswert erscheint ihr, dass Frauen von der ewigen Opferrolle genug haben. Für 2018 hat Schiappa, unterstützt von Präsidentengattin Brigitte Macron, eine Verschärfung des Sexualstrafrechts angekündigt. Belästigungen auf der Straße sollen bestraft werden, ein Mindestalter für einvernehmlichen Sex soll festgelegt werden.

Die ehemalige Frauenministerin Laurence Rossignol von den Sozialisten nennt den offenen Brief eine „Ohrfeige für alle Frauen, die sexuelle Übergriffe melden“. Zustimmung erhalten Deneuve und die anderen Unterzeichnerinnen hingegen von der konservativen Europaabgeordneten und ehemaligen Familienministerin Nadine Morano. Sie könne die Erklärung nur unterschreiben, sagt sie, Hashtags wie „MeToo“ hält sie als „ Aufruf zur Denunzierung in den sozialen Netzwerken“ für skandalös.

Argento: Deneuve hat den Verstand verloren

Christophe Barbier, Chefredakteur des Nachrichtenmagazins „L’Express“, ist einer der wenigen Männer, die sich bislang zur Deneuve-Debatte geäußert haben, Er begrüßt den Text, auch wenn er manches darin kritisch sieht. Es lohne sich, eine Debatte zu beginnen. Die Kampagne sei zu weit gegangen, Vergewaltigung und dumme Witze seien über einen Kamm geschoren worden.

Aus Italien meldete sich die Schauspielerin Asia Argento. „Was Catherine Deneuve und die anderen der Welt zu sagen haben, offenbart, dass ihre verinnerlichte Frauenfeindlichkeit ihren Verstand unwiederbringlich zerstört hat.“ Argento ist eine der Frauen, die den Produzenten Harvey Weinstein beschuldigen, sie vergewaltigt zu haben. Sie hatte Anfang der Woche auch die Protest-Aktionen bei der Golden-Globes-Verleihung kritisiert und die Verlogenheit Hollywoods angeprangert, gemeinsam mit Rose McGowan.

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